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Traumberuf Golflehrer

Eugen Pletsch Eugen Pletsch

Das Schicksal hat für jeden eine Überraschung parat. Wer es zum Beispiel als Buchhändler zu etwas bringen will, kann den Taxischein machen, um Außenminister zu werden. Jetzt bietet auch der Golfsport rosige Aussichten: Wer eine Stammvorgabe von –18,4 (!) hat, einigermaßen Deutsch spricht und einen Schulabschluss nachweisen kann, darf sich jetzt im „Traumberuf Golflehrer“ versuchen.

Aber aufgepasst, ihr Träumer: Ein Golflehrer ist längst nicht mehr der nette Schwungdoktor von einst. Wie die PGA erklärte, ist der moderne Golfprofessional gleichzeitig Golfschulbetreiber, ProShop-Besitzer, Clubmanager sowie Golfdirektor und berät sogar Industrie und Medien! Ein „Pro“ ist somit ein „Experte in allen Fragen des Golfsports“ und ein „kompetenter Vermittler des Game of Golf“ geworden.

Die neue Ausbildung zum „Fully Qualified PGA Professional“ beinhaltet eine dreijährige Berufsausbildung mit praktischer Schulung im Club und überbetrieblichen Seminaren. Neu ist auch das zweistufige modulare Grundsystem, die Zwischenstufe des PGA-Assistenten und der vorgeschaltete PGA PreCourse. Damit passte man sich den „veränderten Bedürfnissen des Marktes“ an. „Der Golfmarkt ist in Bewegung. Wir bewegen uns mit ihm“, erklärte PGA-Präsident Stefan Quirmbach.

Richtig so, denn die Zeit bleibt nicht stehen! Unter dem Motto „Masse statt Klasse macht Kasse“ hält die PGA endlich Schritt, indem sie sich den neuen, modernen „internationalen Ausbildungsstandards“ anpasst. Die Ansicht, dass nur kompetente Golflehrer die nötigen Grundlagen für einen brauchbaren Golfschwung vermitteln könnten, gilt ohnehin als veraltet. Während altbackene Golflehrermeister noch der Ausbildung von einst nachtrauern, sehen Beobachter der Branche im neuen Ausbildungsgang durchaus Vorteile: „Je weniger die Golflehrer über den Schwung wissen, umso weniger Unfug können sie anrichten“, meinte ein Golfexperte.

Das Golfspiel wird ohnehin vollkommen überbewertet. Laut Umfragen erwarten erlebnisorientierte Randgruppensportler „multioptionalen Freizeitspaß“. Weil es „wirtschaftlich nicht immer sinnvoll“ ist, stets vollqualifizierte Professionals einzusetzen, schuf die PGA deshalb den PGA-Assistenten.

Um ein einheitliches Ausgangsniveau zu garantieren, wird dem neuen Ausbildungsgang ein dreimonatiger „PreCourse“ vorgeschaltet, es sei denn, der Adept entscheidet sich für ein immerhin 30-tägiges (!) Praktikum in einem Golfclub. Während der Ausbildung kommt natürlich auch der Golfschwung zur Sprache, zumal „die Schulung von Kindern und Jugendlichen sowie erwachsenen Golf-Neulingen im Einzel- und Gruppenunterricht als Schwerpunkt der Ausbildung“ angesehen wird.

Trotzdem sollte das strittige Thema „Golfschwung“ die Ausbildung nicht unnötig verkomplizieren, weshalb die bisherige Vollzeit-Ausbildung bei einem Ausbilder entfällt. Aber keine Sorge: Die Kompetenz, eine Platzreifeprüfung abzunehmen, bleibt gesichert!

Für die Golfbetriebe besteht das große Plus darin, dass sie ihre Azubis „mit Beginn der eigentlichen Ausbildung sofort viel breiter einsetzen können“. Buggies waschen, Bälle aufsammeln und Zäune flicken, alles was bisher die Schwarzkasse eines Clubs belastete, muss nicht mehr von Migranten ohne jedwede modulare Grundausbildung erledigt werden.

Ein weiterer Vorteil der Reform ist etwas, wovon jeder Automechaniker-Lehrling nur träumen kann: Wer am Ende der dreijährigen Ausbildung die Prüfung zum „Fully Qualified PGA Golfprofessional“ dreimal nicht besteht oder seine Spielfähigkeit bis dahin nicht in ausreichendem Maße nachweisen kann, muss sich beruflich nicht neu orientieren. Als PGA-Assis­tent darf er Einsteiger-Unterricht erteilen und steht somit nicht mit leeren Händen da. Jedenfalls muss er keinen Taxi-Schein machen, um nach der Zwischenetappe Außenminister als dicker Unternehmensberater zu enden.



 
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