Tiger Woods: Driver

Kontrollierte Power

Danny Wilde, 33, PGA G1 Professional, langjähriger Tour-Coach von Martina Eberl und Maria Verchenova mit Stützpunkt im Münchener GC Thalkirchen/Strasslach, analysiert exklusiv für GOLF TIME die Schwünge der Stars.

Teil 1: Tiger Woods beim Abschlag.

Als Tiger Woods sich 2008, während seines grandiosen Sieges bei der U.S. Open, eine Knieverletzung zuzog und sich danach einer erneuten OP unterziehen musste, war das Bangen groß. Immerhin war es nicht Tigers erste. Hinzu kam, dass erneut sein linkes Knie Probleme machte.

Als der damals 33-Jährige dann Anfang der Saison, nach fast neunmonatiger Pause, wieder ins Geschehen eingriff, präsentierte sich der Weltranglisten-Erste nach kurzer Eingewöhnungsphase so stark, als wäre er nie weggewesen: Er gewann insgesamt sechs Turniere, seinen zweiten FedExCup und im Team den President’s Cup. Einziger Wermutstropfen aus seiner Sicht: Bei den Majors wollte es einfach nicht klappen.

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Tiger-Faktor. Was ist es, das Tiger so unglaublich stark macht? Natürlich seine körperliche wie psychische Dominanz, sein unbändiger Ehrgeiz und Siegeswille. Aber auch seine Disziplin auf und abseits des Golfplatzes, beim Training.

Körperwinkel lautet hier das Zauberwort. Es gibt nur wenige Spieler, bei denen jedes Element des Schwungs so perfekt ins nächste greift, wie bei Tiger. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch ihm Fehlschläge unterlaufen. Tatsache ist jedoch, dass die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Schlag, und das bei einer Schlägerkopfgeschwindigkeit jenseits der 120 mph, bei wohl keinem anderen Tour Pro besser ausgeprägt sind. Er ist nicht umsonst Tiger Woods, die unangefochtene Nummer eins der Welt – und das auch noch nach damals neunmonatiger Spielpause.

Technik. Wie Tiger den Beginn seiner Bewegung letztlich fühlt, ob aktiv mit den Händen, der Oberkörperdrehung oder mit den Beinen, ist schwer zu sagen. Nach eigenen Angaben versucht er momentan mehr Unterarmrotation mit Hilfe einer guten Oberkörper-Drehung im Rückschwung zu erlangen.

Die Diskussion über die Änderung seiner Schwungebene von steil (unter Ex-Coach Butch Harmon) zu flach (unter Coach Hank Haney), ob die Hände jetzt mehr auf einer Bahn den Rückschwung beginnen oder – wie früher – erst nach hinten und dann nach oben gehen, möchte ich hier nicht weiter kommentieren. Würde man Tigers Schwung von hinten betrachten, könnte man erkennen, dass er am höchsten Punkt des Rückschwungs jetzt den Schläger nicht mehr kreuzt (Schaft zeigt im höchsten Punkt rechts vom Ziel), sondern etwas legt (Schaft zeigt im höchsten Punkt links vom Ziel). Das hilft ihm, auf der Schwungebene zu bleiben.

Konsequenzen. Das bedeutet gegenüber früher aber auch, dass Tiger nun eine Konstante mehr in seinem Schwung zu berücksichtigen hat. Stellt man sich die Frage, warum Tigers Bälle vom Tee immer noch gerne mal rechts oder links ins Rough fliegen, kommt hier das Zusammenspiel aller Schwungelemente ins Spiel, nicht zuletzt der Beinarbeit.

Dazu muss man wissen, dass der erste Impuls eines Golfschwungs stets am Boden beginnt. Der Golfschwung startet die Rückschwungbewegung mit einem Abstoß vom linken Fuß, darauf folgt eine Hüftrotation mit nachfolgender Schulterrotation, Armbewegung und lateraler Verlagerung des Körperschwerpunktes nach rechts um die Körperachse. Im Vorschwung dann genau entgegengesetzt: Der rechte Fuß stößt sich nach links ab, Schieb-Drehung der Hüften und Oberkörperdrehung nach links und schlussendlich kommen die Arme und der Schläger zum Ball.

Korrekturen. Im Gegensatz zu früher schiebt Tiger seine Hüfte jetzt im Vorschwung weniger und dreht sie dafür früher. Das mag vielleicht noch an einer unterbewussten Schonhaltung liegen, denn frühere Drehung der Hüfte bedeutet auch weniger Druck auf das linke Bein.

Meine Ansicht ist hier eine andere: Tigers Hüfte ist einfach zu schnell für seinen Oberkörper, die dadurch entstehende, zu starke Verzögerung lässt ihn manchmal mit geöffnetem Schlägerblatt an den Ball kommen; andersherum, mit zu geschlossenem Schlägerblatt, wenn er dies aktiv zu vermeiden versucht. Das ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit bei einer Vorschwungzeit von unter 0,2 Sekunden und einer menschlichen Reaktionszeit von durchschnittlich einer Sekunde. Es muss also reflektorisch geschehen, dies wiederum geht nur mit einem optimalen, intuitiven Timing.

Wie man es auch dreht und wendet, Tiger ist die Nummer 1 und es wäre vermessen, Kritik an ihm zu üben – aber es macht viel Spaß, darüber zu diskutieren. Diskutieren können Sie übrigens auch gerne mit mir und meinem Team im Rahmen meiner Trainingskurse.

Weitere Infos hierzu unter www.danny-wilde.com oder per E-Mail an dw@golftime.de.