Platzregeln beachten!
Joachim Woehe
Die teilweise sehr umfangreichen und nicht leicht zu verstehenden 34 Golfregeln können so manchem Golfer schon schlaflose Nächte bereiten. Und dann dürfen Spielleitungen nach Regel 33-8 auch noch sog. Platzregeln für örtlich außergewöhnliche Umstände erlassen, sofern sie mit den Grundsatzbestimmungen des Anhangs I der Golfregeln (ca. 24 Seiten) vereinbar sind. Platzregeln sind also kein „Muss“.
Es gibt Golfplätze ohne jegliche Platzregeln. Zwei Spielsituationen zum Thema:
1. Spielsituation: Wegen sehr schadhafter Fairways war für das Zählspiel die Musterplatzregel „Besserlegen“ (gem. o. a. Anhang I, Seite 178) für die Löcher 1, 2, 3 erlassen und per Aushang bekannt gemacht worden. Eine Spielgruppe missachtete beim „Besserlegen“ stets, „die Lagedes Balls vor dem Aufnehmen zu kennzeichnen“. Eine andere Gruppe legte auf allen 18 Fairways „besser“. Eine 3. Spielgruppe kannte die Platzregel nicht und hatte somit überhaupt nicht „bessergelegt“. Wie ist zu entscheiden?
Antwort: Die Spielleitung hatte eine korrekte Platzregel erlassen und auch am offiziellen Info-Brett bekannt gemacht. Soweit alles richtig. Ein zusätzliches Verteilen der umfangreichen Musterplatzregel an die Spieler oder die Erläuterung durch einen Starter wäre natürlich sinnvoll gewesen. Grundsätzlich ist aber jeder Spieler selbst dafür verantwortlich, dass er die veröffentlichten Spielbedingungen kennt. Insofern hat die 3. Spielgruppe Pech gehabt.
Die Spieler der 1. Spielgruppe erhalten für jeden Fehler, die Lage des Balls vor dem Aufnehmen nicht gekennzeichnet zu haben, einen Strafschlag. Anders bei der 2. Spielgruppe. Hier erhält jeder Spieler für jedes „Besserlegen“ auf den Löchern 4 – 18 jeweils die Grundstrafe von 2 Schlägen. Nur gut, dass man die mit den Zählkarten schon eingereichten falschen Ergebnisse (weil Strafschläge nicht enthalten) nicht nachrechnen muss. Diese Spieler wurden natürlich disqualifiziert.
2. Spielsituation: Platzregel lautet: „Alle Pfähle/Pfosten auf dem Platz sind unbewegliche Hemmnisse“. Ein Spieler zieht trotzdem einen roten Pfahl, der ein seitliches Wasserhindernis kennzeichnet.Ein anderer Spieler möchte von einem weißen Pfahl, der „Aus“ kennzeichnet, straflos droppen, weil er in seinem Stand durch den Pfahl behindert ist. Wie ist zu entscheiden?
Antwort: Gemäß Decision 33-8/16 ist eine solche Platzregel zwar zulässig, aber m. E. dennoch nicht sinnvoll. Die Platzregel würde natürlich nicht auf „Auspfähle“ zutreffen, da sich diese Pfähle ja nicht aufdem Platz befinden. Wer weiß das aber auf Anhieb? Einen „Aus-Pfahl“ per Platzregel zum Hemmnis zu erklären, ist nicht zulässig. Denn normalerweise darf eine Platzregel eine Golfregel nicht außer Kraft setzen! Deshalb darf der Spieler vom „Aus-Pfahl“ nicht straflos, sondern nur ggf. nach Regel 28 (Ball unspielbar) mit 1 Strafschlag droppen.
Der Spieler, der den roten Pfahl herauszieht, erhält als Strafe für Verstoß gegen die Platzregel die Grundstrafe 2 Schläge (Zählspiel) bzw. Lochverlust (Lochspiel). Andere unzulässige Platzregeln wären z. B. auch: straflose Erleichterung für einen Ball im Wasserhindernis zu gewähren (Decision 33-8/36); einen Ball als im Aus zu werten, der die Auslinie überquert hat und dann auf dem Platz zur Ruhe gekommen ist (Dec. 33-8/38); alle Roughs oder Bereiche mit Büschen oder Gestrüpp, die direkt an die Spielbahnen grenzen z. B. als „seitliches Wasserhindernis“ zu erklären (Dec. 33-8/35); oder einem Spieler die Entscheidung zu überlassen, ob er seinen Ball, der von einer Überlandleitung abgelenkt wurde, weiterspielt oder den Schlag von alter Stelle straflos wiederholt.
Den Golfclubs, die noch Überlandleitungen auf ihrem Platz haben, wird eine Platzregel gemäß Decision 33-8/13 empfohlen (1. Schlag annullieren und straflos nächsten Schlag von alter Stelle ausführen). Letzte Hinweise: Die Genehmigung zur Abänderung einer Regel durch eine Platzregel kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen über den DGV beim R.&A. St. Andrews eingeholt werden.
Weitere wichtige Infos zum Erstellen von Platzregeln enthält auch das Spiel- und Wettspielhandbuch des DGV.
Joachim Woehe, Regel-Experte, DGV-Spielleiter und Platzrichter, beschreibt in GOLF TIME alltägliche Spielsituationen – aus der Praxis für die Praxis.