Eberl Teil 2: Chip

Golf-Training: "Die goldene 7"

Teil 2 der neuen Trainingsserie mit LET-Proette Martina Eberl – analysiert von Danny Wilde, 33, logicalgolf-Instructor und Tour-Coach von Martina Eberl, mit Stützpunkt u.a. im Münchner GC Thalkirchen.

Die Erfolge der vergangenen Wochen und Monate stimmen mich überaus zuversichtlich: Neben ihrem dritten Toursieg bei den Nykredit Masters in Dänemark und insgesamt acht Top 10-Platzierungen, hat sich Martina bei der Qualifying School der LPGA Tour im September auf dem Mission Hills Country Club in Rancho Mirage, Kalifornien, für das Finale im Dezember qualifiziert. Wenn sie es dort unter die Top-30 schafft, erhält sie die Spielberechtigung für 2009 auf der amerikanischen Profitour. Zuvor hatte sie bereits ihren zweiten Erfolg auf der Ladies European Tour bei den BMW Ladies Italian Open feiern können.

Ausschlaggebend für die Erfolge ist das harte Training, das wir nun schon seit über zwei Jahren diszipliniert verfolgen. Dabei hat Martina vor allem im kurzen Spiel einen großen Sprung gemacht, worin ich die Hauptursache für die guten Resultate in dieser Saison sehe. Grund genug, sich dem kurzen Spiel eingehender zu widmen.

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Chip-and-Run. Beim kurzen Spiel gibt es grundsätzlich zwei Varianten: 1. Den Chip-and-Run, bei dem der Ball flach gespielt wird, so dass er nach dem Aufkommen auf dem Grün zur Fahne rollt.
2. Den Lob- oder Flop-Shot, bei dem der Ball hoch in die Luft befördert wird. Nach der Landung rollt er nur wenig und kommt schnell zur Ruhe. Dieser Schlag ist perfekt geeignet, um Hindernisse zu überwinden.

Da der Lob-Shot der schwierigere Schlag ist, widmen wir uns gemäß der Lehrmethode „vom Einfachen zum Schwierigen“, hier zunächst nur dem Chip-and-Run.

Grundlagen. Ich gehe jede Wette ein, dass jeder Amateur mit einem Handicap um die 36 dieses um zehn bis 15 Schläge verbessern könnte, wenn er über einen Zeitraum von zwei Monaten zwei Mal pro Woche konzentriert an seinem kurzen Spiel arbeiten würde. Bei den Pros – in Martinas Fall Proetten – ist das nicht anders. Das kurze Spiel ist tatsächlich mit die wichtigste Schlagkategorie und macht oft den Unterschied aus zwischen Sieg und Niederlage.

Von den beiden genannten Varianten ist der Chip-and-Run auch die einfachere und sicherere Wahl, weil die gesamte Schwungbewegung viel kleiner ist als beim Lob-Shot und daher eventuell getoppte Bälle mit größter Wahrscheinlichkeit immer noch im Spiel bleiben. Der Ball fliegt flach und ist daher – ähnlich dem Putt – einfacher in der Richtung zu kontrollieren als ein hoher Pitch. Das Hauptaugenmerk beim Chip-and-Run liegt in der Längenkontrolle.

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Schlägerwahl. Die Wahl des Schlägers hängt von der Situation ab. Ziel ist es, den Ball auf dem Grün aufkommen und zur Fahne rollen zu lassen. Je nachdem, wie weit die Fahne entfernt ist und wie der Ball liegt (Rough, Semirough, Vorgrün), gibt es verschiedene Varianten.

Um sich nicht komplett zu verwirren, sollte man sich auf drei Schläger beschränken: Ein mittleres Eisen für wenig Flug und mehr Roll (z. B. 6, 7), ein kleines Eisen für mehr Flug und weniger Roll (z. B. 9, PW) und ein Hybrid (für Rough-Kanten, Semi-Rough, Rough). Letzteres, weil man nicht so leicht hängen bleibt.

Technik. Zunächst das Setup: Offener Stand, das heißt, Füße und Knie, die sonst parallel zum Ziel ausgerichtet sind, zeigen in einem Winkel von rund 45 Grad nach links vom Ziel. Der Oberkörper, die Verbindungslinie zwischen den Schultern, zeigt jedoch parallel zum Ziel. Das Gewicht ruht zu rund 65 Prozent auf dem linken Fuß, der Ball liegt mittig unterhalb des Brustbeins.

Durch den offenen Stand sieht es dabei fälschlicherweise so aus, als würde der Ball rechts von der Mitte liegen. Der Schläger wird kürzer gegriffen, das heißt, näher am Schaft. Hände und Handgelenke befinden sich vor, also links vom Ball. Es ergibt sich so beim Ansprechen ein steileres Schlägerblatt. Von vorne betrachtet bilden Schultern, linker Arm und Schläger eine „goldene 7“.

Wie jeder andere Schlag, ist auch der Chip eine Pendelbewegung, die aus der Körpermitte startet. Gefühlt bleibt der Unterkörper dabei ruhiger als beim vollen Schwung. Er ist durch den offenen Stand bereits „aus dem Weg geräumt”. Die Schwungintensität ist reine Übungssache. Eine Möglichkeit ist es, immer den selben Rhythmus beizubehalten und durch unterschiedliche Schläger bzw. deren Lofts die Flug- und Rolllänge zu kontrollieren. Eine andere wäre, durch Verdrehung des Schlägerblatts den Ballflug und den Roll zu verändern.

Experimentieren Sie mit verschiedenen Varianten – Ihr Score und Ihr Handicap werden es Ihnen danken.