Fitness-Tipps von GOLF TIME-Experte Dr. Christian Haid, Biomechaniker an der Universität Innsbruck.
Geheimnis Koordination: Wir haben ein riesiges Energiepotential, das wir nicht nutzen.
Ein lockeres Eisen acht des Pros landet nach 150 Metern auf dem Grün. Der Schwung wirkt leicht und kontrolliert. Weshalb erreichen wir diese Weite nicht? Was machen die anders? Die Antwort ist aus biomechanisch-physikalischer Sicht sehr einfach: Topgolfer setzen ihre Energie optimal ein.
Perfekte Schwungbewegung gepaart mit muskulärer Feinabstimmung. Auch wir können unseren Wirkungsgrad der Schwungbewegung erhöhen, mit garantiertem Erfolg. Koordinative Übungen - das wohl wirkungsvollste Trainingsmittel. Zählen wir, ohne auf Wertigkeiten zu achten, einige Faktoren, die zur Schlagweite beitragen, auf. Es sind: Kraft – Beweglichkeit – Technik – Koordination – Timing.
Welche wirken sich am stärksten aus? Beobachten wir Jugendliche, die „kraftlos“ weit schlagen, dann kann es nicht die Kraft sein. Die Verbesserung der Golftechnik mit dem Pro hilft, aber wir haben bei weitem noch nicht unser Ziel erreicht. Bleiben Beweglichkeit, Koordination und Timing. Timing ist im Golfsport eine der wichtigsten Faktoren. Es handelt sich um die Fähigkeit, verschiedene Bewegungen zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen.
Aber wie soll uns das der Pro beibringen, wenn uns das Vermögen dazu fehlt. „WAS FEHLT?“ Uns fehlt das Vermögen, unsere Bewegungen optimal aufeinander abzustimmen. Uns fehlt Koordination. Koordination bekommt man nicht, indem man Anleitungen des Golfpros ausführt, Koordination muss der Körper durch Wiederholen von Bewegungsabläufen lernen, und das braucht Zeit.
Möchten wir mit möglichst geringem Zeitaufwand lernen, dann müssen wir optimierte Lernprogramme verwenden. Ich habe mit Kai Fusser, dem Fitnesstrainer von Annika Sorenstam, solche Methoden entwickelt, und sie werden beim Training von Topgolfern eingesetzt. Nur für wenige Golfer ist der Zugang zu meinen exklusiven Kleingruppenseminaren möglich, daher werden hier einige Schritte zur Verbesserung der Koordination aufgezeigt.
Weshalb ordnet ein Biomechaniker und ehemaliger Leistungssportler der Koordination und dem Timing so hohen Stellenwert zu? Ganz einfach, je besser koordiniert Bewegungen sind, umso geringer sind die Belastungen für den Körper. Einmal mehr zeigt sich, dass gute Golftechnik für die Verbesserung des Spiels genauso wichtig ist wie für die Entlastung des Bewegungsapparates.
Koordination beeinflusst Bewegungen und Belastungen in unserem Körper. Sie ist innerhalb der Muskulatur (intramuskuläre Koordination) genauso von Bedeutung wie bei der Betrachtung von Drehmomententstehungen in Gelenken.
„Timing“ ist eine Form der Koordination, die sich auf den sichtbaren Bewegungsablauf beim Schwung bezieht. In Wirklichkeit verlieren wir aber bereits in unseren Muskeln und funktionellen Ketten sehr viel Energie. Diese fehlt uns für die Verbesserung der Schlagweite. Wir haben ein riesiges Energiepotential, das wir nicht nützen. Wir können bei gegebener Kraft durch koordinative Übungen enorme Verbesserungen erzielen. Aus diesem Grund einige Erklärungen und Anleitungen.
Wir strecken und beugen Gelenke. Als gut verständliches Beispiel wählen wir das Kniegelenk. Mit den Muskeln „Quadriceps“ strecken wir, mit den „Hamstrings“ beugen wir. Spannt man beide Muskeln gleichzeitig an, dann wird das Kniegelenk stabilisiert. Besonders Personen mit Kreuzband-Verletzungen machen das, um Scherbewegungen im Kniegelenk zu verhindern. Solche Vorgänge steuert der Körper, ohne unseren willentlichen Einfluss.
Ist unser Gelenk gesund, dann benötigen wir nur wenig Kraft in den Hamstrings, um das Gelenk zu stabilisieren. Bei uns spannen jedoch die Hamstrings zu stark an. Wie stark Beuger und Strecker im Verhältnis zueinander anspannen, können wir nur mit koordinativem Training beeinflussen. Je weniger die Beuger anspannen, umso größer wird das Drehmoment der Strecker, wir schalten hemmende Mechanismen aus.
Je älter wir werden, umso mehr spannen wir Beugemuskulatur und Streckmuskulatur gleichzeitig an. Das sichert die Gelenke, hemmt aber die gewünschten Bewegungen. Wir können mit wenig, aber gut koordinierter Kraft weiter schlagen. Spitzensportler verbringen Stunden mit koordinativen Übungen, um jene Muskeln, die die gewünschte Bewegung hemmen, „abzuschalten“.
Sprinter machen nach dem Krafttraining koordinative Läufe, Golfpros schlagen unzählige Bälle. Um unser Golf mit vertretbaren Übungszeiten voranzutreiben, können wir gut durchdachte koordinative Übungen in unser tägliches Leben einbauen. Auch meine praktischen Seminare finden golfplatzfern statt. Es benötigt das richtige Umfeld, um in den eigenen Körper hineinhorchen zu können.
Effizienz. So einfach diese Übungen (siehe Bilder) sind, sie bringen Ihrem Körper bei, Bewegungen „unkontrolliert“ zuzulassen. Ohne ständig Ressourcen für die Bewegungskontrolle einzusetzen, steigt die Effizienz der eingesetzten Muskulatur.
Sie kontrollieren Ihr „Unternehmen Körperbewegung“ nicht zu Tode, Sie bauen „bürokratische Hürden“ ab. Ein ungewöhnlicher Vorschlag in unserer Zeit, aber sehr nützlich. Bei gleicher Muskelkraft erhöhen Sie die nach außen wirksame Energie und können diese in Schlagweite umsetzen. Sie verbessern Ihren Wirkungsgrad. Arbeiten Sie mit dem Pro zusammen und vermeiden Sie falsche und unnötige Bewegungen.
Auch gute Physiotherapeuten und speziell ausgebildete Golfphysiotrainer können Ihnen weiterhelfen. Golf ist eine herausragende Sportart. In jeder Altersklasse sind tolle Ergebnisse möglich und der Abnahme der Schlagweite mit dem Alter kann man sehr gut entgegenwirken.
Golf ist wohl die einzige Sportart, bei der man hört und spürt, ob ein Schlag gelungen ist, man die Harmonie der Bewegung fühlt und anschließend das Resultat eines gelungen Schwunges an der hoffentlich schier endlosen Flugbahn des Balles miterlebt. Viel Freude am Golf!
Übung 1: Nehmen Sie einen stabförmigen schweren Gegenstand. Schwingen Sie leicht mit einem Arm vor Ihrem Körper. Achten Sie auf die axiale Drehbewegung des Unterarms analog zum Golfschwung. Vor Ihrem Körper muss sich das Handgelenk drehen. Im Golfschwung entspricht das der „release Bewegung“.
Üben Sie dieselbe Bewegung mit einem leichten stabförmigen Gegenstand. Sie merken, dass Sie jetzt aktiv machen müssen, was zuvor durch das Gewicht „wie von selbst“ passiert ist.
Übung 2: Kombinieren Sie die Pendelbewegung der Arme mit der Drehbewegung des Körpers. Schwingen Sie zuerst mit dem linken und dann mit dem rechten Arm vor Ihrem Körper hin und her. Sie merken, wie frei die Arme einzeln schwingen. Jetzt machen Sie es mit beiden Armen gleichzeitig. Sie merken, wie Sie sich „selbst im Weg stehen“.
Üben Sie nun den Körper so zu drehen, dass sie das gleiche freie Gefühl haben wie zuvor mit jeweils einem Arm.
Sie haben Fragen oder benötigen weitere Informationen? Wenden Sie sich gerne per E-Mail an Dr. Haid unter ch@golftime.de.