Michael Hoey gewinnt in St. Andrews
St. Andrews, Schottland – Das sprichwörtliche Glück der Iren konnte heute nur einem hold sein. Zuviele Golfer von der grünen Insel bewarben sich bei der prestigeträchtigen Alfred Dunhill Links Championship um das Siegerfoto auf der weltberühmten Swilcan Bridge. Was auch immer man in Nordirland derzeit dem Wasser beimengt, es scheint pures Golfdoping zu sein. Denn diesmal war es nicht Darren Clarke, Graeme McDowell oder Rory McIlroy, die am Ende triumphierten, sondern Michael Hoey.
Trotz sinnflutartiger Regenfälle in der Nacht und am Vormittag konnte man auf dem Old Course in St. Andrews heute halbwegs vernünftig Golf spielen, Allerdings fand man nun auf dem altehrwürdigen Platz diverse Wasserhindernisse, das hatte Old Tom Morris seinerzeit so nicht geplant, als er den Old Course neu gestaltet hatte. Michael Hoey jedenfalls spürte trotz der ungemütlichen Wetterlage den heißen Atem seiner prominenten Landleute im Nacken. Am Sonntag ging er als Führender ins Titelrennen und hatte schnell mitbekommen, dass der vor ihm spielende Rory McIroy „on fire“ war. Mit sechs unter Par und 30 Schlägen auf den ersten neun Bahnen arbeitete sich der Lockenmann Schlag für Schlag an Hoey heran und zog schließlich vorbei.
Und auch Graeme McDowell, der mit Hoey in der finalen Gruppe spielte, legte los wie die Feuerwehr und spielte auf den ersten sechs Bahnen drei Birdies. Hoey wirkte von soviel Dominanz sichtlich beeindruckt und lag nach sieben Löchern eins über Par. Dann jedoch ging vor allem McIlroy die Puste aus. Selbst allerbeste Birdiechancen wie bspw. auf der 14, dem einzigen Par 5 auf den Back Nine, ließ McIlroy liegen, dessen Putter ebenso wie der von G-Mac McDowell einfach nicht auf Betriebstemperatur kommen wollte.
Hoey hingegen schaffte es, auf der 15 und der 16 zwei Birdies zu spielen und ging kurz vor Schluss wieder in Führung. McIlroy, der an der Seite von Papa Gerry, seinem Amateur-Partner spielte, lag dieser Sieg natürlich besonders am Herzen, wann hat man schon einmal den Vater an der Seite, wenn man ein European Tour-Turnier gewinnt? Aufgrund der besonderen Regelung bei diesem Turnier spielen nicht nur die Profis um Preisgeld, Weltranglisten- und Road to Dubai-Punkte, sondern auch jeweils ein Amateurspieler pro Profi um eine Pro-Am-Gesamtwertung. Gewonnen haben hier übrigens Nick Dougherty und Chris Evans, eine Art englischer Stefan Raab.
McIlroy machte nach Hoeys alleiniger Führung gewaltig Druck, doch trotz bester Chancen wollte ihm kein Birdie mehr gelingen. Auf der 18 gab er seinem Annäherungsschlag sogar soviel Spin mit, dass dieser nach einer Punktlandung neben der Fahne zurück ins „Valley of Sin“ sauste. Sichtlich enttäuscht musste er dann beobachten, wie Michael Hoey im Stile eines Champions die 18 absolvierte und anstatt des (von McIlroy erwünschten) Bogeys sogar mit Birdie und zwei Schlägen Vorsprung gewann.
„Ich habe es noch gar nicht begriffen und das wird auch noch eine Weile so bleiben“, sagte Hoey überglücklich nach seinem Erfolg. Hoey musste schon sechsmal auf der Qualifying School um seine Tourkarte kämpfen, auch dieses Jahr drohte ihm dieses Schicksal. Die nächsten zwei Jahre werden Hoey diese Sorgen jedenfalls nun nicht mehr quälen.
Titelverteidiger Martin Kaymer lag bis zum Freitag noch sehr gut im Rennen, schoß sich dann aber an der Seite seines Vaters als Amateurpartner und seines Bruders als dessen Caddy eine grauenhafte 75, ausgerechnet auf dem Old Course, der unter den drei Austragungsstätten dieses Turniers (Kingsbarns, Carnoustie, Old Course) als die leichteste Übung gilt. Am Sonntag spielte er deshalb völlig chancenlos und landete trotz einer 68 auf dem geteilten 30. Platz.
Michael Hoey







