Fantastique! Siem gewinnt in Frankreich
Paris, Frankreich - Was für ein Sonntag! Was für ein Finish! Endlich erfüllte Marcel Siem die Erwartungen, die sein außergewöhnliches Golftalent in den letzten Jahren und vor allem in dieser Saison geschürt hat. Im Grunde war es ja kaum noch zu glauben, dass ein Spieler dieser Stärke bislang nur ein Turnier gewinnen konnte.
Doch obwohl viele Kritiker schon arg gezweifelt haben, ob der Ratinger überhaupt mental in der Lage sei, vier brillante Golfrunden zusammen zu setzen, bewies er bei der Open de France sich, seinen Fans und der gesamten Golfwelt, dass Marcel Siem ein Siegertyp ist.
Von Rang 4 gestartet, spielte Siem auf den vorderen neun Bahnen drei Birdies aber vor allem kein Bogey. Seine ärgsten Verfolger hießen zu diesem Zeitpunkt Raphael Jacquelin, der gerne sein Heimspiel gewonnen hätte sowie Ian Poulter und Henrik Stenson, der gemeinsam mit Siem in der vorletzten Gruppe spielte.
Der Führende vom Vortag, David Howell, war nach zwei Bogeys etwas zurückgefallen und schaffte insgesamt nur ein Birdie. Als es für Siem und Co in die heiße Phase ging, wartete schon der Italiener Franceso Molinari im Ziel, der mit einem Double Bogey gestartet war, dann aber neun Birdies gespielt hatte und seine Runde mit 65 Schlägen bei -7 aussichtsreich beenden konnte.
Am Ende war es jedoch eher ein Triumphmarsch für den Deutschen, der mit zwei Schlägen Vorsprung auf der 18 stand und sich das erste Bogey des Tages locker leisten konnte, während Mitspieler Stenson mit einem feucht-unfröhlichen Triple Bogey auf den geteilten siebten Rang zurück fiel. Mit einem Schlag Vorsprung auf Molinari und 276 Gesamtschlägen gewinnt Marcel Siem in Frankreich.
"Dieser Sieg bedeutet mir so viel", erzählte der überglückliche Siem später mit dem Pokal in der Hand, "bei so vielen Turnieren hatte ich in diesem Jahr schon fast eine Hand an der Trophäe und habe es dann doch noch vermasselt. Endlich hat es nach acht Jahren wieder geklappt." Marcel ging als Führender ins Wochenende, spielte aber am Samstag nur eine 73 und fiel auf dem Par 71-Platz um zwei Schläge auf Rang 4 zurück. Doch am Sonntag gelang Siem endlich der Durchbruch. Anders als in der Vergangenheit spielte er befreit und sichtlich entspannter auf und lochte auf den Grüns reihenweise Birdie-Putts.
Äußerlich gab es keine Spur der Nervosität, die Marcel häufig in entscheidenden Situationen im Griff zu haben schien, an diesem Sonntag erlebten die Zuschauer einen gereiften Weltklasse-Golfer, der den nächsten Schritt konsequent gegangen ist. Doch auf der Zielgeraden, das gibt der frischgebackene Champion gerne zu, hatte er schon ganz schön mit sich und dem knackschweren Golfplatz zu kämpfen.
"Die Zielgerade ist immer am schwersten", erzählte er später über die letzten Bahnen, "In Köln habe ich ja auch schon am Finaltag sinnlos einen Ball ins Wasser versenkt, als ich in Führung lag. Heute habe ich aber echt gute Golfschläge gemacht. Ich habe ihn an der 15 nahe an die Fahne geschlagen, der an der 16 war auch gut, auch wenn er nicht fiel. Und an der 17 traf ich sogar die Fahnenstange. Ich blieb heute ruhig, das war schön. Ein unglaublicher Tag."
Marcel Siem





