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Singh und Woods vorne

Carl Pettersson

Kiawah Island, South Carolina - Beim Blick auf das Leaderboard des vierten und letzten Major-Turniers 2012 fühlt man sich an gute, alte Zeiten erinnert, in denen Vijay Singh und Tiger Woods unzählige Kämpfe um Siege und die Position des Nummer 1-Spielers der Welt ausfochten.

Der Mann von den Fidschi-Inseln darf in einem knappen halben Jahr für die Champions Tour melden, kam aber am vergangenen Freitag am besten von allen Teilnehmern mit den Bedingungen auf dem knüppelharten Ocean Course zurecht, der als schwerster Golfplatz der USA gilt. Wenn dann, wie am zweiten Wettbewerbstag, auch noch der Wind einsetzt, wird das Meisterstück aus Pete Dyes Feder zur härtesten Golfprüfung des Jahres. Bezeichnend dafür ist bspw. die Tatsache, dass mehr Spieler über 90 Schläge spielten als unter 70 blieben. Singh schaffte als einziger Teilnehmer eine 69, während Michael Frye (90) und Doug Wade (93) die 90er-Marke rissen.

Die Grüns des Ocean-Course bruzzeln seit Wochen unter der sengenden Sonne South Carolinas und haben mittlerweile in etwa die Konsistenz einer Autobahn. Erhöht angelegt und mit knapp 50km/h Windgeschwindigkeit kombiniert, wurde somit der Schlag ins Grün zu einem nervenaufreibenden Glücksspiel. Man kann davon ausgehen, dass ein durchschnittlicher Amateur mit Hcp. 10 selbst an einem perfekten Tag unmöglich unter 100 Schlägen geblieben wäre. Die Profis benötigten mit 78,11 Schlägen im Schnitt fünf Schläge mehr als am Donnerstag, als 73,33 Schläge im Durchschnitt gespielt wurden.

Der Führende des ersten Tages, der Schwede Carl Pettersson, ist jedenfalls auch mit seiner 74 hochzufrieden. "Die 2 über Par haben sich wie ein Ergebnis von 2 unter Par angefühlt." Gemeinsam mit Singh und Woods muss er sich nun allerdings die Führung teilen. Dahinter lauert europäische Golf-Prominenz. Ian Poulter ist seit der Open 2008 endlich wieder "in the Mix" um einen Major-Triumph. Der Engländer mit dem extravaganten Textilgeschmack befindet sich mit -3 auf dem alleinigen vierten Platz, dicht gefolgt von Rory McIlroy und dem Waliser Jamie Donaldson auf dem geteilten fünften Rang.

Wie John Daly (T15) am späten Nachmittag auf Facebook postete. "Habe eine 77 gespielt und war damit einen Schlag besser als der Durchschnitt. Es ist immer noch ein Turnier, bei dem jeder gewinnen kann..."

Für Martin Kaymer allerdings trifft diese Erkenntnis nicht mehr zu, er hat sich zum dritten Mal in Folge nach dem zweiten Tag aus einem Golfturnier geballert. Gemeinsam mit Keegan Bradley und Tiger Woods in einer Gruppe stand die ehemalige Nummer 1 der Welt zwangsläufig im Publikumsinteresse, doch auch die Zuschauermassen inspirierten den deutschen PGA Championship-Sieger von 2010 nicht wirklich. Zwei Runden von 79 Schlägen hinterließen viele Fragezeichen bei seinen Fans und lassen die berechtigte Frage zu, ob Kaymer sofern er die Qualifikation für den Ryder Cup schafft, wirklich noch als einer der zwölf besten Spieler Europas durchgeht und dem Team Europa beim schweren Auswärtsspiel eine echte Hilfe sein kann.

Marcel Siem hingegen ist zumindest bei der PGA Championship die europäische Nummer 6, er liegt auf dem geteilten 15. Platz und hat noch alle Chancen, mit fünf Schlägen Abstand zur Spitze eine weitere "Siem"-sation zu schaffen. Der Rheinländer spielte drei Birdies und hatte leider zwischen der 9 und er 11 einige schwarze Momente, als er Bogey, Bogey, Double-Bogey scorte. Ansonsten hätte er am Wochenende mit Tiger und Co. gespielt, aber was nicht ist, kann ja noch werden...

Das vierte Major des Jahres könnte zum Höhepunkt der Golfsaison 2012 werden. Es bleibt eine hochspannende Angelegenheit und wahrscheinlich werden wir am Sonntag einige ganz große Dramen erleben. Adam Scott liegt auch Rang 7 und hat nach wie vor einen gewaltigen Hals wegen der verzockten Open. Wer braucht angesichts dieser Konstellation schon eine Olympiade?

© GOLF TIME Verlag GmbH

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