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Rory gewinnt in Rekordmanier

Rory McIlroy

Kiawah Island, South Carolina – Die Finalrunde des vierten Majors des Jahres war etwas für starke und schwache Nerven gleichermaßen. Ohne viel Federlesen machte Rory McIlroy Schlag um Schlag klar, dass er sein zweites Majorturnier gewinnen würde und zugleich abschließend die Frage klären wollte, wer in Europa und der Welt die Nummer 1 ist.

„In den letzten Monaten waren mal Luke, mal ich die Nummer 1 der Welt“, sagte McIlroy später im Interview, „Dass ich an einem Tag mein zweites Major gewinnen würde und die Führung in der Weltrangliste übernehmen konnte, war natürlich unglaublich. Ich glaube, Tiger hat mal gesagt, man kann eine gute Saison spielen aber um aus einer guten Saison eine großartige zu machen, muss man ein Major gewinnen. Nun habe ich zwei großartige Saisons in Folge gespielt. Egal, was in Zukunft passiert, das kann mir keiner nehmen. Hoffentlich kann ich so weiter machen bis zum Ende der Saison und auch im nächsten Jahr wieder eine großartige Saison hinlegen.“

Vor Beginn des Marathontages, an dem viele Spieler noch einige Bahnen der dritten Runde (Unterbrechung wegen Gewitters) absolvieren mussten, lag McIlroy schlaggleich mit Vijay Singh bei -6. Doch der Mann von den Fidschi-Inseln büßte neun Schläge bis zum Ende des Turniers ein und fiel auf +3 und den geteilten 36. Platz zurück. Der nordirische Champion hingegen spielte sein letztes Bogey des Turniers auf Loch 13 der dritten Runde und krönte seine Leistung am Sonntag mit einer 66 (-6).

„Ich werde dieses Turnier auch mit acht Schlägen Vorsprung gewinnen“, raunzte Rory seinem Caddie J.P. Fitzgerald auf der 18. Spielbahn zu, als er einen Fünf-Meter-Putt zum ungefährdeten Sieg hatte. Wie schon bei seinem U.S. Open-Sieg 2011 konnten die Verfolger Rory nur mit dem Fernglas sehen und dieser stellte mit seinem Sieg gleich auch noch eine neue Bestmarke für den größten Abstand zum Zweitplatzierten bei diesem Wettbewerb auf.

Rory McIlroy feiert ein fulminantes Mini-Comeback, nachdem er beim Masters und bei der U.S. Open sowie bei vielen anderen Turnieren in diesem Jahr eigentlich nur schlecht gespielt hatte, Cuts verpasste und viele Kritiker ihm unterstellten, er genieße lieber das Leben als hart an seinem Spiel zu feilen. Nun ist er der zweitjüngste Spieler aller Zeiten mit zwei Majorsiegen, jünger war natürlich nur Tiger Woods. Der außergewöhnlich begabte Nordire könnte vielleicht noch die eine oder andere Extrameile gehen, noch eine Schippe drauflegen und durch härteres Training ähnliche Dominanz entwickeln wie Tiger in den späten Neunzigern, aber dafür lebt McIlroy viel zu gerne und hat keinen Übervater im Nacken stehen, der ihn während Kindheit, Jugend und der Frühphase seiner Karriere mit militärischer Disziplin geschliffen hat. Gott sei Dank, wird McIlroy sich sagen.

Tiger Woods spielte geraume Zeit zumindest im erweiterten Kreis der Sieganwärter mit. Doch vor allem in Runde drei, als er fünf Bogeys produzierte, aber auch in Runde vier, als ihm vor allem auf den Back Nine nicht viel gelang, musste er sich eingestehen, dass die ehemalige Nummer 1 der Welt heute gegen fast jeden Spieler eine Chance hat, jedoch sicher nicht gegen den „Celtic Tiger“ in Bestform.

Dass McIlroy in einem knallroten Shirt gewann, der Sonntagsfarbe die Woods berühmt gemacht hat, wird Tiger sicher auch nicht wirklich gefallen haben. Ein geteiler 11. Platz bei zwei Schlägen unter Par bedeutete drei Schläge Rückstand auf den alleinigen Zweiten David Lynn, jedoch auch neun Zähler Sicherheitsabstand auf McIlroy. In Tigers Denken mehr als eine Welt.

Titelverteidiger Keegan Bradley, Sieger des WGC-Championship Bridgestone Invitational in der Vorwoche, spielte am Sonntag eine 68 (-4) und kam somit noch auf Rang drei als bester U.S. Spieler. Die große Überraschung des Wochenendes war allerdings der Engländer David Lynn, der als mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt die Gunst der Qualifikation nutzte und mit einer 67 (-5) am Sonntag den alleinigen zweiten Platz und den größten Preisgeldscheck seiner Karriere holte. Wahrscheinlich darf er Rory McIlroy dankbar sein, dass dieser das Turnier so souverän gewann, somit musste Lynn nie Nerven zeigen und konnte ohne allzu großen Siegdruck sein bestes Golf abrufen.

Dies gelang Marcel Siem leider nicht ganz so gut. Er fiel nach einem starken Auftakt, als er kurzzeitig wieder in die Top 10 vorstieß, aufgrund seines schwachen Putters auf den geteilten 36. Platz zurück. Auf Facebook postete er: „Tut mir leid. Nachdem viele Putts daneben gegangen sind, ist mein Geduldsfaden nach zwei Wochen schlechten Puttens gerissen. Bin wirklich enttäuscht und ein bisschen traurig. In Gleneagles greife ich wieder an.“

© GOLF TIME Verlag GmbH

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