Tiger Woods siegt und dominiert
Bethesda, Maryland - Ist er zurück? Ist der neue Tiger so gut wie der alte? Nach dem dritten Saisonsieg auf der PGA Tour kann man beide Fragen mit einem vorbehaltlosen "Ja" beantworten.
Tiger Woods ist der aktuell beste US-Spieler in der Weltrangliste und befindet sich auf Tuchfühlung mit dem europäischen Spitzentrio Donald, McIlroy, Westwood. Während der Schlussrunde des AT&T National demonstrierte Tiger nicht nur alte Stärken, er garnierte seine Vorstellung auch mit einer Portion "Tiger-Magie", für die ihn seine Fans und Bewunderer schätzen.
Es war lange Zeit ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Bo Van Pelt und Tiger, während sich der Führende nach 54 Bahnen, der Südafrikaner Brendon De Jonge, schnell als potentieller Titelaspirant verabschiedete. Auf Loch 14 sah es so aus, als wäre Tiger in echten Schwierigkeiten, denn sein Ball lag fast unspielbar an einem Baum. Doch Woods zug sein Eisen 9 durch, hämmerte den Ball aufs Grün und auf ca. vier Meter an die Fahne. In der Wiederholung sah man, dass sich der Schaft im Durchschwung regelrecht um den Baumstamm wickelte, aber weder brach noch verbog - die Schlägerbauer bei Nike bzw. dem Schaftlieferanten Dynamic Gold wird es freuen.
Auf der 15. Spielbahn lochte Tiger einen Putt über sechs Meter zum Birdie, was auf den enorm schnellen Grüns ein echtes Kunststück war. Bo Van Pelt zog mit einem Birdie aus ca. drei Metern nach. Dann wurde es kurios. Ausgerechnet auf dem folgenden Par 5, der leichtesten Spielbahn der Anlage, mussten beide Golfer einen Schlagverlust hinnehmen. Tiger beförderte sein Pitching Wedge über das Grün einen Abhang herunter und konnte das Par nicht retten. Van Pelt war wohl ob der plötzlichen Chance, Tiger einen, vielleicht sogar zwei Schläge abzunehmen so gelähmt, dass er einen relativ harmlosen Chip versemmelte und letztlich ebenfalls nur das Bogey schrieb. Der Schockzustand schien auch auf der 17. Bahn noch anzuhalten, denn Van Pelt verzog seinen Abschlag, die Annäherung war entsprechend schwach und ein weiterer Schlag ging verloren.
Als Tiger auf der Schlussbahn schließlich seinen Eisenschlag perfekt zur Fahne spielte, wusste Van Pelt, dass Tiger heute eine Nummer zu groß für ihn war. Er konnte sich über den alleinigen zweiten Platz freuen, einen Schlag vor Adam Scott. Brendon De Jonge, der gemeinsam mit Van Pelt und Woods in der Finalgruppe spielte, stolperte mit 77 Schlägen auf dem geteilten elften Platz ins Ziel.
Tiger Woods überholt mit seinem Sieg Jack Nicklaus in puncto PGA Tour-Siege und steht nun mit 74 Triumphen auf dem alleinigen zweiten Platz hinter Sam Snead. "Ich weiß noch, wie die Presse geschrieben hat, ich könne nicht mehr siegen. Wann war das? Vor sechs Monaten? Aber ich konnte sehen, wie sich Stück für Stück wieder alles zusammensetzt. Sean Foley und ich arbeiten jeden Tag und sehen, wie die Konstanz zurückkommt. Es ist alles nur eine Frage der Zeit...."
Tiger Woods





