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Scotts bittere Stunde

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Adam Scott Adam Scott

Adam Scott

Lytham St. Annes, England – Als Adam Scott nach der 14. Spielbahn mit vier Schlägen Vorsprung die Open anführte, zweifelte keiner der Zuschauer vor Ort oder an den Fernsehgeräten daran, dass der Australier nach 68 Löchern und einem Ergebnis von zehn unter Par in der kommenden Stunde triumphal zum ersten Major-Sieg schreiten würde.

Zumal die ärgsten Verfolger des 32-jährigen Weltklasse-Golfers allesamt Fehler über Fehler produzierten. Doch in Ermangelung irgendwelcher Großtaten seitens Graeme McDowell oder Tiger Woods hatte der Südafrikaner Ernie Els im Laufe des Nachmittages still, leise und unerwartet den zweiten Platz geerbt.

Doch just als die Führung so groß und sicher wirkte, schien Adam Scott zu bemerken, dass er endlich sein erstes Major-Turnier gewinnen würde und das Etikett „Ewiges Talent“ würde abstreifen können. Auf Loch 15 schlug er entsprechend hypernervös ein amateurhaftes Sandwedge aus dem Grünbunker und zog sich das erste von vier Bogeys. Auf Loch 16 schob Scott einen Putt aus weniger als einem Meter vorbei und die Golfwelt stellte sich drei Fragen: „Wird das etwa wirklich noch einmal spannend?“, „Was ist los mit Adam Scott“ und „Warum unternimmt der erfahrene Caddie Steve Williams nichts, um seinen Schützling zu beruhigen?“

Auf Loch 17 schlug Scott ein selten schlechtes Eisen ins Grün, um Bogey Nummer 3 perfekt zu machen, eventuell hatte er mitbekommen, dass Els durch ein Birdie auf der 18 einen Score von -7 ins Clubhaus gebracht hatte und stand nun plötzlich nur noch als geteilter Führender am Abschlag der 18. Spielbahn. Scott wusste: „Birdie zum Sieg, Par für ein Stechen, Bogey bedeutet Niederlage“ und schlug sein Holz 3 in einen der Fairway-Bunker, deren Besuch fast immer einen Schlagverlust bedeutet.

Nach dem Pitch aus dem Bunker war Schlag 3 dann jedoch ein brillantes Eisen bis auf zwei Meter an die Fahne und Hoffnung keimte auf. Als Scott dann seinen Broomstick-Putter ansetzte und der Ball links an der Lochkante vorbei schrammte, war einer der größten Kollapse der Open-Geschichte perfekt. Und man muss sagen, viel schmerzhafter hätte man den schleichenden Tod auf diesen vier Bahnen nicht zelebrieren können.

„Es ist noch nicht eingesunken“, beschrieb Scott später seine Emotionen, „Ich hoffe, ich komme schnell darüber hinweg und kann mich nächste Woche wieder auf neue Aufgaben fokussieren. Ich muss sehen, wie ich mich morgen fühle, wenn ich aufwache.“

Wie muss man sich so eine Kettenreaktion bei einem Weltklasse-Golfer vorstellen? Wie kann ein Spieler, der schon viele große Turniere erfolgreich beenden konnte, so urplötzlich den Faden verlieren und viermal so haarsträubende Fehler begehen? War sich Adam Scott seiner Sache zu sicher? Hat er z.B. auf der 16 den Putt nicht mehr so bierernst genommen oder einfach nicht gesehen, dass auf der 17 die gesamte rechte Seite des Grüns frei ist, während er den Ball links anspielte obwohl zudem der Wind auch noch stark von rechts blies? Hätte nicht Steve Williams nach dem Bogey auf der 15 bemerken müssen, dass sein Schützling einen mentalen Totalschaden ausbrütet? Es ist kaum denkbar, das Adam Scott nach diesem Tag einfach zur Tagesordnung wird übergehen können. Diese Niederlage war episch, brutal und vergleichbar mit dem Master(s)-Desaster von Greg Norman 1996, von dem sich der "Great White Shark" nie wirklich erholt hat.

Graeme McDowell durfte das Drama aus nächster Nähe beobachten „Was hätte ich ihm nach der 18 sagen sollen? Er war extrem niedergeschlagen, völlig enttäuscht, aber er ist ein großer Spieler, das habe ich ihm auf dem letzten Grün versucht rüberzubringen.“ Auch Ernie Els spendete bei seiner Siegerrede erst einmal Trost in Richtung seines Freundes, bevor er seinen überraschenden Sieg in Worte fasste. Adam Scott musste währenddessen wie ein Häufchen Elend dabei stehen und konnte sichtlich nicht begreifen, was sich in der vergangenen Stunde abgespielt hatte.

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