Mit Cowboys und Indianern Golf spielen
The Ritz Carlton Dove Mountain: Loch 3 auf dem Saguaro-Course
Wo einst die Colts rauchten und Kriegsbeile ausgegraben wurden, liegt heute ein Golfparadies.
Vielleicht endet nicht jeder Tag in Tucson, Arizona, so spektakulär wie meiner. Aber erste Abende in fernen, fremden Ländern besitzen zuweilen die Eigenart, eine spezielle Magie zu entwickeln. Der Sonnenuntergang verwandelt den Himmel über den Tortolita Mountains in ein orangeblaues Farbspektakel, das eigentlich nur dem Bildbearbeitungsprogramm „Photoshop“ vorbehalten sein sollte, wenn es darum geht, ein besonders kitschiges Postkartenmotiv zu erzeugen. Nachdem der letzte surreale Sonnenstrahl verglüht ist, schwingt sich ein absurd riesiger Vollmond auf die Bühne des sternenklaren Firmaments, an dem die Milchstraße blinkt wie ein interstellarer Highway.
Während eine Gruppe amerikanischer Golftouristen einen Flachbildschirm anbrüllt, auf dem ein Basketballspiel der Phoenix Suns die entscheidende Phase erreicht, sitze ich auf dem wunderschönen Patio des Ritz-Carlton Hotels Dove Mountain und reflektiere meinen Golftag.
Höhenluft. Auf dem Dove Mountain Golf Course wurde Martin Kaymer im Februar 2011 dank seines Finaleinzuges bei der WGC Accenture Matchplay Championship die Nummer 1 der Golfweltrangliste.
Die 27-Loch-Anlage wurde von Jack Nicklaus erbaut und manch ein Kritiker sagt, dass die Golflegende im Bestreben, den Stars von heute alles abzuverlangen, vielleicht etwas zu weit gegangen ist. Denn Nicklaus wusste, dass seine „Zielgruppe“ die 64 besten Golfer der Welt sein würden. Obwohl die 18 Bahnen, auf denen sich die Golfstars duellieren, über 7.000 Meter lang sind, spielt „Länge“ nicht die Hauptrolle. Der Platz liegt bis zu 1.000 Meter über dem Meeresspiegel, weshalb auch die Bälle ca. fünf bis zehn Prozent weiter fliegen.
Die eigentliche Tracht Prügel erwartet die Spieler auf den Grüns. Nach der Eröffnung und dem ersten Matchplay-Event 2009 wurde Nicklaus von den Offiziellen gebeten, etwas Bewegung aus den Puttoberflächen zu nehmen, um vernünftiges Pin-Placement zu erlauben. Bei meiner Runde fielen mir die erhöhten Abschläge auf, die dem Spieler in Kombination mit den breiten Fairways einiges an Selbstvertrauen einflößen, um dieses beim Anspielen der teils sehr kleinen Grüns wieder zu zerstören. Die Spielbahnen werden von riesigen Armleuchter-Kakteen, den „Saguaros“ gesäumt, die teilweise über 250 Jahre alt sind und während der Bauphase nicht beschädigt oder gar entfernt werden durften.
„Saguaro“ und „Tortolita“ heißen auch die beiden 9-Loch-Plätze, die für das WGC-Turnier genutzt werden, dazu gibt es noch „Wild Burro“, wobei diese Löcher auch die Lieblingsbahnen der Touristen darstellen, da Jack hier etwas gnädigere Spielbedingungen geschaffen hat.
The Ritz Carlton Dove Mountain: Loch 3 auf dem Saguaro-Course





