24.05.2016

Dufner ist ein Gentleman

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Bedford Hills, New York – Rob Labritz ist der Director of Golf des GlenArbor Golfclubs in Bedford Hills, New York. Der PGA Pro verdient sein Geld in erster Linie mit Golfunterricht für Teenager und Hausfrauen. Labritz ist aber nicht nur auf der Driving Range zu Hause – er kann auch auf hohem Niveau Golf spielen. Bereits zum vierten Mal in seiner Karriere konnte sich Labritz über die PGA Professional National Championship für die PGA Championship qualifizieren, zuletzt im Jahr 2013. 

Im Vorfeld der PGA Championship hatte Labritz über seinen Freund Frank Darby, dem ehemaligen Trainer von Keegan Bradley an der St. John’s University in New York, eine Trainingsrunde mit Keegan Bradley, Dustin Johnson und Jason Dufner ergattert. Pünktlich am Dienstag um 8.30 Uhr morgens fand sich also der Flight auf dem Oak Hill CC ein, um für das bevorstehende Major zu trainieren. Vielleicht sollte man wissen, dass sehr viele PGA Tour-Spieler solche Übungsrunden vor einem Turnier meist gähnend langweilig finden – und sie dieser Zeit mit ein paar Dollar Spieleinsatz gerne etwas mehr Spannung verleihen. Auf vielen Amateurrunden wird ja auch gerne gezockt. Und wenn der Einsatz dem Geldbeutel der Spieler angemessen ist, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Doch vor genau diesem Problem stand Labritz an diesem Morgen. 

In einem Interview mit dem Lokalblatt seines Heimatorts, dem Record-Review Journal, enthüllte Labritz  die Geschichte: „Jason Dufner und Keegan Bradley fingen sofort an, darüber zu diskutieren, um wieviel wir denn heute spielen sollten“, erinnert sich Labritz. „Dufner fragte also Keegan: ‚Hey, um was spielen wir heute? 100.000, 200.000 Dollar? Keegan, was hast Du vergangenes Jahr verdient? Sieben Millionen Dollar? Ich dachte, Du wolltest heute um richtig Cash zocken?'“ Kurze Info am Rande: Jason Dufner hat bisher 15 Millionen Dollar an Preisgeld erspielt, Keegan Bradley 10 Millionen Dollar, Dustin Johnson 19 Millionen Dollar. Labritz gelang angesichts der vorgeschlagenen Wettsummen allerdings nur ein müdes Lächeln, doch er behielt die Nerven: „Hey Jungs“, schlug er seinen Spielpartnern vor. „Das ist nicht so ganz meine Liga. Ich musste heute drei Golfstunden absagen, um hier überhaupt dabei sein zu können. Können wir vielleicht um 500 Dollar spielen? Da kann ich mir das Verlieren theoretisch noch leisten…“ 

Die Multimillionäre lachen bei 750 U.S.-$ Einsatz

Die Multimillionäre stimmten lachend zu und der Flight ging auf die Runde. Labritz spielte im Team zusammen mit Bradley ein Best-Ball-Match gegen Dufner und Johnson. Doch bereits nach den ersten vier Löchern waren Bradley und Labritz 4 down. Auf dem 16. Loch waren sie immer noch bei 4 down. Also schlug Bradley vor, den Einsatz bei den verbleibenden zwei Löchern um die Hälfte zu erhöhen, zur Hälfte zu pressen, sozusagen… Es half aber alles nichts. Am Ende des Vormittags hatte Labritz – statt wie befürchtet 500 Dollar – sogar 750 Dollar verloren. „Und das Geld hatte ich natürlich nicht bar bei mir. Also lief ich zu meinem Spind im Lockerroom, holte mein Scheckbuch raus und schrieb Jason Dufner einen Scheck über 750 Dollar aus.“ In die Betreffzeile schrieb Labritz: „Sorry für den Scheck + Danke für den Spaß“. Den Scheck legte Labritz in Dufners Spind. Freitag, drei Tage später, war das Abenteuer PGA Championship für Rob Labritz dann auch schon wieder vorbei. Er hatte den Cut verpasst. 

Für Dufner hingegen war das Turnier ein voller Erfolg. Am Sonntagabend durfte Dufner nämlich einen Scheck über 1,44 Millionen Dollar in Empfang – und die Wanamaker Trophy mit ins Bett nehmen. Doch dann passierte einige Tage später etwas, mit dem Labritz wirklich nicht gerechnet hatte: „Ich bekam Post von Jason Dufner. In dem Brief war mein Scheck über 750 Dollar und eine handgeschriebene Nachricht an mich: ‚Rob, es hat viel Spaß gemacht, vergangenen Dienstag mit Dir eine Runde Golf zu spielen. Deinen Scheck konnte ich aber einfach nicht einlösen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute. Hoffentlich sehen wir uns irgendwann bei der PGA Championship wieder.“ 

Labritz weiter: „Das hat mich echt umgehauen. Der Mann hat Klasse.“ Und so wie Labritz von Dufners Geste tief berührt war, so haben auch die US-Golffans reagiert, als diese Geschichte damals öffentlich wurde. Denn daraufhin hat Dufner einen weiteren Spitznamen bekommen: The true gentleman. Und neben dem Trend „Dufnering“, den Jason Dufner bereits unfreiwillig kreiert hat, gibt es jetzt einen neuen Ausdruck, wenn man jemandem seine Spielschulden beim Golf erlässt: „Dufnering it like a gentleman“.

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