17.12.2015 | 14:22

Der einsame Wolf

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Als Golfstar war er ein spaßbefreiter Eigenbrötler, im Fernsehen mauserte sich Nick Faldo zum humorigen Top-Moderator. Der amerikanische TV-Sender ESPN rief Nick Faldo kurz vor seinem 50. Geburtstag an und lud ihn zum Turnier des Basketballstars Michael Jordan auf die Bahamas ein. „Ich freue mich! Ich würde sogar hinschwimmen, um mit Michael zu spielen“, antwortete Faldo begeistert. Dann erfuhr er, dass man ihn nur als Moderator der Veranstaltung engagieren wollte. „In diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, dass meine sechs Major-Siege Millionen Jahre her sein müssen.“ Supertalent. 1977 war der zwanzigjährige Nick Faldo der jüngste Spieler des Ryder Cup-Teams aus Großbritannien und Irland, das gegen den übermächtigen Gegner aus den USA erwartungsgemäß deutlich verlor. Doch der Rookie setzte ein deutliches Ausrufezeichen. Er gewann seine beiden Vierball-Matches an der Seite von Peter Oosterhuis und setzte sich schließlich auch im Einzel gegen den Open Champion Tom Watson durch. „Nicht schlecht für einen Jungen aus Welwyn Garden City, der erst vor sechs Jahren mit Golf begonnen hat“, dachte sich Faldo, dessen großes Idol Jack Nicklaus war. Ihn hatte er im Alter von 13 Jahren während der Übertragung des Masters 1971 beobachtet, woraufhin Nick beschloss, Golf spielen zu wollen. Fortan verbrachte er jede freie Minute auf dem Platz und feilte an seinem Spiel. 1975 gewann der Engländer die British Amateur sowie die British Youth Championship und schmiss umgehend seinen Job als Teppichleger, um an der Universität von Houston in den USA zu studieren. 1976 wurde er Profi. Schnellstart. Nick Faldo machte auf der European Tour keine Gefangenen. In seinem Debütjahr 1977 wurde er Achter der Order of Merit, ein Jahr später war er schon die Nummer 3 in Europa. 1983 dominierte er zwar die European Tour, beschloss aber aufgrund seiner Erfolglosigkeit bei den Majorturnieren, unter der Anleitung von David Leadbetter seinen Schwung umzubauen. 1985 und 1986 durchlitt Faldo deshalb die schwierigste Phase seiner Karriere. „Ich habe wie besessen trainiert, täglich bis zu 2.000 Bälle geschlagen und mich gefragt, wann ich die Umstellungen endlich verinnerlicht haben würde. Bis heute wundere ich mich, dass ich bei den unzähligen Übungseinheiten nicht den Rücken oder die Schulter ruiniert habe.“ In dieser Zeit des Darbens verlor Faldo die meisten seiner Sponsoren. In kürzester Zeit hatte er sich vom vielleicht besten Golfer der Welt zu einem Mann verändert, der kaum noch einen geraden Ball schlagen konnte. 1987 erhielt er nicht einmal mehr eine Einladung zum Masters. Während in Augusta das wichtigste Golfturnier der Welt abgehalten wurde, tingelte Nick übers Land und spielte bei zweitklassigen Veranstaltungen. Dann machte es schließlich „Klick“ und Faldo merkte, dass seine Schwungumstellung endlich beendet war. Er gewann im Mai die Peugeot Spanish Open und erntete zwei Monate später in Muirfield den Lohn der Mühe und des Leids, als er mit einem Schlag Vorsprung vor Paul Azinger seine erste Open Championship gewinnen konnte. Der neue verbesserte Nick Faldo war geboren. Faldos intelligentes und effektives Spiel zog die bewundernden Blicke des Publikums auf sich, bei seinen Kollegen war er jedoch alles andere als beliebt. Nach der Golfrunde verschwand er meist sofort von der Anlage und seine Tourkollegen hielt er grundsätzlich auf Distanz. Seine Vorstellung von einem geselligen Abend war ein Essen allein in seinem Hotelzimmer. Er war der wortkarge, einsame Wolf, der die Gegner durch seine stoische Art einschüchterte und vor allem unter Druck seine Bestleistungen zeigte. Hier klicken für ausführlichen Bericht

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