16.12.2014 | 19:01

Redneck Love-Affair

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GOLF TIME USA-Korrespondent Dominik Krautschun versorgt Sie wöchentlich mit News und Geschichten rund um das Thema Golf – direkt aus den Vereinigten Staaten. Diese Woche: Wo würden Sie die letzte Golfrunde Ihres Lebens spielen? Sie haben diese Unterhaltung vielleicht schon mit Ihren Freunden nach einer Runde Golf geführt: Wenn man nur noch eine Runde Golf zu spielen – dafür aber die freie Wahl hätte: Wo und mit wem würden Sie die letzte Runde Ihres Lebens spielen? Manche würden vielleicht eine Runde auf Augusta National wählen, andere würden sich vielleicht wünschen, mit den besten Freunden in der Gischt des Pazifik auf Pebble Beach zu spielen. Und wieder andere würden am liebsten auf dem 9 Loch-Platz an die Teebox treten wollen, wo sie das erste Mal in ihrem Leben wirklich Golf gespielt haben. Als ich vergangene Woche mal wieder mit meinem Golfbuddy John Collett auf dem Golfplatz stand, stellte ich mir aufgrund gewisser Umstände ebenfalls die Frage: Wenn ich eine letzte Golfrunde in den USA spielen könnte – wo würde ich an die Teebox treten wollen? Ich hatte das große Glück eine Menge großartiger Plätze spielen zu dürfen und tolle Menschen kennenzulernen. Ich durfte unter anderem in der Wüste von Arizona meine Bälle in Begleitung von Koyoten spielen, ich konnte mich auf dem schwersten Finish der PGA Tour, der “Snake Pit”, auf dem Innisbrook Resort beweisen oder auf dem Old Colliers Country Club in Naples in Begleitung von Milliardären und ihren britischen Caddies ein Bogey nach dem anderen auf der Scorecard notieren. Nach der Runde vergangenen Samstag bin ich aber dazu geneigt, meine letzte Runde in den USA auf einem Platz zu spielen, der nicht unter den Top 100 Plätzen Floridas gerankt ist. Der Platz ist nicht einmal unter den Top 500 verzeichnet. Nach vier Jahren Golf in den USA ist mein Herz aber dennoch am Golden Gate Country Club in Golden Gate City in Naples, Florida, hängen geblieben. Hier gibt es auch in der Hochsaison im Dezember/Januar noch das Angebot, 18 Löcher ab zwei Uhr Nachmittags für 30 U.S.-Dollar zu spielen. Die ersten Löcher werden entlang des Collier Boulevards gespielt und wer seinen Drive gerne kräftig mit einem Hook schlägt, kann schon Gefahr laufen, seinen zweiten Schlag von der dreispurigen Straße aus Richtung Grün zirkeln zu müssen. Just do it! Der Rest des Platzes ist auch kein Kinderspiel und wenn der Zustand auch nur 30 U.S.-Dollar wert ist – das Layout und das Ambiente sind einfach Old-School Florida, so called “Redneck Country”. Wenn man dann nach knapp 3,5 Stunden Golf an der mit Palmwedeln gedeckten Tiki-Bar in der untergehenden Sonne aus einem Plastikbecher ein Budweiser für zwei U.S.-Dollar trinkt, Country Musik aus scheppernden Boxen eine Unterhaltung kaum möglich macht, im Hintergrund im Scheinwerferlicht auf der Driving Range ein paar hoffnungslose Fälle am späten Abend noch ein paar Bälle schlagen – dann ist das meiner Ansicht nach ein ziemlich gelungener Golftag gewesen. Die Bedienungen nennt man “Honey”, jeder andere Golfer wird mit “Sir” angeredet – auch wenn er sich aufgrund der Happy Hour nach 19 Uhr kaum mehr artikulieren kann – und auf dem Flatscreen-TV läuft die Zusammenfassung der PGA Tour des Tages. John Collett hat mir dieses schäbige Juwel gezeigt, und ich danke ihm sehr dafür. Eine Weisheit hat er mir zu Ende der Happy Hour dann auch noch mitgegeben: “If it ain’t a Redneck Bar, it ain’t a Florida Golfcourse.” Da kann ich nur sagen: “Yes Sir, thank you, Sir!” Schreiben Sie mir: [email protected] Ausgewählte Beiträge werden hier veröffentlicht. Dominik Krautschun, Jahrgang ‘70, lebt in Naples, Florida, der “Golf Capital of the World”. Der Schreibtisch des Hcp -4,3-Golfers steht auf der Driving Range des Miromar Lakes Beach & Golf Club. © GOLF TIME Verlag GmbH Artikel zu diesem Thema:

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