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Coverstory: Homestory Sandra Gal GALAKTISCH
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Auffahrunfall in der Zahlenkolonne 21.08.2014

Götz Schmiedehausen, Stellv. Chefredakteur GOLF TIME
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Der Ball befindet sich noch nicht einmal in der Endphase seines Fluges, da huscht mein Blick schon nervös zum Display. Schlägerkopfgeschwindigkeit drei Prozent unter Durchschnitt! Der Smash-Faktor absolut katastrophal (schon wieder) und die Schwungebene erst! Okay, der Ball flog schnurgerade auf die Driving Range, aber der Carry-Wert! Da fehlen locker acht Meter! Der Roll hingegen war im Verhältnis viel zu lang. Oh mein Gott, ich befürchte, ich kann jetzt überhaupt nicht mehr Golf spielen. Mein Leben ist ruiniert!!! Seit einigen Wochen trainiere ich mit diversen Schwunganalyse-Gadgets (neudeutsch für „seltsame Gerätschaften“) und ich liebe es (abgesehen davon, dass ich mich einem Zustand des Wahnsinns annähere, der an ein Gemälde von Hieronymus Bosch erinnert). Früher habe ich einfach Bälle geschlagen und war im Grunde mit dem Endergebnis zufrieden. Ha! Mit dem Endergebnis! Wie lächerlich naiv! Ich hatte ja keine Ahnung, WIE ich meinen Ball von A nach B befördert habe. Er lag eben einfach da – und manchmal auch an Punkt C (D, E, F usw.) Wenn Ihnen erst einmal klar wird, dass Ihr lausiger Attack Angle auf der völlig verschobenen Swing Plane dafür verantwortlich ist, dass der Launch Angle die Spin Rate um die Spin Axis so negativ beeinflusst, dass der Ball losflattert wie ein betrunkener Wellensittich in Zeitraffer, dann wissen Sie . . . wissen Sie . . . Sie wissen im Grunde gar nichts! Angefangen hat das alles mit einer Golfuhr, die ich vor geraumer Zeit erstanden habe. Dieses teuflische Wunderwerk misst die Bewegung der Arme und Hände in der Schwungbewegung und gibt Auskunft, wie groß der Gesamtschwungwinkel, wie hoch die Geschwindigkeit der Hände im Treffmoment und wie gut das Gesamttiming des Schwungs ist. Soweit, so schlicht. Mit diesen Rudimentärdaten versorgt, trainierte ich und freute mich jedes Mal, wenn die Werte ohne große Ausreißer in schöner Mäßigkeit gleich blieben. Doch schnell merkte ich, dass die Zerstreuung der kleinen weißen Murmel weiterhin ein Mysterium blieb. Also besorgte ich mir den iTrainer Mini, ein Schwunganalyse-Gerät, das man bequem an den Schlägerschaft schnallen kann. Ich platzierte mein iPad neben meiner Tasche und begann mit der Erforschung meines Schwungs. Schon nach einer Stunde hatte ich so viele erschreckende Ziffern gesammelt, dass selbst Graf Zahl aus der Sesamstraße laut schreiend davongelaufen wäre. Diese 12,5 Gramm Unbestechlichkeit raubten mir jegliche Illusionen! Ich war weder ein Longhitter noch ein Straighthitter! Auch wenn ich gerade erst mit 75 Schlägen die beste Runde meines Golfjahres geschossen hatte, so war ich allenfalls ein halbseidener Glücksritter und kratzte meinen Score mit Kurzspiel und Putter zusammen wie ein Penner seine Münzen aus der Bettelschale. Dann fuhr ich nach Schottland, um das neue Fitting-Zentrum von Nike zu besichtigen, in dem Rory McIlroy uns Journalisten aus aller Welt ein paar Schläge demonstrieren sollte. Als ich seine TrackMan-Daten sah, überlegte ich einen kurzen Moment, ob ich laut schreiend über die Driving Range davonrennen sollte. Wir sprechen hier nicht von Welten, die zwischen mir und dem Open Champion liegen, es sind Galaxien! Dieses Bübchen mit den lustigen Locken haut den Ball über 300 Meter! Carry!!! Eine Stunde nachdem er gegangen war, schlich ich mich auf die gleiche Anlage, um zu überprüfen, ob da nichts getürkt worden war. Mit Ach und Krach schaffte ich 220 Flugmeter. Ein entspanntes Eisen 2 für Rory, der beste Drive des Tages für mich. Ich gehe jetzt wieder häufiger ins Fitness- Studio! Ich habe meine Ernährung (erneut) umgestellt und ich nehme regelmäßig Trainerstunden – viele! Mein Analysegerät zeigt mir eine Verbesserung meiner Basisdaten von 0,6 Prozent an. Wenn ich so weitermache, hole ich Rory im Jahr 2023 ein. Sofern es in der geschlossenen Anstalt einen Golfplatz gibt . . . © GOLF TIME Verlag GmbH


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