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Bessere Drives – das ist wichtig 18.12.2018

Ein guter Drive fängt weit vor der Ausholbewegung an
Ein guter Drive fängt weit vor der Ausholbewegung an
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Ein guter Drive fängt nicht erst bei der Ausholbewegung an. Aber welche Fragen sollten vorher geklärt werden?


Freddy und Patrick Braun von www.belowpar.de

Wann haben Sie sich zum letzten Mal über eine unerwartete Möglichkeit gefreut? Wir hatten vor kurzem die Chance, PGA-Pro James Lockrose zu interviewen. James arbeitet nur mit einer Handvoll Amateuren zusammen, der Rest seiner Schüler ist auf verschiedenen Profi Touren unterwegs. Dementsprechend wertvoll sind die Erfahrungen, Tipps und Ratschläge, die uns zunächst einmal überrascht haben, auf den zweiten Blick allerdings unheimlich viel Sinn machen.

James ist der Meinung, dass es im Training vor allem auf drei Schläger ankommt: Den Driver, den Putter und ein Wedge unserer Wahl. James geht sogar noch einen Schritt weiter und meint, dass wir unsere Zeit verschwenden, wenn wir den Großteil unserer Trainingszeit nicht in diese drei Schläger investieren. Selbst wenn wir uns mit dem Eisen 7 stark verbessern, steht nach 18 Löchern immer noch die gleiche Zahl auf der Karte. 

Driver, Wedge und Putter machen den Unterschied

Dagegen machen Driver, Wedge und Putter in den meisten Fällen den Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Runde aus und bergen unheimlich viel Potential für Verbesserungen. Wer den Ball nicht ins Spiel bringt, Putts nicht lochen und sich nach Ausrutschern nicht retten kann, tut sich langfristig schwer.


Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, James' Ratschlag in diesem und unseren nächsten zwei Artikeln etwas aufzudröseln und unsere Perspektive in Bezug auf erfolgreiche Drives, Annäherungen und Putts mit einfließen zu lassen. Da wir den Driver auf dem Platz immer vor dem Wedge oder dem Putter aus der Tasche ziehen, möchten wir diese Serie auch mit dem Driver beginnen. 

Übrigens: Nichts, was wir Ihnen in diesem Zusammenhang vorstellen, hat etwas mit der Technik zu tun und wir könnten wetten, dass Sie über den ein oder anderen Aspekt so noch nicht nachgedacht haben.

Ein guter Drive beginnt vor dem Drive

So wie eine gute Morgenroutine mit dem vorigen Abend beginnt, beginnt auch ein guter Drive mit dem vorigen Loch und aller spätestens dann, wenn wir das Bag abgestellt und den Schläger aus der Tasche gezogen haben. Ab diesem Zeitpunkt sollten wir vergangene Schläge und Löcher abgehakt haben und mit dem Fokus bei der kommenden Aufgabe sein.

Wenn Ihnen das schwerfällt und Sie ab und zu mit abschweifenden Gedanken kämpfen, dann versuchen Sie doch einmal folgende Atemübung: Schließen Sie, bevor Sie den Driver aus der Tasche ziehen, für einen kurzen Moment die Augen. Atmen Sie dabei vier Sekunden lang ein, halten Sie Ihren Atem sieben Sekunden lang an und atmen Sie 8 Sekunden lang aus. 

Dabei beruhigen wir uns nicht nur, wir konzentrieren uns automatisch auf die Atmung, beziehungsweise auf das Zählen. Der menschliche Fokus ist sehr eindimensional. Wer sich auf den Atem konzentriert, kann mit den Gedanken nicht gleichzeitig am letzten oder vorletzten Loch sein. Das hilft uns, den Fokus auf die kommende Aufgabe zu richten und am Abschlag die richtige Entscheidung zu treffen. Apropos Entscheidungen…

Jede Entscheidung sollten wir vor dem Schlag treffen

Es ist nicht so wichtig, wie wir uns entscheiden. Viel wichtiger ist, dass wir uns entscheiden und dann hinter dieser Entscheidung stehen.

  • "Woher kam der Wind nochmal?"
  • "wie weit ist es über den Bunker?" und 
  • "von wo möchte ich auf dem Grün am liebsten putten?" 

All das sind Fragen, die wir geklärt haben sollten, bevor wir unsere Ansprechposition einnehmen. Über dem Ball ist kein Platz mehr für Oh-oh-da-links-ist-Wasser-Gedanken. Über dem Ball wollen wir uns auf unser Ziel fokussieren. Schülern dieses Zielbewusstsein näher zu bringen, ist ein großer Teil der Arbeit von Pia Nilsson und Lynn Marriott, die damit nicht nur als Trainerinnen von Annika Sörenstam, der ehemaligen Nummer eins der Damen-Weltrangliste, viel Erfolg hatten. Beide empfehlen jedem Golfer, den Ball erst dann anzusprechen, wenn er/sie vollkommen hinter der Entscheidung steht und den kommenden Schlag hinter dem Ball noch einmal zu visualisieren.

Was ist mit Probeschwüngen?

Ein Probeschwung ist eine super Gelegenheit, den kommenden Schlag zu visualisieren. Unsere Empfehlung: Lassen Sie während des Probeschwungs die Finger von einer technischen "Überprüfung" und konzentrieren Sie sich auf Ihr Ziel. Visualisieren Sie dabei ruhig Ihre individuelle Flugkurve. Nirgends steht, dass eine Runde, bei welcher der Ball ständig geradeaus flog mehr wert ist, als eine kurvenreiche Runde.

Niemand kauft einen Akkuschrauber wegen des Akkuschraubers, sondern, um ein Loch zu bohren. Niemand bohrt ein Loch, weil Löcher in der Wand so ansprechend aussehen, sondern um ein Regal aufzuhängen. Ein Regal macht wenig Sinn, wenn wir es nicht mit irgendetwas füllen. Im Endeffekt kaufen wir keinen Akkuschrauber, sondern den Wunsch nach einem aufgeräumten Zimmer.

Vergessen Sie dieses Prinzip nicht und behalten Sie Ihr Ziel im Auge — gerade auf dem Golfplatz, wo es sehr leicht ist, sich von kosmetischen Eingriffen ablenken zu lassen. 

"So wenig Schläge als möglich" heißt das Ziel. Kurve hin oder her. Was zählt ist, dass wir eventuelle Kurven im Griff haben. Wer zu einer bestimmten Kurve tendiert, kann sich auch an grauen Tagen darauf verlassen. Ein Draw oder Fade ist nichts, was uns beunruhigen sollte. Konstanz heißt – wie so oft – das Zauberwort. 

Kurven einplanen

Ob Sie links oder rechts aufteen macht gerade bei großen Abschlagsboxen einen unheimlichen, optischen Unterschied. Vor allem dann, wenn Sie zu verschiedenen Flugkurven tendieren. Wer eine links-rechts-Kurve schlägt, sollte tendenziell rechts aufteen, um die Spielbahn links optisch zu vergrößern und einen besseren Winkel zum Fairway zu haben. Dadurch wird die Spielbahn geöffnet, der Ball hat links mehr Raum zum Starten und kann problemlos zurück in Richtung Fairway kurven.

Wer zu einer Rechts-links-Kurve tendiert, der sollte tendenziell links aufteen. Dadurch wird die Spielbahn rechts geöffnet und sieht vor dem Hintergrund der Kurve deutlich breiter aus. Der Ball hat zudem rechts mehr Raum zum Starten und kann problemlos zurück Richtung Fairway kurven.

Dasselbe gilt für Hindernisse. Wer an einem Loch mit einem Hindernis konfrontiert ist, macht es sich leichter, wenn er oder sie auf der Seite des Hindernisses aufteet. Befindet sich beispielsweise ein Wasserhindernis auf der rechten Seite der Bahn, so ist jeder gut beraten, der ebenfalls rechts aufteet. Die Bahn wird auf diese Weise nach links geöffnet und das Wasserhindernis wird optisch kleiner.

Apropos Hindernisse: 

Wann blenden wir Hindernisse aus? Wenn wir sie nicht sehen! Werfen Sie doch einmal einen Blick in die Bäume, beziehungsweise in Richtung Horizont, anstatt sich ein herkömmliches Ziel auf dem Fairway zu suchen. 

Ein auffälliger Punkt am Horizont oder in den Bäumen, der in Verlängerung Ihres Zielpunktes auf dem Fairway liegt, eignet sich perfekt als Orientierung vor dem Schlag. Wenn wir über dem Ball stehen und ein letztes Mal zum Ziel schauen, sehen wir jetzt nicht das Fairway inklusive aller Hindernisse — wir sehen einen auffälligen Punkt in den Bäumen, ohne Hindernisse. 

Das ist wichtig:

  • Ein guter Driver beginnt am vorigen Loch, nicht erst dann, wenn wir den Ball ansprechen 
  • Treffen Sie alle (strategischen) Entscheidungen bevor Sie Ihre Ansprechposition einnehmen oder noch besser; legen Sie sich Ihren Spielpan schon vor der Runde zurecht
  • Nutzen Sie den Probeschwung, um den kommenden Schlag zu visualisieren und teen Sie entsprechend Ihrer Flugkurven auf


Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Plus- und Singlehandicapper (+1,4 & 3,6), Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.de. Freddy spielte vier Jahre lang College Golf in den USA, wo er mit der Wilmington University bei den nationalen Meisterschaften 2016 unter die Top 8 Teams des Landes kam. Während seiner Zeit in den USA lernte er unter anderem von PGA-Tour-Trainern und gewann mehrere Turniere mit dem Team.


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