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Coverstory: Caroline Masson POWER GIRL
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Business as (un)usual 17.09.2015

John Solheim umringt von den Teams der USA und Europas
Carin Koch und Juli Inkster bei der Solheim Cup-Pressekonferenz
Juli Inkster und Carin Koch beim traditionelle Gala-Dinner
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St.Leon-Rot – Feuchtfröhlich ist die Stimmung im amerikanischen und europäischen Lager, was jedoch dem Dauerregen geschuldet ist, der seit Mittwoch über der Golfanlage St. Leon-Rot niedergeht. Zwar fielen die Trainings-Sessions gestern und heute nicht sprichwörtlich ins Wasser, doch über die Aussagekraft der Proberunden für den Freitag kann man sich streiten. Laut Wetterbericht werden sich exakt zwölf Stunden vor dem ersten Abschlag die Himmelsschleusen schließen und die Greenkeeper-Armada wird den Platz in einen Zustand versetzen, der mit dem Wasserpark der Vortage nichts mehr gemein haben wird. Europas Kapitänin Carin Koch, die das alleinige Sagen beim Set-up (Rough-Höhe, Grüngeschwindigkeit, Abschlag- bzw. Loch-Positionen) der 18 Spielbahnen hat, wird in engen Kontakt mit den Greenkeepern stehen, um entscheiden zu können, welcher Mix dem eigenen Team maximal in die Karten spielt. Wahrscheinlich wird Koch die Länge des Platzes nutzen, vor allem, da die Bälle auf den eventuell noch feuchten Fairways weniger Roll annehmen. Offenbar liegt den Amerikanerinnen diese Form des langen Spiels wenig, die zudem das dichte, feuchte Rough in St. Leon-Rot von den meist sonnig-warmen LPGA-Spielorten in der Heimat nicht gewohnt sind. Auch die Zusammenstellung der Spielerinnen für die Fourballs am Vormittag wird sich wohl daran orientieren. So kann man davon ausgehen, dass vor allem die Longhitter Melissa Reid, Suzann Pettersen, Anna Nordqvist oder Catriona Matthew Europa ins Feld führen werden. Die Parole von Team Europa muss lauten: „Kein Turnier wie jedes andere“, was in direktem Widerspruch zum amerikanischen Leitmotiv steht. U.S.-Kapitänin Juli Inkster möchte ihren Spielern vermitteln, dass sie den Solheim Cup nach dem Motto: „Business as usual“ angehen sollen und dadurch in ihre gewohnte LPGA-Komfortzone kommen. Äußeres Anzeichen ist die Abwesenheit der sonst omnipräsenten Gesichtsbemalung, Nagellackierungen und Haarbänder in den amerikanischen Farben. Während der Pressekonferenzen hält Inkster den Ball deshalb auch so flach wie einen tieffliegenden Dackeltöter auf dem Golfplatz. Strahlend preist sie die Solheim Cup-Woche schon jetzt als großartige Erfahrung, egal wie das Ergebnis am Ende lauten werde. Man sei doch schon hochzufrieden, wenn man einige Putts lochen würde. „Das ist die Hauptsache. Den Ball auf das Fairway befördern und anschließend Spaß haben.“ Ganz wichtig für Inkster und ihr Team scheint jedenfalls, irgendwie „Under“ zu sein – vornehmlich in Form von „Understatement“ und „Underdog“. Eine erstaunliche Haltung für ein Team, das seit der Heimniederlage in Colorado 2013 zehn Majorsiege (Europa vier) und 16 LPGA-Triumphe (Europa vier) unter den Mannschaftsmitgliedern aufteilen konnte. In der Weltrangliste belegen die U.S.-Damen im Durchschnitt Rang 24,6. Europa dümpelt auf Position 52,6. Mathematisch gesehen sind die Roten also mehr als doppelt so gut, reden sich aber offenbar viermal so schlecht wie die Blauen. Der Solheim Cup ist ja vor allem ein Team-Wettbewerb, bei dem es darum geht, als Einheit aufzutreten. Und Team USA versucht 2015 wirklich alles, um diese Einigkeit zu demonstrieren. Es wird gemeinsam gelacht, gejubelt und abgeklatscht. Der einzige Solheim Cup-Rookie Alison Lee bringt ihre Bewunderung für die berühmten Kolleginnen zum Ausdruck, diese überschütten wiederum ihren Superstar in der Dauerkrise Paula Creamer mit Lobhudeleien. Team Europa scheint diese Form der zwanghaften Einigkeitsdemonstration nicht nötig zu haben. Carin Koch weiß, dass sie zwölf Spielerinnen hat, die allesamt gut miteinander können und gerne miteinander spielen. Und die heimliche Team-Leaderin Suzann Pettersen aus Norwegen machte schon am Dienstag deutlich, dass sie genau weiß, wie der Hase läuft. Sie hat seit 2002 keinen Solheim Cup verpasst und mit bzw. vor allem gegen die Top-Spielerinnen dieser Zeit im Solheim Cup gespielt. Ihr fiel auf, dass mit dem Aufkommen der „neuen Generation“ um Michelle Wie oder Jessica Korda eine gewisse Streitbarkeit gepaart mit überbordendem Patriotismus im Team USA Einzug gehalten hat. Das hat offenbar kaum Früchte getragen, deshalb präsentiert man sich nun eben gereifter und leiser. Team Europa hat diese Wandlungen nicht nötig. „Ich denke, wir fühlen uns ganz gut mit der Art und Weise, wie wir die letzten Male aufgetreten sind“, resümierte Suzann Pettersen. Morgen früh punkt 8.00 Uhr schlägt der Tag der Wahrheit und es kommen endlich Bälle ins Spiel. Aber eins scheint heute schon klar: Irgendein „Underdog“ wird wohl letztlich gewinnen. Die Begegnungen am Freitagvormittag: Hier klicken für ausführlichen Bericht


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