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Das kurze Spiel unter der Lupe 2 16.08.2016

Faustregel: Einfach zu merken: Je weicher ein Platz, desto höher darf der Bounce sein
Faustregel: Einfach zu merken: Je weicher ein Platz, desto höher darf der Bounce sein
Johannes Herbig
JOHANNES HERBIG, Inhaber der Fitting-Schmiede Clubmate Golf mit Stützpunkten in Pfungstadt und im Jordan Golfdom, Köln
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Wer die Wahl hat, hat die Qual. Welche Arten von Bounce gibt es und welcher ist der optimale für das eigene Spiel?

Grundsätzlich gibt es zum Thema Bounce zwei unterschiedliche Herangehensweisen bei der Auswahl. Zum einen kann die Beschaffenheit des Untergrundes auf den am häufigsten gespielten Plätzen ein Auswahlkriterium sein. Hier gilt ganz einfach: Je weicher die gespielten Plätze sind, desto höher darf der Bounce sein, um das Spiel zu erleichtern. Bei weichen Böden können Wedges mit viel Bounce das Eingraben der Führungskante vermindern und leicht fette Treffer wirken sich nicht ganz so negativ aus. 

Die andere Betrachtungsweise geht von den jeweiligen Schwungeigenheiten aus. In den meisten Fällen wird grob in drei Klassen unterteilt: Man spricht vom Picker, vom Driver und vom Digger. Der Picker bürstet mit den Wedges auch bei größeren Schwüngen nur das Gras. Ein Divot sieht man bei ihm höchst selten. Und wenn es dann doch mal passiert, dann ist es extrem klein und man sieht vielleicht drei abrasierte Graswurzeln. Beim Driver ist schon ein Divot sichtbar und wird bei jedem Ballkontakt produziert. Das Divot ist allerdings deutlich länger als tief und meist wird es mit einem Geldschein verglichen – flach und lang. Die vom Digger produzierten Divots sind deutlich sichtbar und von der Größe her ein gutes Schnitzel.

Einsatzbereich

Wenn man die Extreme mit Tourspielern in Verbindung bringen würde, wäre der Picker ein Spieler wie Steve Stricker und der Digger wird perfekt durch Sergio Garcia abgebildet. Von der Fittingidee her ist es dementsprechend sehr einfach: Picker – wenig Bounce (0 – 6°); Driver – mittlerer Bounce (6° – 10°) und Digger – hoher Bounce (10° – 16°).

Erfahrungsgemäß ist eine Mischform der entsprechenden Betrachtungsweisen am sinnvollsten. Man sollte also im Vorfeld entscheiden, für welchen Einsatzbereich ein Wedge hauptsächlich gedacht ist und wählt dann seinen Bounce anhand der Bodenbeschaffenheit in Übereinstimmung mit den persönlichen Schwungeigenheiten.

Sohlengrinds – der Feinschliff
In den letzten Jahren hat sich die Wedgeauswahl noch weiter verkompliziert, weil ein Element von den Touren dieser Welt auf den normalen Markt ausgedehnt wurde – der Sohlengrind. Der Feinschliff der Wedgesohle ermöglicht es, die Spielbarkeit und auch den Einsatzbereich eines Wedges zu verändern. Inzwischen gibt es eine Unzahl verschiedener Schliffe, sodass eine Erklärung aller theoretischen Optionen inzwischen fast ein ganzes Buch füllen würde. Insofern beschränken wir uns hier auf die Grundformen.

Leading Edge Relief oder „Pre­worn Leading Edge“
Hier ist die Führungskante der Sohle leicht abgerundet, sodass ein Eingraben abgemildert wird. So werden auch niedrige Bounce-Grade etwas spielfreundlicher und die Führungskante ist nicht mehr ganz so scharf.

Trailing Edge Relief
Bei dieser Schliffform wird die sog. Trailing Edge auf der Rückseite des Wedge-Muscles leicht angeschrägt/abgerundet. Hierdurch versprechen sich die Hersteller etwas weniger Widerstand im Rough.

Heel Relief
Beim Heel Relief wird der Bounce im Fersenbereich minimiert. Dies erleichtert das Aufdrehen des Schlägerblattes für Flopshots und ähnliche Kunstschüsse. Durch den Schliff wird verhindert, dass sich die Führungskante zu stark anhebt, wenn man das Schlägerblatt öffnet, um mehr Loft zu erzeugen.

Toe Relief
Der Toe Relief wird meist genutzt, um den effektiven Bounce einer Sohle zu vermindern und in den meisten Fällen in Kombination mit einem Heel Relief geschliffen.

Die Hersteller haben nun ihrerseits unterschiedliche Namen für ähnliche Grinds. So gibt es bei Titleist fünf unterschiedliche Grinds, die Bounce und Schliff kombinieren. Betrachtet man die Sohlen genauer, dann ist es immer eine Kombination aus den vier Grundschliffen in unterschiedlichen Gewichtungen. Mal treten einige Elemente verstärkt auf und andere überhaupt nicht. Mal sind alle vier Bestandteile in der Schliffform zu finden.


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