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Coverstory: Caroline Masson POWER GIRL
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Der Matchplay-König 15.01.2013

Das Poulter-Erfolgsgeheimnis: Ian mag nicht die beste Technik der Welt besitzen, doch im entscheidenden Moment kann er durch seine mentale Stärke Berge versetzen
Aggression: Wenn seine Ryder Cup-Gegner diesen Blick sehen, ist es schon um sie geschehen
Ian Poulter
Ryder Cup-King: Ian Poulter
„Mr. Ryder Cup“: Am Ziel seiner Träume
Ian Poulter
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Hochkonzentriert, leidenschaftlich und mit der Eigenschaft gesegnet, im Ryder Cup wie einst Ballesteros über sich hinauszuwachsen. Poulter ist der ultimative Matchwinner. Inmitten des Getümmels nach der gewonnenen Schlacht, in dem überglückliche, aber auch mental völlig ausgelaugte Spieler ihr Hirn in den verbalen Leerlaufmodus geschaltet hatten, war es ein leicht angeheiterter Lee Westwood, der die Worte fand, die Ian Poulter gerecht wurden: „Wir haben die Qualifikationskriterien für das nächste Mal überarbeitet“, gab die Nummer 4 der Welt während der chaotischen und zuweilen surreal anmutenden Pressekonferenz bekannt. „Ab jetzt sind es die neun besten Spieler Europas, zwei Wild Cards und Poults. Wir nennen es den ,Poults Paragraph.‘“ Teamkollege Graeme McDowell ergänzte: „Am Samstag musste er seine Sonnenbrille absetzen, sonst hätten seine Augäpfel die Gläser durchstoßen.“ Explosion. Diese spaßig gemeinten Verbalsalutschüsse zeigen, wie groß die Bewunderung des siegreichen europäischen Teams für seinen Joker ist. Selten zuvor hat ein einzelner Spieler den Ausgang des alle zwei Jahre stattfindenden Kräftemessens zwischen den USA und Europa so maßgeblich beeinflusst wie Ian Poulter in diesem Jahr. Er gewann 2012 all seine vier Matches und kann die außergewöhnliche Bilanz von zwölf Siegen, drei Niederlagen und null Unentschieden bei vier Ryder Cup-Teilnahmen vorweisen. Poulter hat sich zum Severiano Ballesteros seiner Generation gemausert, ohne Zweifel das größte Kompliment für jeden Ryder Cup-Spieler. Und selbst der verstorbene Spanier zeigte nie so eine überirdische Vorstellung wie Poulter an diesen drei fesselnden und heute schon historisch zu nennenden Golftagen in Medinah, Chicago. Der 36-jährige Engländer hätte sogar noch Zeit für ein Nachmittagsschläfchen gehabt, als Kapitän José María Olazábal die kontroverse Entscheidung traf, ihn am Freitagnachmittag auf der Bank Platz nehmen und bei den Vierball-Matches zuschauen zu lassen. Am folgenden Tag dann, als Poulter an der Seite der Nummer 1 der Welt, Rory McIlroy, an den Start ging, vollzog sich vor den Augen der Welt die Metamorphose vom „Supporting Act“ zum „Headliner“ der Show in Medinah. Just als das Duo auf dem 13. Abschlag und mit „2 Down“ gegen Jason Dufner und Zach Johnson auf fast schon verlorenem Posten stand, war es vielleicht der „Geist von Seve“, der Poulter fortan die Hand führte. McIlroy steuerte das erste Birdie bei, dann nahm er auf dem Rücksitz Platz und genoss die Fahrt mit dem Poulter-Express. Auf den fünf folgenden Bahnen schien der Engländer zu glühen. Er entfachte ein Birdie-Feuerwerk und drehte die Partie im Alleingang. Mit dieser Glanzleistung hauchte Poulter seinem am Boden liegenden Team neues Leben ein. „Ian war so unglaublich fokussiert und energiegeladen“, schwärmte McIlroy im Anschluss an das Match von der Vorstellung seines Teamkameraden, „er bekommt diesen speziellen stieren Blick, vor allem, wenn ein wichtiger Putt fällt. Einmal hat er direkt durch mich hindurchgestarrt. Seine Leidenschaft für den Ryder Cup ist faszinierend zu beobachten. Diese Veranstaltung lässt ihn zur Höchstform auflaufen. Ohne Poulter würde es vor den Einzelmatches morgen ganz schön finster aussehen.“ Inspiration. Allzu rosig konnte man die Ausgangslage, die McIlroy beschrieben hatte, jedoch auch unter den gegebenen Umständen nicht nennen. Ein Rückstand von vier Punkten vor dem Abschlusstag konnte erst ein Mal in der Geschichte der 38 Ryder Cup-Begegnungen seit 1927 aufgeholt werden (USA 1999 in Brookline) und noch nie zuvor auf fremdem Boden. Doch die Schockwellen von Poulters Leistungsexplosion zeigten bei beiden Teams weitreichende Wirkung. „Ians Vorstellung zuzusehen gab unserer Seite einen enormen psychologischen Schub“, analysierte Assistenzkapitän Darren Clarke später. „Jeder schöpfte neuen Mut. Von einem Augenblick zum nächsten bewegten wir uns von ganz unten nach ganz oben.“ Teamkollege Paul Lawrie ergänzte: „Es war fantastisch. Zum ersten Mal überhaupt während dieser Veranstaltung hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Dieses Gefühl haben wir in die Einzelmatches mitgenommen. Wir haben unseren Glauben an uns wiedergefunden. Ohne Ians Eingreifen hätten wir diese Stärke mit Sicherheit nicht entwickelt.“ Hier klicken für ausführlichen Bericht


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