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Die logische Konsequenz 21.08.2014

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Bestandsaufnahme: Messen des faktischen Härtegrads eines Schafts mit Hilfe des „Digiflex“ „Spining“, „Flat Line Oszillation“, „SST Pure“: Vor- und Nachteile diverser Schaftoptimierungs-Möglichkeiten beim Schlägerbau. Die erste Erkenntnis gleich vorab: Ein Schaft ist nicht rund. Er mag zwar so aussehen, als ob er perfekt rund wäre – er ist es aber nicht. Und zu allem Überfluss – ein Schaft ist in manchen Fällen noch nicht einmal gerade. Welche Konsequenzen hat das für das Fertigen eines Golfschlägers? Das ist relativ schnell erklärt: Wird ein Schaft unabhängig von seiner Vorbiegung, ohne Berücksichtigung einer gegebenenfalls harten oder weichen Seite, verbaut, so wird er sich wohl beim Vermessen des Schlägers „sehr interessant verhalten“. Wenn wir Schäfte auf ihre faktische Härte mit einem sogenannten „Digiflex“ messen, dann kann es durchaus passieren, dass wir die Messeinrichtung in Sicherheit bringen müssen, bevor sie von einem wild daherschwingenden Schlägerkopf beschädigt wird. Manche Schäfte – durchaus auch in hohen Preislagen – benehmen sich beim Vermessen schlimmer als der Schwanz einer Kuh, die versucht, einen Schwarm Bremsen abzuschütteln. Die Frage ist an dieser Stelle durchaus berechtigt, ob man mit einem derart stark oszillierenden Schaft überhaupt eine Chance hat, jemals konstant an den Ball zu kommen. Mehrere Optionen der Schaftorientierung sind auf dem Markt vertreten. Die einfachste Option ist das sogenannte „Spining“. Hierbei wird mit Hilfe eines kleinen Werkzeugs, das aus einem Metallrohr und drei Kugellagern besteht, die weichste und härteste Seite eines Schafts ermittelt. Allerdings kommt es durchaus vor, dass sich der Schaft bei dieser Form der Untersuchung lediglich in die Richtung orientiert, die seiner Vorbiegung ent- spricht. Wie schon gesagt – Schäfte sind nicht immer gerade. Hat man den Schaft endlich ausgerichtet, werden alle anderen in der gleichen Orientierung verbaut, was zu einer höheren Konstanz führen soll. Bei Stahlschäften funktioniert das noch einigermaßen gut, weil hier meist nur eine harte Seite existiert. Bei Graphitschäften kommt es durchaus vor, dass zwei, drei oder auch mal mehr sogenannter Spines (engl.: Rückgrat) zu finden sind. Hier stellt sich die Frage: Welchen nimmt man denn nun beim Verbauen des Schafts? Die zweite Option ist das Finden des sogenannten „FLO“. Diese Abkürzung steht für „Flat Line Oszillation“. Man sucht hier eine Einbaulage des Schafts, in der er sich neutral verhält. Zumindest in der Theorie sorgt dieses Verfahren dafür, dass der Schaft sich nun verlässlicher verhält. Als dritte und kostspieligste Option gibt es noch das Verfahren des SST PURE- Konzerns. Hierbei untersucht eine Maschine erst einmal die Lage der Spines und ermittelt dann die FLO-Ebene. Abschließend gibt es ein Zertifikat, einen Aufkleber und eine Rechnung über 30 bis 50 Euro. Dieser Prozess wird allerdings im Normalfall nur bei Rohschäften durch- geführt. Wir haben beim Bauen von Schlägern immer wieder feststellen müssen, dass sich die FLO – in Abhängigkeit vom sogenannten Tip-Trimming – durchaus auch ändern kann. Um eine gewünschte Schafthärte zu treffen, muss man am dünnen Schaftende (Tip) Material wegnehmen. Aufgrund der Fertigungsmethoden von Graphitschäften kann es durchaus passieren, dass die perfekte Einbaulage nach diesem Vorgang anders ist als beim Rohschaft. Ändern kann sich diese Einbaulage auch, wenn man einen Schlägerkopf am Schaft befestigt. Im Gegensatz zu einer perfekt runden Gewichtsscheibe, wie sie beim SST PURE Verfahren genutzt wird. Fazit. Es gibt unseres Wissens keine aussagekräftigen Untersuchungen, die die Überlegenheit der einen oder anderen Methode belegen würden. Wir selbst setzen im Fertigungsprozess das FLO-Verfahren ein, weil es uns einfach am logischsten erscheint, diese Komponente zu berücksichtigen. Johannes Herbig, Jahrgang ‘61, ist Inhaber der Fitting-Schmiede Clubmate Golf in Pfungstadt sowie im Jordan Golfdom in Köln. Info: www.clubmategolf.com © GOLF TIME Verlag GmbH


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