Die richtige Technik finden 14.08.2015

Der Schläger soll schwingen – Krafteinsatz kommt später
Der Schläger soll schwingen – Krafteinsatz kommt später
Ein harmonischer und effizienter Golfschwung ist ein schöner Anblick. Der Weg dorthin ist schwierig. Wir beobachten Golflehrer und gute Spieler und bewundern ihre Schläge, es gelingt uns jedoch nicht, die Bewegung nachzuahmen. Was ist daran so schwierig?

Es scheitert nicht an der Kraft, eher an der Beweglichkeit. Sind wir zu ungeschickt? Haben wir zu spät mit Golf begonnen? Mit verschiedenen Vorgehensweisen versuchen wir, unsere Schwungbewegung zu verbessern.

Einfach öfter spielen hilft dem Score. Unsere Schwungbewegung nähert sich jedoch nur minimal dem angestrebten Vorbild. Unangenehm für Golfer, die in ihrem Beruf für Ästhetik eintreten – und dann sieht ihr Schwung so ... nunja ... aus. Wir lesen Golfliteratur und nehmen Golfunterricht. Aber irgendwie bleibt immer ein grundsätzlicher Unterschied bestehen.

Verständnisproblem: Lehrern fällt ihr Fach leicht

Denken wir zurück an die Schulzeit: Lehrer, denen ihr Fach (z. B. Mathematik) in der Schule leicht gefallen ist, haben dieses Fach studiert und unterrichten jetzt. Für sie gab es nie große Probleme, es war ja alles irgendwie klar und logisch.

Jetzt, als Lehrer, ist ihnen nicht klar, woran der Schüler scheitert, denn diese Probleme hatten sie nie. Könnte es im Golf ähnlich sein?

Nachhilfelehrer für Golf?

Junge bewegungstalentierte Personen entscheiden sich, Golflehrer zu werden, denn die "Kugel" fliegt ja eh fast von selbst. Die Probleme des etwas weniger bewegungstalentierten älteren Golfers haben sie nie durchmachen müssen. Dementsprechend könnte, wie seinerzeit in der Schule, die Didaktik manchmal mangelhaft sein.

Damals konnte man sich mit Nachhilfeunterricht über die Runden retten, aber wo sind die Nachhilfelehrer für Golf? Die Anforderungen an das Bewegungstalent für den Golfschwung müssen extrem hoch sein, wie sonst könnte man auf Golfplätzen so viele "abwendungswürdige" Schwünge sehen, die manchmal trotzdem zu einem guten Score führen.

Bloß nicht zuschauen

Nicht selten höre ich Golfer sagen, dass sie ihren Mitspielern nicht zuschauen dürfen, da sie sonst ihren Schwung verlieren. Aber gesucht ist eine Lösung: Wie kommt man jetzt zu einem besseren Golfschwung?

Besinnen wir uns darauf, dass der Schläger schwingen soll. Dann bewegen wir uns derart, dass der Schläger bei seiner Bewegung möglichst nicht gestört wird. Vermeiden wir Krafteinsatz mit den Armen, denn Kinder haben diese Möglichkeit auch nicht.

Golfspielen ist nicht Holzhacken

Die größte Herausforderung ist es, intuitive Bewegungsmuster zu unterdrücken. Immer, wenn wir den Schläger stärker beschleunigen möchten, tendieren wir dazu, wie beim Werfen und beim Holzhacken, den großen Brustmuskel zu dehnen und die so gespeicherte Energie als Kraftquelle zu benützen. Dieses Bewegungsmuster ist in uns angelegt. Golfspielen ist jedoch nicht Holzhacken.

Die Drehbewegung des Schultergürtels ist die Ursache für die Beschleunigung des Schlägers. In meinen Kursen wird mir immer wieder bestätigt, dass diese Vorgehensweise schriftlich dargelegt schwer verständlich ist. Übt man derartige Bewegungsmuster mehrere Tage, dann beginnt man zu spüren, wie sich ein guter Golfschwung nun anfühlen kann.

Mir steht an dieser Stelle jedoch nur dieses Medium zur Verfügung. Ich kann nur jedem empfehlen, die innere Ruhe zu finden und zuerst die Bewegung wahrzunehmen, die der Golfschläger aufgrund der physikalischen Gegebenheiten selbst machen möchte. Erst dann ist es sinnvoll, mit sanftem Krafteinsatz diese Bewegung zu unterstützen.

Dr. Christain Haid ist Biomechaniker an der Universitätsklinik Innsbruck


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