Easy Swing 28.11.2017

Ernie Els, Spitzname: Big Easy
Dr. Christian Haid
Dr. Christian Haid ist Biomechaniker und leitet die Golfschule www.healthy-swing.at
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Kein hartes Training, sondern: Sich einfach mit der Bewegung auseinandersetzen und dem Körper die Zeit geben, ungewohnte Bewegungsmuster zu verinnerlichen. 

Die Biomechanik und die Medizin machen klar, dass die am häufigsten zu beobachtenden Schwungmuster wie Kopf stillhalten, linker Arm gestreckt oder Ball anschauen nicht zielführend sind. Am Anfang will man das alles nicht wahrhaben. Zu tief steckt in uns der Zusammenhang zwischen Krafteinsatz und Schlagweite. Auch wenn Kinder mit wenig Kraft weit schlagen. Wir glauben fest, dass unser erhöhter Einsatz den Ball weiter fliegen lässt.

Tatsächlich wenden wir mit guter Schwungtechnik Kraft auf, aber dieser Aufwand erfolgt ganz anders, als wir es uns vorstellen. Wir haben falsche Bewegungsvorstellungen. Beim Probeschwung gelingt es uns darauf zu achten, dass die Bewegung rund und harmonisch ist. Liegt der Ball vor uns, dann verlassen wir uns doch lieber auf das "bisschen Extra", das dem Ball Weite geben soll. Und genau dieser zusätzliche Einsatz wirkt als Bremse.

Wozu dann das „Werkzeug“ Schläger?

Wir schalten die wichtigsten physikalischen Effekte aus. Die Schlägerkopfgeschwindigkeit verringert sich dadurch. Überspitzt formuliert: Wir könnten den Ball genauso gut mit der Hand werfen. Wozu dann das „Werkzeug“ Schläger? Da gibt uns die Golfindustrie hochentwickelte Geräte in die Hand und wir nützen sie nicht aus. Wir setzen all unsere Kraft ein, damit unsere Hände schnell sind, und vergessen dabei, dass der Schläger die Arbeit verrichtet. 

"Let the club do the work", wie oft haben wir das gelesen und halten uns doch nicht daran. Hinweise wie "mit der linken Hand ziehen" verstärken noch unseren schwungvernichtenden Krafteinsatz und fördern den Slice. So können wir später unzählige Golfstunden aufwenden, um die unerwünschte Flugbahn des Balles mit willentlich eingesetztem Release zu korrigieren.

" ... müsste ich jetzt schon über 500 Meter weit schlagen."

Weihnachten, neue Golfschläger, das ist eine gute Idee. Aber vergessen Sie nie, die Schläger sollen Freude machen, super aussehen und gut klingen, schwingen müssen Sie jedoch selbst. Das ist wie beim Autofahren: Was nützt das beste Auto, wenn der Fahrer miserabel ist. Daher ist es sicher eine gute Idee, in die nächste Saison einen verbesserten Schwung mitzunehmen. Wie hat einer meiner Schüler einmal so treffend formuliert: "Wenn alle meine Driver gehalten hätten, was sie versprochen haben, dann müsste ich jetzt schon über 500 Meter weit schlagen."

Golfunterricht muss daher anders aufgebaut sein

Es liegt an uns, den Reset-Knopf zu drücken. Uns auf ein gänzlich anderes Gefühl einzulassen. Den Golfschläger tatsächlich als Werkzeug zu nützen und auf die Leichtigkeit im Schwung zu vertrauen. Viele von uns nützen ja bereits Teile einer guten Schwungbewegung, aber wir sind in einem Alter, in dem man sich bestimmte Bewegungen „nicht mehr leisten kann“. Daher gibt es nur eine konsequente Lösung, um noch lange schöne und weite Schläge zu erleben: den Körper nicht überfordern, mit eingeschränktem Bewegungsumfang auskommen und die Physik des Golfschwunges nützen.

Die notwendigen Bewegungen muss man erfühlen und darf sie nicht erzwingen. Golfunterricht muss daher anders aufgebaut sein, als man es häufig sieht. Hat man die schlägerbeschleunigenden Effekte einmal wahrgenommen, dann kann man mit einfachen Übungen spüren lernen. Dafür benötigt der Körper Zeit. Es ist ein neues Bewegungsgefühl, mit dem sich der Körper vertraut machen muss, denn eigentlich kann er nicht glauben, dass der Ball mit so wenig Aufwand so weit fliegt. Aus diesem Grund ist die Winterpause die beste und wichtigste Trainingszeit.


Dr. Christian Haid ist Biomechaniker und leitet die Golfschule www.healthy-swing.at
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