32018
Coverstory: Patrick Reed CHAMPION MIT MACKEN
Newsletter-Abo

Bleiben Sie am Ball: Abonnieren Sie unseren, zweimal pro Woche erscheinenden, Newsletter.

Ein Statement vom Head Greenkeeper 07.10.2013

Graeme McNiven
0
Graeme McNiven, Head Greenkeeper der European Tour und Berater im GC München-West Odelzhausen. "Ich bin im schottischen Ayrshire, in Turnberry, als Sohn eines Greenkeepers aufgewachsen, und auch für mich ist das nicht nur Beruf, sondern Berufung. Seit 1994 bin ich für die European Tour weltweit als „Agronomy Consultant“ unterwegs. Aber nicht nur bei großen Events wie den BMW Open, auch in kleineren Clubs versuche ich, deren Greenkeeping zu optimieren, seit fünf Jahren u. a. beim GC München-West Odelzhausen, der heute auf 1a-Fairways und Grüns stolz ist. Meine Philosophie ist ganz einfach: Eine Pflanze muss gesund und stressfrei sein. Es ist wie beim Menschen: Ist er nicht gefordert, wird er faul. Ich fordere meine Pflanze, damit sie fit und gesund bleibt. Das Hauptproblem ist der Filz, also zu viel organisches Material aus abgestorbenen Blättern, Zweigen usw. Dieser Filz muss ständig sorgfältig entsorgt werden – eine Hauptmaßnahme bei der Platzpflege. Die Filzschicht wirkt wie ein Schwamm, der das Wasser aufsaugt, aber nicht in die unteren Schichten durchlässt. Die Folge: Die Pflanze bildet keine tiefen Wurzeln, sondern ruht sich in dieser feuchten Schicht aus. Bei heißer Witterung trocknet der Filz aus und die Pflanze stirbt. Nicht nur das Aerifizieren und Vertikutieren ist wichtig – auch das sogenannte „Scarifying“, das radikalere Tiefen-Vertikutieren. Luft ist nun mal für eine Pflanze unabdingbar! Gute Greenkeeper sollten übrigens bis zu sechs Monate vorausdenken. Und das vielzitierte Schnee-Abräumen bestimmen immer die jeweiligen Verhältnisse. Generell gilt: Viel Schnee auf noch ungefrorenem Boden sollte geräumt werden, solange der Boden noch Wärme hat. Gefährlich ist‘s dagegen beim Tauen im Frühjahr, wenn noch Frost im Boden ist. Wie ist das mit den Chemie-Gesetzen? Nicht nur in Deutschland, weltweit herrschen harte Gesetze. Will man für alle immer den genauen Überblick behalten, ist das auch für uns ein Fulltime-Job. Ich verlasse mich gerne auf das jeweilige Greenkeeper-Team vor Ort: Im Golfclub Odelzhausen arbeite ich mit Head-Greenkeeper Hans-Wolfgang Nissl und seinem Top-Team seit Jahren mit Kompost- Extrakt. Der ist wie Wellness für die Pflanze. Deshalb haben wir dort weniger Krankheiten an der Pflanze. Zudem haben wir intensive Bodenproben ins Londoner Labor zu Richard Fortmuller geschickt, um zu erfahren, was überhaupt im Boden drin ist und was fehlt. Das Ergebnis: ein Flüssig-Dünger, der nicht exzessiv, sondern konzentriert angewendet wird. In Odelzhausen verfolgen wir keinen starren Jahres-Pflegeplan, sondern setzen auf Flexibilität nach Lage der Dinge. Häufig wollen Club-Obere unsere Vorschläge aber nicht wahr haben und glauben uns oft erst dann, wenn der Patient, sprich die Pflanze, tot ist. Eine große Herausforderung bzw. ein Ärgernis – die Golfplatz-Architekten, die irrsinnig ondulierte, abenteuerliche Grüns bauen, aber nicht dran denken, ob wir Greenkeeper diese Grüns mit mechanischen Geräten auch entsprechend pflegen können. Auch die Golfer selbst haben oft kein Verständnis für unsere Maßnahmen, die nun mal – z. B. das Sanden– für eine perfekte Spielfläche nötig sind. Aber erklär mal einem Kind, wie wichtig Impfungen sind . . ." © GOLF TIME Verlag GmbH


Artikel zu diesem Thema:
Kommentare 0 Bitte registrieren (erstmalig) Sie sich bzw. loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu schreiben
AUCH VON INTERESSE