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Fünf Gewohnheiten für 1A-Golf 11.11.2019

Fünf Gewohnheiten für 1A-Golf
Fünf Gewohnheiten für 1A-Golf
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Fünf Gewohnheiten, die Ihr Spiel garantiert verbessern. Keine dieser Gewohnheiten dreht sich um den Golfschwung. 


Freddy und Patrick Braun von www.belowpar.de

Die Saison ist für die meisten Spieler und Spielerinnen mittlerweile endgültig vorbei. Viele schielen bereits auf das nächste Jahr und denken über Ziele, Wünsche und Pläne für die kommende Saison nach. Doch Ziele, Wünsche und Pläne sind nur so gut, wie die Gewohnheiten, die wir ausüben, um das Ziel zu erreichen oder den Plan umzusetzen.

Unser Leben ist ein Produkt unserer Gewohnheiten. Die Entscheidungen, die wir Tag ein, Tag aus, Trainingseinheit für Trainingseinheit treffen, sind maßgeblich an unserem Erfolg beteiligt. Deshalb möchten wir Ihnen in diesem Artikel fünf Gewohnheiten vorstellen, die Ihr Spiel garantiert verbessern.

Einige dieser Gewohnheiten drehen sich um unser Training, einige davon drehen sich um unser Spiel auf dem Platz. Einige werden wir nur kurz ansprechen, andere etwas vertiefen. Doch keine dieser Gewohnheiten dreht sich um den Golfschwung. 

Warum?

Weil wir den Mythos, unser Golfschwung sei der einzige Weg besser zu werden, bekämpfen wollen. Und weil wir wissen, dass eine Schwungänderung kein besseres Spiel garantiert. 

Wir wiederholen immer wieder, wie wichtig es ist, reale Turniersituationen im Training zu simulieren. Wir haben hunderte von Turnierrunden auf nationalem und internationalem Boden auf dem Buckel und dabei viel gesehen und erlebt. Egal, wie viel wir trainierten…egal, wie viel unsere Teamkollegen und Freunde trainierten…ein „perfekter" Schwung war trotzdem keine Garantie für Erfolg auf dem Platz. 

Ja, ein Schwung, der sich gut anfühlt, ist ein Bonus. Doch Golf ist ein Spiel, bei dem Schwankungen unausweichlich sind. Nach Perfektion zu streben, ist weder hilfreich, noch praktikabel. Am Sonntagnachmittag gewinnt nicht der Spieler oder die Spielerin mit dem besten Schwung. Es gewinnt die Spielerin, die mit den Schwankungen, die ihr der Golfplatz in dieser Woche vor die Füße warf, am besten umging. 

Wer den Umgang mit Schwankungen meistern möchte, muss über den Tellerrand hinausblicken. Und nicht nur das betrachten, was unmittelbar am Ball passiert. Dieser Artikel hat das Ziel, Ihnen ein paar dieser Aspekte näher zu bringen. 

Los geht’s. Hier sind fünf Gewohnheiten, die jeder Golfer verinnerlichen sollte.

#1: Spielen Sie immer den gleichen Golfball 


Eben sprachen wir davon: Wir müssen nicht nur das betrachten, was unmittelbar am Ball passiert. Welchen Ball wir aufs Tee legen, welches Material wir nutzen — all das beeinflusst unser Spiel. Ohne, dass wir eine neue Technik lernen oder eine Übung aufbauen müssen, unser Material kann unser Spiel von jetzt auf nachher in eine positive Richtung lenken. 

Ein gutes Spielverständnis ist im Turnier enorm viel Wert. Dazu gehört, dass wir wissen, wie sich unser Ball verhält, wenn wir ihn auf eine bestimmte Art und Weise chippen, pitchen oder putten. Gerade im kurzen Spiel ist uns geholfen, wenn wir immer den gleichen Ball spielen. Denn das kurze Spiel lebt von Gefühl. 

Die günstigeren Ballmodelle auf dem Markt sind in der Regel auch die härteren. Je härter der Ball, desto schwieriger ist es, Gefühl aufzubauen. Ein harter Ball fühlt sich in der Regel immer hart an. Egal, ob wir ihn im Sweetspot treffen oder nicht. 

Hinzu kommt, dass ein härterer Ball länger rollt, als ein Premium- oder Mittelklasse Modell. Ein Effekt, der im kurzen Spiel nicht immer ideal oder gewünscht ist. Doch wichtiger als das Ballmodell für das Sie sich entscheiden ist, dass Sie sich überhaupt für ein Ballmodell entscheiden und dabei bleiben. 

Achten Sie zudem darauf, dass Ihr Ball halbwegs neu und sauber ist, wenn Sie ihn aufs Tee legen oder beim Putten ausrichten. Caddies auf der Tour haben nicht umsonst ein Handtuch auf dem Grün dabei. Nur ein sauberer Ball fliegt und rollt treu. 

#2: Droppen Sie Ihren Ball im Training


Apropos Golfball: Wie oft liegt Ihr Ball im Bunker perfekt oben auf? Oder im Semirough? Und wie oft spielen Sie Plätze deren Fairways auf der Tour mithalten könnten? 
Wahrscheinlich hat Ihr Heimatplatz, wie die meisten anderen Plätze der DACH-Region, einige Mängel vorzuweisen. Fairway, Semirough und Bunker sind selten perfekt. Dementsprechend liegt auch unser Ball. 

Und dementsprechend sollten wir darauf achten, dass wir diesen im Training nicht an die Stelle legen, die für den kommenden Schlag zwar günstig, für unseren Lernfortschritt allerdings ungünstig ist. Droppen Sie Ihren Ball im Training!

#3: Dankbarkeit — machen Sie sich bewusst, was Sie bereits erreicht haben


Werfen Sie einen Blick auf folgende E-Mail, die wir vor einiger Zeit erhalten haben: 



Golf ist in erster Linie ein Spiel. Golf soll Spaß machen. Den Nervenkitzel, den wir bei unseren Bemühungen besser zu werden, erhalten, soll unser Leben bereichern. Niemand beginnt eine Sportart aus irgendeinem anderen Grund. 

Ja, als Kind beginnen wir eine Sportart vielleicht, weil unsere Eltern das so wollten. Oder weil unsere Freunde dabei waren und wir dazugehören wollten. Aber heute? 

Die E-Mail, die wir Ihnen eben gezeigt haben, ist vor diesem Hintergrund umso tragischer. Wenn sich eine Runde Golf negativ auf unser Privatleben außerhalb des Platzes auswirkt, dann haben wir — und das meinen wir so deutlich, wie wir nur können — vollkommen die Perspektive verloren. 

Was man im obigen Screenshot nicht sieht ist, dass die Person hinter der E-Mail den Golfsport im Alter von 45 begonnen und sich in sieben Jahren von HCP 54 auf HCP 11 unterspielt hat. 

Es gibt unzählige Spieler, die den Sport im gleichen Alter beginnen und sich eine solche Laufbahn nur erträumen können. Wir selbst haben unsere Antwort E-Mail mit den Worten "Hut ab" begonnen. Es erfordert eine Menge Disziplin, Ehrgeiz und Fleiß, um eine Sportart erst einmal zu lernen und sich dann langsam aber sicher an die Grenze zur Einstelligkeit heranzuarbeiten.

Doch mit der Zeit vergessen wir das. Mit der Zeit wird aus der einst unvorstellbaren Aufgabe Normalität. Die Details dessen, was wir ursprünglich leisten mussten, um an unseren jetzigen Punkt zu gelangen, rücken in den Hinterkopf.

Dankbarkeit für unsere Leistung? Fehlanzeige!  Ein Blick in den Spiegel, begleitet von den Worten "Stark, was du da machst"? Fehlanzeige!

Superkraft: Zurücktreten

Eine Pause zu machen, einen Schritt zurückzutreten, das zu betrachten, was man bereits erreicht und geschafft hat, ist in unserer modernen Welt fast schon eine Superkraft. Eine auf die wir alle Zugriff haben, die bei vielen von uns jedoch zu kurz kommt.

Der Inhalt der obigen E-Mail zeigt etwas auf, das sich niemand so richtig bewusst macht: Wir werden immer Herausforderungen und Probleme haben. Im Sport. Im Leben. Im Beruf. 

Zu Beginn unserer Golfkarriere möchten wir den Ball zuverlässig treffen. Einige Zeit später erreichen wir dieses Ziel. Der Ball fliegt, doch er kurvt. Oft sehr unkontrolliert. Ein neues Ziel und ein neuer Wunsch entsteht. 

Haben wir unsere Kurve einige Zeit später im Griff, widmen wir uns den anderen Bereichen des Spiels. Wir möchten mit 2 statt mit 3 Putts vom Grün gehen. 

Sitzen Distanz- und Richtungskontrolle einmal, entsteht auch hier wieder ein neues Ziel: Ab und zu einen der längeren Putts versenken. 

Herausforderungen verschwinden nicht, wenn wir ein Ziel erreichen. Sie verändern sich lediglich. Sich das einmal klarzumachen, ist unheimlich wichtig. Denn das gibt uns die Chance, unsere Herausforderungen bewusst zu wählen, statt einfach nur reaktiv durchs Leben (oder über den Platz) zu gehen — immer im Glauben, dass "wenn ich X erreiche, dann bin ich angekommen und kann zufrieden sein". 

Wenn wir nicht vorhaben, unsere Schläger übermorgen in die Garage zu stellen und dort nicht mehr herauszuholen, dann müssen wir uns damit abfinden, dass es manchmal bergauf und manchmal bergab geht. Nicht alle Aspekte, die unseren Score beeinflussen, können wir kontrollieren. Je schneller wir auch eine negative Situation akzeptieren, desto schneller können wir eine Lösung finden. 

Eine einzige Trainingseinheit, eine einzige Runde, eine einzige Saison macht im Gesamtbild keinen Unterschied. Machen Sie sich das immer wieder bewusst!

#4: Verstehen Sie, was Ihr Trainer sagt 

Uns ist aufgefallen, dass gute Spieler und Spielerinnen mit ihrem Trainer diskutieren. Durchschnittliche Spieler und Anfänger machen das nicht. Durchschnittliche Spieler und Anfänger kommen in die Trainerstunde und hoffen auf Antworten. Antworten, deren Hintergründe sie oft nicht ganz verstehen — und das ist schade. 

Unser Spiel lebt von unserem Hintergrundwissen, von unserem Spielverständnis, von unserer Kenntnis verschiedener Zusammenhänge. Auf dem Platz haben wir keinen Trainer an der Seite, der uns sagt, was wir tun sollen. Auf dem Platz sind wir auf uns allein gestellt. Hier sollten wir besser wissen, warum unser Ball tut, was er tut. 

Haken Sie nach, wenn Sie etwas nicht zu 100 Prozent verstanden haben.

Lassen Sich sich Ihren Schwung auf Video zeigen, sodass Sie Ihrem Gefühl ein Bild zuordnen können. 

Fragen Sie, warum eine bestimmte Änderung Sinn macht. 

Es gibt keine dummen Fragen. Im Gegenteil. Je besser Ihr Verständnis, desto besser die Zusammenarbeit mit Ihrem Pro. Desto eher können Sie sich auf einem Level mit Ihrem Pro unterhalten. 

Aus diesem Grund sind unsere Artikel tendenziell etwas länger, als andere Artikel, die man im Netz findet. Hintergründe und Zusammenhänge sind wichtig. Es würde sich für uns falsch anfühlen, Ihnen einfach nur einen Tipp vor die Füße zu werfen und Sie damit auf den Platz zu schicken. Wir möchten Ihnen gleichzeitig erklären, warum wir diesen Tipp geben. Wir möchten die Geschichte dahinter erzählen und Ihnen die Chance geben, selbst entscheiden zu können, ob unsere Erklärungen Sinn machen.

Nutzen Sie dieses Prinzip, wenn Sie im Netz etwas lesen oder Ihre nächste Trainerstunde nehmen. Wir möchten alle keinen "schönen" oder "richtigen" Schwung. Wir möchten einen, den wir verstehen und dem wir vertrauen!

#5: Legen Sie sich einen Spielplan zurecht 

Wenn es Ihnen geht, wie uns, dann spielen auch Sie Ihren Heimatplatz deutlich öfter als andere Plätze. Wer immer den gleichen Platz spielt, rutscht gerne in eine Komfortzone: Wir spielen mal besser, mal schlechter, doch so richtig gefordert sind wir nicht. 

Teilweise liegt das daran, dass wir auf unserem Heimatplatz das tun, was wir schon immer getan haben. Wer einen Platz kennt, macht sich in der Regel kaum Gedanken über die eigene Platzstrategie. Das ist ein Fehler. Wie wir einen Platz angehen, welchen Schläger wir wann aus der Tasche ziehen — all das ist wichtig und maßgeblich am Ergebnis beteiligt, das nach 18 Löchern auf der Karte steht. 

Wir alle haben ein bestimmtes Bild von dem, was wir tun müssen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Doch nicht immer stimmt dieses Bild mit dem, was wir tatsächlich tun müssen, überein. 

Stellen Sie sich einmal vor, Sie spielen HCP 30. Ihr Ziel sind regelmäßige Runden unter 100 Schlägen. Oder besser: In den 90ern. Noch besser: 18 Bogeys. 

18 Bogeys sind gar nicht so schwer, wenn Sie den Golfplatz mit Köpfchen angehen und diszipliniert bleiben. 

Um 18 Bogeys zu erzielen, müssen Sie jedes Par 3 mit 2, jedes Par 4 mit 3 und jedes Par 5 mit 4 Schlägen treffen. Ein Schlag mehr als "in Regulation.“ Wenn Sie nun pro Grün zwei Putts machen, haben Sie Ihre 18 Bogeys. 

Gar nicht so schwer, wenn man es in kleinere Häppchen herunter bricht, oder? 

Hinzu kommt, dass Sie sicherlich auch Mal ein Par 3 mit dem ersten Schlag treffen werden. Ab und zu fällt auch mal ein Putt aus der Distanz. So sind Ihre Ergebnisse schneller in den Achtzigern, als Sie zunächst vielleicht geglaubt hätten.

Alles nur, weil Sie sich vor der Runde ein paar Gedanken zu Ihrer Strategie gemacht haben und Ihr Spiel in kleinere Häppchen unterteilt haben. Diese Strategie dient Ihnen auf der Runde nun als Leitfaden und lenkt Ihre Entscheidungen in die richtige Richtung. 

Ein Wort zum Schluss 

Einer der größten Golferwünsche dreht sich um das Thema Konstanz. 

  • Den Ball konstant mittig treffen
  • konstante Längen mit den Eisen
  • konstant das Fairway mit dem Driver finden

Da wir dem Thema Konstanz bereits mehrere Artikel gewidmet haben, möchten wir uns jetzt kurz halten.

Konstanz beim Golf ist ein Mythos. Beziehungsweise nicht ganz. Konstanz in Bezug auf den Score ist ein Mythos. Noch nie hat es jemand in der Geschichte des Sports geschafft, seine Ergebnisse immer korrekt vorauszusagen. Die einzige Konstante beim Golf sind die Schwankungen, die uns auf jeder Runde begegnen. Innerlich, wie äußerlich.

Äußerliche Schwankungen können wir nicht kontrollieren. Aus welcher Richtung der Wind kommt und ob dieser unsere natürliche Flugkurve unterstützt oder nicht, liegt nicht in unserer Hand. Ob wir unsere Schlägerwahl dem Wind anpassen, jedoch schon. 

Ob wir nachts schlecht schlafen, weil wir bis spät in die Nacht hinein an einem dringenden Projekt arbeiten und deshalb müde an den ersten Abschlag laufen — auch das ist nicht immer kontrollierbar. 

Ob wir diese Situation jedoch annehmen, ob wir unseren Spielplan den momentanen Umständen anpassen und unnötigem Risiko aus dem Weg gehen — das wiederum kontrollieren wir. 

Die fünf Gewohnheiten, die wir Ihnen in diesem Artikel vorgestellt haben, drehen sich um letzteres. Um Dinge, die wir kontrollieren. Je eher wir unsere Gewohnheiten auf dem Golfplatz in eine positive Richtung lenken, desto besser. Und desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass wir von den Herausforderungen, die uns auf dem Golfplatz begegnen, aus der Bahn geworfen werden. 



Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Plus- und Singlehandicapper (+1,4 & 3,6), Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.de. Freddy spielte vier Jahre lang College Golf in den USA, wo er mit der Wilmington University bei den nationalen Meisterschaften 2016 unter die Top 8 Teams des Landes kam. Während seiner Zeit in den USA lernte er unter anderem von PGA-Tour-Trainern und gewann mehrere Turniere mit dem Team.


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