Erst denken, dann droppen 03.07.2017

Golfregeln
Eine wichtige Grundregel. Erst denken, dann droppen
0

Es ist nicht immer ratsam, den Freedrop zu suchen, oft ist es besser, den Ball einfach zu spielen, wie er liegt.

Es war ein stürmischer Februartag im Golfclub El Saler. Hier fanden schon etliche Qualifikationsturniere und 2003 die Seve Trophy statt. Ein Sturm hatte einige Bunker komplett entsandet. Die Spieler knieten immer wieder in den Mulden nieder, während sie auf die Ausführung ihres nächsten Schlages warteten, um nicht völlig den Urgewalten ausgeliefert zu sein. Ein Spieler, nennen wir ihn Don Jaly, war nun auch einer von den Spielern, die den Punch meisterlich beherrschen. Bei den starken Böen allerdings schlug er seinen Ball am Par 5 in Richtung dieses fürchterlichen Gestrüpps – bekanntlich ein großer Bestandteil dieses fantastischen Platzes. 

Als Don Jaly nun zu seinem Ball kam, lag dieser wie von Geisterhand platziert auf einem dieser Kunstoffdeckel, unter denen sich die Wasserhähne für die Platzbewässerung verbergen.

Hier greift der Teil der Regel 24-2 a) Behinderung

Behinderung durch ein unbewegliches Hemmnis ist gegeben, wenn ein Ball darin oder darauf liegt, oder wenn die Standposition des Spielers oder der Raum seines beabsichtigten Schwungs durch das Hemmnis betroffen sind.

Don Jaly nimmt seinen Ball auf, um jetzt nach Regel 24-2 b) Erleichterung zu nehmen. Ausgenommen der Ball ist in einem Wasserhindernis oder seitlichem Wasserhindernis, darf ein Spieler von Behinderung durch ein unbewegliches Hemmnis folgendermaßen Erleichterung in Anspruch nehmen:

Im Gelände: Liegt der Ball im Gelände, muss der Spieler den Ball aufnehmen und ihn straflos innerhalb einer Schlägerlänge von dem nächstgelegenen Punkt der Erleichterung – nicht näher zum Loch als dieser Punkt – fallen lassen. Der nächstgelegene Punkt der Erleichterung darf nicht in einem Hindernis oder auf einem Grün sein. Wird der Ball innerhalb einer Schlägerlänge vom nächstgelegenen Punkt der Erleichterung fallen gelassen, muss er zuerst an einer Stelle auf einem Teil des Platzes auftreffen, der die umschriebene Behinderung durch das unbewegliche Hindernis ausschließt.

Was Don Jaly vollkommen außer Acht gelassen hatte, als er den Ball aufnahm, dass er nun in dem Gestrüpp droppen musste, da er kein Anrecht darauf hatte, sich die schönste Stelle auszusuchen, sondern nach der Definition nächstgelegener Punkt der Erleichterung handeln musste.

Definition: Nächstgelegener Punkt der Erleichterung

Der „nächstgelegene Punkt der Erleichterung“ ist der Bezugspunkt für Inanspruchnahme von straf loser Erleichterung von Behinderung durch ein unbewegliches Hemmnis (Regel 24-2), einen ungewöhnlich beschaffenen Boden (Regel 25-1) oder ein falsches Grün (Regel 25-3). Er ist der dem Ball nächstgelegene Punkt auf dem Platz, a) der nicht näher zum Loch ist und b) an dem, läge der Ball dort, keine Behinderung durch den Umstand, von dem Erleichterung in Anspruch genommen wird, bestehen würde. Letzteres gilt für den Schlag, wie ihn der Spieler an der ursprünglichen Lage des Balls gemacht hätte, wenn es den behindernden Umstand dort nicht gegeben hätte.

In diesem Augenblick kam der Chief Referee, ein Engländer, der mit seinem roten Kopf immer so aussah, als käme er gerade aus der Sauna, dazu. Ein sehr erfahrener Mann, der die Tour schon über 15 Jahre begleitet. Ein sehr gewissenhafter Referee, der durch seine exzellenten Regelkenntnisse eine hohe Akzeptanz bei den Professionals hat. 

Jetzt fiel es Don Jaly wieder ein, dass er ja volle Erleichterung nehmen musste. Er bestimmte den nächsten Punkt der Erleichterung mithilfe des Chief Referees und droppte nun den Ball in dem Gestrüpp. Danach erklärte er den Ball für unspielbar nach Regel 28, Ball unspielbar: Der Spieler darf seinen Ball überall auf dem Platz für unspielbar halten, ausgenommen, der Ball ist in einem Wasserhindernis. Ob sein Ball unspielbar ist, unterliegt einzig und allein der Entscheidung des Spielers. Hält der Spieler seinen Ball für unspielbar, muss er mit einem Strafschlag entscheiden, wie er vorgeht: Don Jaly wählte die Option b) einen Ball in beliebiger Entfernung hinter dem Punkt, an dem der Ball lag, fallen lassen, wobei dieser Punkt auf gerader Linie zwischen dem Loch und der Stelle liegen muss, an der der Ball fallen gelassen wird.

Durch sein zu schnelles Handeln hatte er sich nun einen Strafschlag zugezogen sowie einen gewissen Distanzverlust, denn er wäre jederzeit in der Lage gewesen, den Ball von dem Kunststoffdeckel zu spielen. Es ist nicht immer ratsam, den Freedrop zu suchen, oft ist es besser, den Ball einfach zu spielen, wie er liegt. Don Jaly schaffte dennoch den Cut, der nach diesem Tag bei ungewöhnlichen +11 lag.

DR. ULRIKE GARTZ UND HOLGER GARTZ haben seit 1997 über 250 Turniere und Turnierserien im Profi- und Amateurbereich veranstaltet und organisiert. Als Spielleiter sind beide seit 2005 im Golfverband Niedersachsen-Bremen tätig. Dr. Ulrike Gartz hat die Prüfung zum R&A Referee 2011 mit Erfolg bestanden
Artikel zu diesem Thema:
Kommentare 0 Bitte registrieren (erstmalig) Sie sich bzw. loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu schreiben
AUCH VON INTERESSE