„Bisschen Etikette muss schon sein“ 16.05.2017

Tobias Arlt
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Wer auf die Vita von Tobias Arlt schaut, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Rennrodler gewann mit seinem Doppel-Partner zwei olympische Goldmedaillen, ist achtmaliger Weltmeister, dreifacher Europameister und holte bis dato 60 Weltcup-Siege im Doppelsitzer und in der Staffel. 

Vor ein paar Jahren griff der 29-Jährige als Ausgleich zum Golfschläger. Aus ein paar Besuchen auf der Driving Range ist eine Leidenschaft geworden. Wir haben den 29-Jährigen im Golfpark Aschheim getroffen.

Herr Arlt, wie kommt ein Rodler zum Golfen?
Es gibt ja auch ein paar Plätze bei uns in der Region Berchtesgaden. Da reizt es einen schon, es auszuprobieren und auf die Driving Range zu gehen. Ich habe öfter mal Bälle geschlagen, Trainerstunden genommen und relativ zeitnah die Platzreife gemacht. Die Bälle sind auch am Anfang schon geflogen, das hat mich fasziniert. 

Gibt es weitere Golfer unter den Rodlern?
Felix Loch und mein Doppel-Partner Tobias Wendl haben dann auch mit dem Golfsport begonnen. Das macht dann natürlich umso mehr Spaß, wenn man die richtigen Leute um sich hat. So steigert man sich und erfreut sich an dem ein oder anderen Spielchen. 

Hat Sie der Golfsport mit seinem elitären Ruf und all der Etikette abgeschreckt?
Man hat schon gehört, dass es etwas elitärer zugeht und die Leute schicker angezogen sind, und dass man nicht in der Trainingshose auftauchen sollte. Ein bisschen Etikette muss schon sein. In Amerika ist es da etwas anders. Da ist es lockerer. Jeder spielt Golf, was perfekt ist, um mehr junge Leute zum Golfen zu bringen. Hier wirkt das Drumherum etwas abschreckend. Es gibt ja die klassischen Vorurteile: alles elitär, kostet viel Geld. Aber entscheidend ist am Ende, dass es unglaublich viel Spaß macht.

Inwiefern ist Golf wichtig als Ausgleich?
Sehr wichtig, man muss auch einfach mal rauskommen aus dem Kraftraum oder der Halle und dennoch trainieren und sein Bestes geben.

Vor allem als Leistungssportler…
Ja, der Ehrgeiz ist groß. Es ist auch ein gutes mentales Training. Sowohl beim Golfen als auch beim Rodeln ist es von großer Bedeutung, Fehler schnell wegzustecken und weiterzumachen.

So haben dann auch der Golfsport und Rodeln etwas gemeinsam.
Ich denke, es ist bei allen Sportarten so. Es ist normal und menschlich, Fehler zu machen. Wichtig ist, es zu akzeptieren und dann auch die negativen Gedanken abzuschalten.

Wie oft schaffen Sie es auf den Golfplatz?
Wenn ich es im Sommer ein Mal pro Woche schaffe, ein paar Bälle zu schlagen, dann bin ich schon zufrieden. Die Saison geht in Berchtesgaden bis Mitte September, dann wird es schon eng mit Golfen.

Gehen Sie aggressiv zu Werke auf dem Platz?
Ich würde mich schon als aggressiven Spielertyp bezeichnen. Heute allerdings nicht, weil wir gestern hart im Kraftraum gearbeitet haben. Das spüre ich etwas in den Knochen. Aber ich bin eben Profirodler und nicht -golfer. Da hat das Vorrang. Aber grundsätzlich gehe ich schon gerne auf ein Birdie.

Wie weit fliegt ein guter Drive?
Letztes Jahr habe ich Mal auf 270 Meter geschlagen. Vor zwei Jahren habe ich bei einem Turnier des FC Bayern den Longest Drive gewonnen. Felix Loch hat davor gesagt, ich bräuchte gar nicht antreten, weil die Weite unerreichbar wäre. Aber zum Glück konnte ich sie nochmal toppen.

Wenn die Rodler-Karriere irgendwann mal ausklingt, wird Golf dann zur neuen Passion?
Das könnte ich mir schon vorstellen, ich habe zwei kleine Kinder zu Hause, wenn die Mal älter sind, dann werde ich wohl nicht mehr als Rodler aktiv sein und mehr Zeit haben. Meine Frau spielt auch Golf, insofern passt das ganz gut. Ich verfolge auch abends gerne die Profis. Da gibt es manchmal Ärger, wenn ich von 9 bis nach Mitternacht Golf schaue. (lacht..)
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