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Jack Nicklaus: "Der Ball ist schuld!" 04.08.2013

Jack Nicklaus
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GOLF TIME USA-Korrespondent Dominik Krautschun versorgt Sie wöchentlich mit kuriosen News und Geschichten rund um das Thema Golf – direkt aus den Vereinigten Staaten. Diese Woche macht Jack Nicklaus reinen Tisch: "Der Ball ist schuld!" Im Vorfeld der 2013 PGA Championship, die kommende Woche auf dem Platz des Oak Hill Country Club in Rochester, New York, ausgetragen wird, machte es die PGA of America möglich, in einer Telefonkonferenz mit Jack Nicklaus zu sprechen und dem "Golden Bear" einige Fragen zu stellen. Eines vorweg: Jack Nicklaus ist nicht nur einer der größten Golfer aller Zeiten – Jack ist auch ein unterhaltsamer und aufmerksamer Gesprächspartner, der auf jede Frage eine Antwort hat. Im Laufe der Telefonkonferenz lenkte Nicklaus allerdings den Fokus auf ein Thema, das ihm ganz besonders am Herzen liegt – der Zukunft des Golfsports in den USA. Vor knapp einem Jahrzehnt gab es in Amerika noch ca. 30 Millionen Golfer. Doch die jüngsten Umfragen der United States Golf Association (USGA) zeichnen ein düsteres Bild für die US-amerikanische Golf-Industrie: In den vergangenen zehn Jahren haben sich knapp fünf Millionen Golfer von dem Spiel, das in den USA ein Milliarden-Dollar-Geschäft ist, abgewandt. Und die Kurve zeigt deutlich weiter nach unten. Während also in der ganzen Welt neue Golfer gewonnen werden, nimmt die Zahl der aktiven Golfer in den USA stetig ab. Das Problem wurde bereits Anfang des Jahres auf der PGA Show, der größten Golfmesse der Welt in Orlando, Florida, hinter geschlossenen Türen heiß diskutiert. Das Ergebnis sind Aktionen wie "Tee it forward", eine Initiative, die Golfern empfiehlt, von den leichteren Abschlägen zu spielen, um so mehr Spaß am Spiel zu haben, oder "Get started for 90 Dollars", ein Angebot, vier Stunden Golfunterricht inkl. Ausrüstung für eben 90 Dollar nehmen zu können. Bisher zeigen diese Aktionen allerdings nur mäßigen bis keinen Erfolg. Und wie Jack Nicklaus in seiner Karriere als professioneller Golfer auf jede Frage des Platzes eine Antwort in seinem Bag hatte, so hat Nicklaus auch bei der Telefonkonferenz eine klare Meinung dazu, wie man den Amerikanern das Golfspiel wieder schmackhaft machen könne: "Die Zeit ist der entscheidende Faktor", beginnt Nicklaus seine Ausführungen: "Eine Runde Golf dauert einfach zu lange. Ein Fußballspiel ist nach 90 Minuten vorbei, ein Basketball-Match dauert maximal eine Stunde – eine Runde Golf dauert heute aber bis zu fünfeinhalb Stunden - und das ist einfach zu viel. So viel Zeit hat doch kein Mensch mehr. Noch nicht mal vor dem Fernseher!" Nicklaus' Stimme ist jetzt laut. " Früher hat eine Finalrunde bei der British Open maximal drei Stunden gedauert - heute sind fünf Stunden normal! Und warum ist das so?" Nicklaus hält einen Moment inne, dann fährt er fort: "Der Ball ist schuld! Weil der Ball so viel weiter fliegt, müssen die Golfplätze länger werden. Weil die Golfplätze immer länger werden, wird der Unterhalt immer teurer. Je länger der Platz, umso mehr Dünger und Wasser brauche ich. Wer soll das bezahlen?" Nicklaus fährt fort, er redet immer schneller: "Und umso weiter Golfer die Bälle schlagen, umso länger dauert die Runde. Weil es eine Ewigkeit dauert, bis sie ihren Ball wieder gefunden haben... Ist ja kein Wunder, dass die Golfer Probleme mit ihren Frauen zu Hause bekommen. Wenn der Mann am Samstagmorgen um zehn gesagt hat, ich spiele mal schnell 18 Löcher, und er kommt dann gegen fünf Uhr nachmittags wieder nach Hause. Wie oft wird er den Rest des Monats noch einmal die Erlaubnis von seiner Frau bekommen, auf den Golfplatz zu gehen?" Bei dieser Argumentationskette hört man die Kollegen von der US-Golfpresse übrigens zustimmend murmeln. Nicklaus fährt fort: "Der Golfball muss geändert werden, damit wir endlich wieder kürzere Plätze spielen können. Das spart uns Zeit und bringt die Menschen zum Spiel zurück." Was meinen Sie? Liegt Jack Nicklaus mit seiner Annahme richtig? Würden kürzere Bälle das Spiel schneller – und somit attraktiver für eine größere Zahl von Golfinteressierten (auch in Deutschland) machen? Schreiben Sie mir: [email protected] Ausgewählte Beiträge werden hier veröffentlicht. Dominik Krautschun, Jahrgang ‘70, lebt in Naples, Florida, der "Golf Capital of the World". Der Schreibtisch des Hcp -4,3-Golfers steht auf der Driving Range des Foxfire Golf & Country Club. Oliver Harms Hallo Herr Krautschun, da Sie ja in die Menge gefragt haben wie man zu der Aussage von Herrn Nicklaus steht - hier meine Meinung dazu: Netter Weise gibt's ja - besonders in Amerika - für alles Statistiken, ob man diesen trauen darf oder nicht mag hier jeder selber entscheiden. Die Tatsache, dass die durchschnittlichen Schlagweiten mit jedem Jahr größer werden ist allerdings nicht zu leugnen, eben so wenig wie die daraus resultierende Notwendigkeit die Plätze immer länger zu gestalten und ihre Folgen. Ich stimme Herrn Nicklaus daher zu, dass es eine gute Idee wäre dieser Entwicklung entgegen zu wirken - allerdings bezweifele ich, dass es da mit den Bällen getan ist (zumindest im Amateur Bereich). Es ist ja leider ein wesentlicher Teil der Verkaufsstrategie aller Hersteller die Kunden mit "mehr Länge" zu ködern und dass nicht nur bei den Bällen. Das es sich bei den hierbei mehrheitlich um einen "Fake" handelt, der durch das Vermindern des Lofts erreicht wird scheint die Kunden dabei nicht zu interessieren, sogar die größere Streuung bei den längeren Schlägern wird hierfür klaglos hingenommen. Dies beweißt m.E. ein erhebliches Interesse der Mehrheit der Golfer an einem Mehr an Länge. Daher würde ein einheitlicher und Längen begrenzter Standard Tourball (wie ihn ja auch schon andere namhafte Golfer außer Herrn Nicklaus gefordert haben) das Problem zwar im Profibereich eindämmen - im Amateur Bereich würde das m.E. aus vorgenannten Gründen aber nur bedingt zum Ziel führen. Ich zweifele daher daran, dass kürzere Bälle den Amateur Golfsport in seinem Zeitaufwand verringern und in seiner Attraktivität verbessern können. Mit freundlichem Gruß, Oliver Harms. © GOLF TIME Verlag GmbH Artikel zu diesem Thema:


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