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Coverstory: Homestory Sandra Gal GALAKTISCH
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Made in Altenstadt 17.09.2018

TiCad-Inhaber Björn Hillesheim vor dem Firmensitz in Altenstadt
TiCad-Inhaber Björn Hillesheim vor dem Firmensitz in Altenstadt
Im Showroom stehen die neuesten Modelle. Viele haben Auszeichnungen erhalten (u. a. mehrfacher Reddot Design Award Winner).
Im Showroom stehen die neuesten Modelle. Viele haben Auszeichnungen erhalten (u. a. mehrfacher Reddot Design Award Winner).
Auch die Titanfelgen werden vor Ort gefertigt und samt abriebarmer Vollschaumreifen endmontiert.
Auch die Titanfelgen werden vor Ort gefertigt und samt abriebarmer Vollschaumreifen endmontiert.
Die Unternehmenswerte sind in den Werkshallen allgegenwärtig.
Die Unternehmenswerte sind in den Werkshallen allgegenwärtig.
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Eine halbe Stunde nordöstlich von Frankfurt befindet sich der Hauptsitz des Trolley-Herstellers TiCad. Neben höchsten Qualitätsansprüchen ist man vor allem auf eines stolz: Hier wird ehrliche Handarbeit geliefert.


Der Begriff Manufaktur hält wieder Einzug in den deutschen Sprachgebrauch. Nicht nur, weil er handgefertigte Produkte suggeriert, die sich von maschineller Massenware abheben, sondern weil das Handwerk und dessen Qualität wieder etwas gelten. Nicht selten ist das Wort dabei eine Schöpfung aus dem Marketing, weil sich vermeintliche Handarbeit einfach besser verkauft. 

Oft werden dann maschinell gefertigte Teile aus China und anderen Billiglohn-Ländern an deutschen Standorten endmontiert und als „Handmade in Germany“ angeboten. Nicht so beim Premium-Trolley-Hersteller TiCad. Hier erhält der Kunde ein ehrliches deutsches Produkt, das in Altenstadt bei Frankfurt tatsächlich von Hand gemacht wird. 

Im Herzen Hessens steht eine waschechte Manufaktur. Wenn man es ganz genau betrachtet, sind es seit Ende 2016 sogar zwei. Die bekannte Trolley-Schmiede TiCad gibt es bereits seit 1989. Sie hat sich dank ihres früh erarbeiteten Know-Hows rund um die Titanbearbeitung und das Schweißen des so robusten Materials einen internationalen Namen gemacht. 

Die Idee aus Titan, das seine Festigkeitseigenschaften bis zu Temperaturen von 635 Grad Celsius behält, einen Golf-Trolley zu fertigen, war bahnbrechend. Zur enormen Hitzebeständigkeit von Titan kommen extreme Zugfestigkeit, eine Schmelztemperatur deutlich über der von Stahl sowie eine Korrosionsbeständigkeit, insbesondere bei organischen Säuren und Seewasser, die ihres Gleichen sucht. Und all das bei etwa der Hälfte des Gewichts von klassischem 
Stahl. Das sind charakteristische Eigenschaften, wie prädestiniert für einen langlebigen und witterungsbeständigen Trolley. 

Die Manufaktur in der Manufaktur
Der zweite handwerkliche Betrieb, der all seine Produkte ausschließlich von Hand fertigt, ist eine Lederverarbeitung, die auf das 1931 in Heusenstamm gegründete Lederwarenunternehmen RIK zurückgeht. Eben jenes Lederwarenunternehmen hatte bereits jahrzehntelang für TiCad handgenähte Griffe feinster Qualität geliefert, bis es aus Altersgründen des Besitzers und in Ermangelung eines Nachfolgers vor dem Aus stand. 

Kurzerhand entschloss sich TiCad-Inhaber Björn Hillesheim dazu, das Wissen, die Gerätschaften und vor allem auch den Standort in Deutschland zu erhalten und in das eigene Unternehmen TiCad zu integrieren. Nicht nur die Lederarbeiten sind „Made in Germany“. Auch das von Hand veredelte Vollrindleder stammt von süddeutschen Weiderindern. 



Die TiCad-DNA
Die Idee, einen wichtigen Zulieferer zu erhalten, war für Geschäftsführer Hillesheim naheliegend. Bereits bei Übernahme der Firma TiCad vom Gründer, Tüftler und Visionär Ludwig Hentschel im Jahr 2013 war er mit dem Einstieg in ein familiengeführtes Unternehmen mit Werten, Vorstellungen und einem deutschen Standort gut gefahren. Hillesheim, der zuvor Geschäftsführer der Hymer Leichtmetallbau Gruppe war, kam zum Golfsport wie die Jungfrau zum Kind. 

Der Absolvent eines Maschinenbau-und Managementstudiums hatte vielleicht keine Ahnung vom Spiel mit dem kleinen Ball auf grünen Wiesen, dafür aber umso mehr vom Bau von Maschinen und hochwertigen technischen Produkten. „Das Ziel ist der perfekte Trolley, der Anspruch ein rundum zufriedener Kunde“, sagt Hillesheim. „Das ist die DNA, die Firmenphilosophie von TiCad.“ Der Slogan „a perfect trolley“ ist da nur konsequent. 



Anspruch durch Perfektion
„Wenn man ein wirklich perfektes Produkt schaffen will“, führt der Chef weiter aus, „darf man keinerlei Kompromisse eingehen. Überall, wo man nachgibt, gibt auch die Perfektion nach. Das Frustrierende ist: Selbst wenn man ein perfektes Produkt geschaffen hat, währt Perfektion nicht lange. Sie ist immer nur das Beste, was man zu einem bestimmten Zeitpunkt hat leisten können. Der Anspruch an uns, perfekte Produkte anbieten zu können, setzt daher die Bereitschaft voraus, diese Produkte immer wieder neu zu erfinden.“ 

Genau das machen sie bei TiCad. Auf der Suche nach Perfektion legt man großen Wert auf kleinste Details. Angefangen bei den bestmöglichen Schweißnähten, die von akribischen Menschen und nicht von teilnahmslosen Robotern gesetzt werden. „Eine Maschine ist nicht idealistisch und leidenschaftlich wie unsere Mitarbeiter. Wenn man etwas richtig gut machen will, braucht man dazu Menschen mit speziellen Fähigkeiten, die wirklich dafür brennen“, so der Firmeninhaber. 



Dank engagierter Mitarbeiter entstehen Produkte mit Liebe zum Detail. So zum Beispiel der TiCad Star – ein Handwagen aus dem Jahr 1991 – der als „Produkt der Angewandten Kunst“ urheberrechtlich geschützt ist. Oder allgemein die verschleißarmen Räder mit Umlaufprofil und ohne Hohlräume zwischen Felge und Reifen, damit es nicht zu Verschmutzung oder Wasser im Rad kommen kann. Auch die Akkus, die ebenfalls aus rein deutscher Produktion zertifizierter Zulieferer stammen, sind bewusst nicht darauf getrimmt, ihre vollständige Kapazität zu nutzen. Schlicht und ergreifend, weil sie so schneller verschleißen. Im Sinne des Kunden und der Langlebigkeit des Produkts geht die Firma hier einen der wenigen Kompromisse ein: nämlich den zwischen der Reichweite des Elektrotrolleys und der Lebensdauer seines Herzschrittmachers, des Akkus. 

Und das nicht ohne Grund: Da TiCad selbst für seine Elektrotrolleys in der Antriebsentwicklung tätig ist, testen Motorentüftler Kombinationen von Getrieben, Motoren und Übersetzungen, bis die ideale Kombination steht. Die Zielsetzung ist hier die Symbiose aus den Attributen langlebig, sparsam, leise, kräftig und reichweitenstark. 

Die „Gläserne“ Manufaktur
Wer an eine Manufaktur denkt, stellt sich wahrscheinlich im nostalgischen Sinne etwas Veraltetes vor. Beim Rundgang durch die Fertigungshallen zeigt Hillesheim sowohl die Maschinen zur Produktion komplexer High-Tech-Komponenten, aber nicht ohne Stolz eben auch beispielsweise eine alte Nähmaschine von Adler, die seit mehr als fünfzig Jahren zuverlässig ihrer Arbeit nachgeht. Man kann sich hier vor den Toren Frankfurts selbst von der hohen handwerklichen Fertigungstiefe überzeugen und ist im ersten Moment durchaus überrascht, dass die meisten Herstellungsschritte tatsächlich in Handarbeit geschehen. 



Jeder einzelne der hier fabrizierten Golftrolleys geht durch Dutzende Hände. Sowohl Elektrotrolleys als auch Handwagen werden in kleinen Serien und in unzähligen Arbeitsschritten gefertigt und sind Unikate. 



Unternehmenswerte 
Die liebevolle Handarbeit betrachtet man hier als essenziell. „Das ist mit der wichtigste Grund dafür“, sagt der Chef, „dass Produkte der Marke TiCad am Ende eine Klasse für sich sind – enorm langlebig, kompromisslos hochwertig, funktional überlegen und absolut werthaltig. 

Das schaffen wir nur dadurch, dass wir den Menschen und die Beziehungen zu ihm in den Mittelpunkt stellen. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tagtäglich voller Freude am perfekten Trolley arbeiten. Es geht mir darum, etwas gemeinsam mit den Mitarbeitern zu schaffen.“ 



Der Arbeitgeber von gut 50 Menschen wirkt dabei authentisch. Man nimmt es ihm wirklich ab. Genau wie die Leidenschaft der Belegschaft. Eine Mitarbeiterin sagt uns mit einem Augenzwinkern auf dem Flur: „Unter dem Preis-Leistungsaspekt betrachtet, ist ein TiCad der günstigste Trolley auf dem Markt. Er hat nur einen Nachteil: Sie müssen sich überlegen, an wen Sie ihn vererben wollen.“ 


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