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Coverstory: 42. Ryder Cup UNSCHLAGBAR
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Das erste und das letzte Loch 08.09.2017

Martina Eberl
Martina Eberl über mentale Tricks für die Nervosität am ersten Abschlag
Martina Eberl
Martina Eberl
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Das Problem erster Abschlag und wie man am sichersten loslegt. Und: Warum werden die Löcher 16 – 18 immer so immens schwierig? Martin Eberl über mentale Tricks auf der Runde.

Warum ist das nur so? Warum ist das erste Loch das schwierigste? Warum ist der erste Drive der Schlag, nach dem man immer erst mal durchatmen muss mit dem Spruch: „Hauptsache draußen“ oder „Gott sei Dank hab ich den Ersten draußen“? Zugegeben, auch mir in meiner aktiven Spielzeit ging es am Anfang nicht anders. Ich war nervös, manchmal hab‘ ich meine Hände nicht mehr richtig unter Kontrolle gehabt, was beim Golfen ja nicht wirklich von Vorteil ist. Der Score ließ lange am ersten Loch zu wünschen übrig. Selten habe ich mit einem Birdie angefangen. Par war schon meist das höchste der Gefühle. Dazu gab es immer wieder Plätze, wo der Architekt auch nicht der allernetteste zu sein schien, auf denen es mit schwierigen Löchern losging. Zum Beispiel in Royal Lytham and St. Annes bei den British Open 2009. Dort geht es mit einem Par 3 los, ca. 160 Meter mit Standardsturm von rechts. Nicht wirklich das erträumte Par 5 mit 430 Metern, wie auf meinem Heimatplatz GC Wörthsee, den ich immer noch sehr liebe. 

Nun aber zur Frage, wie kann man besser „aus den Startlöchern“ kommen: Es gibt viele „Tools“, die ich mit meinem langjährigen Mental-coach Justin Walsh erarbeitet habe und dann auch oft umsetzen konnte. Von Atemtechniken bis hin zu Vorstellungen, die Nervosität aus dem Körper „laufen“ zu lassen. Oft hat mir aber auch folgende Vorstellung geholfen: Jeder von uns hat schon mehrmals 18 Loch gespielt. Warum nicht einfach „weiterspielen“. Man hat doch nur Pause gemacht. Meist spielt man doch eh Turniere auf dem Heimatplatz oder auf Plätzen, die man kennt. Die Vorstellung, auf Loch 19 zu gehen, kann immens helfen. „Einfach weiterspielen“, so die Devise. Aber auch auf fremden Plätzen im Leistungssportbereich spielt man Proberunden. Diese werden einfach fortgesetzt. Das hört sich jetzt wirklich sehr simpel an, aber dieses Mindset ist es auch. Probieren Sie es aus!

Auch die 18 bedarf eines tiefen Durchatmens vor dem Abschlag

Auch gegen Ende der Runde wird es knifflig: Vor allem die 18 bedarf eines tiefen Durchatmens vor dem Abschlag. Wenn dieser sitzt, dann ist die halbe Miete schon bezahlt … Es ist lustig, dass die meisten Amateure denken, dass wir all diese Probleme nicht kennen, aber das tun wir sehr wohl. Nur kümmern wir uns, die Pro’s und guten Amateure, darum und buchen die ein oder andere Mentalstunde beim nächsten Coach. Wie ich schon beim ersten Loch erwähnt hatte, die Vorstellung „weiterzuspielen“ kann immens helfen. 

Jetzt ist es an der Zeit, sich vorzustellen, dass die Runde mindestens 36 Löcher lang ginge. Warum? Somit nimmt man sich den Druck der letzten Löcher und des „Haltens“ oder „Wieder-gut-machens“ weg. Warum nicht einfach so weiterdenken wie an der 12 oder 13 oder am achten Loch? Unsere Golfkarriere ist eine einzige Runde Golf. So wäre die Vorstellung sehr gut. Es gibt auch andere Hilfestellungen, die mir in meiner 16-jährigen Leistungsgolfkarriere geholfen haben: 

  • Shot by Shot: Jeden Schlag von Neuem beginnen
  • 100% Commitment mit dem „Play-Box-System“ (Justin Walsh „Trained Brain“ und „Vision54“)
  • Genaue Ziele nehmen: Je kleiner desto besser Fokus auf den einzelnen Schlag
  • Atemübungen zur Pulskontrolle 

Und wenn die Nervosität überhandnimmt, einfach mal wieder mit den Zehen wackeln und sich in die Gegenwart zurückbeamen. „Stay in the present!!!“ Also, ihr seht, Golf ohne mentale Tricks und tolle Vorstellungen ist einfach sehr schwierig. Deshalb wieder eine dicke Säule des erfolgreichen Spiels: die mentale Stärke. Ab 2018 werde ich Workshops und auch Kurztrips mit mentalem Hintergrund anbieten. Vielleicht sehen wir uns schon bald dort! 


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