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Coverstory: PHIL MICKELSON DER STRAHLEMANN
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Milde, aber richtig 10.07.2017

Jon Rahm
Regeldiskussion bei Irish-Open-Sieg für Jon Rahm
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Jon Rahms Sieg wird von einer Regeldiskussion begleitet. Der Spanier wird freigesprochen - eine milde, aber richtige Entscheidung. Solange die Spieler die richtigen Rückschlüsse ziehen.

Jon Rahms Sieg bei der Irish Open war eindrucksvoll. Der Spanier feierte in Nordirland seinen ersten Titel auf der European Tour, dennoch gab es am Ende der Runde neben der dominanten Vorstellung noch ein weiteres Gesprächsthema: das Geschehen auf dem sechsten Grün. Dort markierte Rahm seinen Ball seitlich, musste seinen Ballmarker zudem versetzen, damit Spielpartner Daniel Im putten konnte. Anschließend versetzte er seinen Marker wieder korrekt zurück, legte den Ball dann aber vor den Marker, anstatt korrekterweise seitlich davon. Der Schiedsrichter Andy McFee ahndete diesen Regelverstoß nicht, da Rahm nicht vorsätzlich gehandelt habe und es „nur“ um ein paar Millimeter ging.



Der Vorfall erinnerte an die Finalrunde der ANA Inspiration auf der LPGA Tour: Ein Zuschauer hatte Anfang April vom Sofa aus beobachtet, wie Lexi Thompson am Samstag ihren Ball auf dem Grün vor einem kurzen Putt ein paar Zentimeter von der ursprünglichen Stelle weg markiert hatte. Die Offiziellen, die die Nachricht einen Tag später erhielten und den Sachverhalt bewerteten, stimmten zu. Die Folge: Vier Strafschläge; zwei für den Fehler beim Markieren, zwei weitere für das Unterschreiben einer falschen Karte. Thompson verlor so den sicher geglaubten Major-Sieg.

Rahm handelt aus bestem Gewissen

Als Konsequenz des Vorfalls beim Damenturnier verabschiedeten die obersten Regelhüter R&A und USGA eine neue Decision – von der Rahm nun profitierte. In einfachen Worten erklärt: Sollte ein Videobeweis ein Fehlverhalten (beispielsweise bei einem Drop oder eben beim Markieren) offenlegen, der mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist, wird davon abgesehen, den Spieler zu bestrafen. Des Weiteren soll der Spieler in jenen Situationen nicht bestraft werden, solange er aus bestem Gewissen handelt. Dieses beteuerte Rahm im Gespräch mit dem Schiedsrichter.

Ganz unabhängig von der Absurdität, die Spieler am Tag danach mithilfe eines externen Hinweis vom Sofa aus zu bestrafen wie im Fall Thompson geschehen, haben sowohl Rahm als Thompson fahrlässig gehandelt. Man mag die Diskussion um - wenn überhaupt - ein paar Zentimeter als kleinlich empfinden und McFees mildes Urteil als folgerichtig. Doch Schuld an dieser unschönen Debatte haben hauptsächlich die Spieler. Es bleibt nunmal ein unglücklicher Zug, einen Ball seitlich zu markieren, um ihn dann vor den Marker zurückzulegen.

Warnsignal an die Profis

Phil Mickelson äußerte vor ein paar Wochen den Eindruck, dass bei einigen Spieler auf den Touren weltweit beim Markieren etwas Fahrlässigkeit eingeschlichen hat. „Das sollte aufhören“, so Mickelson, der sich wünschen würde, dass die Offiziellen an jene Spieler herantreten und eine Warnung aussprechen. Rahm hat diese Warnung nun erhalten.

In einer Sache sind sich Regelhüter, Spieler und ein Großteil der Golfwelt bis auf ein paar wenige, auf Sofas sitzende Ausnahmen einig: Niemand will, dass ein Golfturnier durch Regeldebatten entschieden wird. Die Profis und Proetten sollten in Zukunft sicher stellen, sich so eine Diskussion zu ersparen. So schwer ist die Sache mit dem Ball-Markieren ja auch nicht. Sollten die Spieler die richtigen Rückschlüsse ziehen, war die milde Entscheidung von Referee McFee die richtige.


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