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Coverstory: Homestory Sandra Gal GALAKTISCH
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Schweigen ist Golf 31.05.2013

Götz Schmiedehausen, Stellv. Chefredakteur GOLF TIME
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Wenn Deutschlands größte Tageszeitung eine Golfmeldung veröffentlicht, hat entweder Martin Kaymer ein Major-Turnier gewonnen oder es geht um Tigers „Schniedelwutz“. Und so enthüllte die BILD-Redaktion exklusiv, dass Tiger Woods seine neue Freundin, Ski-Star Lindsey Vonn angeblich schon mit seiner Ex-Frau Elin betrogen haben soll. Der Beitrag wurde von der BILD-Redaktion mit dem Quellennachweis „National Enquirer“ abgesichert, einer US-Supermarkt-Zeitschrift, die sich schon mit Schlagzeilen wie „Mann verlässt Krankenhaus nach Nierenoperation als Frau“ oder „Hillary Clinton adoptiert Alien-Baby“ als seriöser Nachrichtenlieferant einen Namen machen konnte. Abschließend kommentierte „Deutschlands beste Sportredaktion“, dass Tiger wohl „in den nächsten Wochen und Monaten nicht mit Golf für Schlagzeilen sorgen können wird“. Da lag Tigers Sieg bei der Arnold Palmer Invitational gerade einmal zehn Tage zurück, durch den er wieder die Nummer 1 der Welt wurde. Der Kolumnist Hajo „Achim Achilles“ Schumacher hingegen bevorzugt andere, nicht minder ausgetretene Pfade. In seinem kürzlich auf „SPIEGEL Online“ veröffentlichten Beitrag skizziert der renommierte Journalist den Golfer (wie schon so viele uninspirierte Spaßmacher vor ihm) als übergewichtigen, ewig alkoholisierten und krankhaft geltungssüchtigen „Honk“ (Abkürzung für „Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse“). Der laut Artikel „vorurteilsfreie Mensch“ kam nach einer angeblich selbst erlebten Urlaubsreise zu der Erkenntnis, dass 90 Prozent der Golfer „röhrende Mitläufer“ sind, denen es nicht um Sport, sondern um „eine niedrigschwellige Brückenbeschäftigung zwischen zwei promillehaltigen Orgien“ gehe. Die überwiegende Mehrzahl der Golfer besteht laut Schumacher zudem aus neureichen, charakterlosen „Bewegungsuntalenten“, die scharenweise in Elektrokarren durch Landschaftsschutzgebiete heizen. Als Golfer kann man sich über den eigentlichen Inhalt der Kolumne kaum richtig aufregen, vielmehr verärgert die lieblos hingeschluderte Themaverfehlung als solche. Rudimentäres Basiswissen über das Objekt der Satire wäre ohne Frage hilfreich gewesen, es ist ja nicht so, dass der Golfer wenig Angriffsfläche zu bieten hätte. Doch der gehetzte Autor zog es eben vor, eine blendende Schicht origineller Formulierungen über seinen schlichten Windbeutel der eigenen Anspruchslosigkeit zu kleistern und sich nicht etwa die Mühe zu machen, uns Golfer wirklich treffend aufs Korn zu nehmen. Obwohl jeder Ski- oder Snowboardurlaub in einer Woche mehr kostet als die Mehrzahl der Clubgolfer im ganzen Jahr für ihr Hobby ausgibt, gilt Golf nach wie vor als Tummelplatz sexsüchtiger, neureicher Unsympathen. In der Realität buhlen viele Clubs hingegen händeringend um Neugolfer, um überhaupt überleben zu können. Trotzdem sorgen schlampig arbeitende Journalisten und Politiker entweder aus Kalkül oder schlichter Dummheit weiterhin dafür, dass viele potentielle Kunden aufgrund falscher Vorstellungen den Golfsport meiden.


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