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Schwungumstellung – warum? 08.10.2014

Annika Sörenstam
Bei Annika Sörenstam war die Schwungumstellung erfolgreich
Sir Nick Faldo
Martin Kaymer
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Schwungumstellung ist ein Reizwort. Es bedeutet Veränderung. Es bedeutet Vertrautes zu verlieren und sich mit Neuem anfreunden zu müssen. Der Mensch geht Veränderungen gern aus dem Weg, er ist ein Gewohnheits-Tier. Weshalb stellen dann Topspieler ihren Schwung um? Es muss triftige Gründe geben. 

Die Liste der Spieler, die einschneidende Veränderungen durchgeführt haben, ist sehr lang. Nick Faldo, Annika Sørenstam, Henrik Stenson, Martin Kaymer und Tiger Woods stechen heraus. Es gibt jedoch ganz unterschiedliche Gründe, weshalb Top-Spieler sich zu diesem Schritt der Schwungveränderung aufraffen. Viele Gründe. Verletzungen und Schmerzen können eine Umstellung erfordern. 

Zu große Streuung im langen Spiel. Zu geringe Schlagweite oder Ungenauigkeit im kurzen Spiel. All das sind Gründe, um Veränderungen am Schwung vorzunehmen. Top-Spieler wenden sehr viel Energie auf, um Bewegungsabläufe in ihrem Schwung zu verändern. Oftmals ist all dieser Einsatz nicht von Erfolg gekrönt. Es ist sehr schwierig abzuschätzen, ob Vorschläge und Vorstellungen eines verbesserten Schwunges den erwünschten Erfolg bringen. Daher sollten Trainingsmaßnahmen zur Erreichung eines neuen Leitbildes auf physikalischen, biomechanischen und gefühlten Effekten aufbauen.  Argumente eines Golflehrers müssen daher auf diesen Kriterien basieren und sollten keine Worthülsen sein. 

Paradebeispiel: Annika Sørenstam

Ein sehr schönes Beispiel einer gelungenen Schwungumstellung ist Annika Sørenstam. Sie hatte das Problem, ihr Gewicht im Durchschwung nicht auf das linke Bein zu bringen. Da sie den Kopf, wie es ihr früher beigebracht wurde, „brav“ unten ließ, entstanden bei ihr hohe Belastungen in der Lendenwirbelsäule. Ihr Trainer empfahl ihr, den Kopf mit der Wirbelsäule mitzudrehen. Diese Anweisung führte sie durch und erweiterte die Bewegungsveränderung dahingehend, dass sie sich während des Schwunges leicht aufrichtete. Auf diese Weise nutzte sie einen wichtigen physikalischen Effekt. Somit konnte sie das Gewicht besser auf ihr linkes Bein verlagern und die Belastung der Lendenwirbelsäule wurde verringert. Ihr Trainer wollte zwar das Mitdrehen des Kopfes wieder rückgängig machen, aber Annika gefiel es, so zu schwingen und sie behielt diese Besonderheit ihres Schwunges bei. Aus diesem Grund sagt sie heute: „My drill became my swing.“ 

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass physikalisch-biomechanische Effekte, gepaart mit einem guten Bewegungsgefühl wichtige Grundlagen zur Verbesserung des Golfschwunges sind. Es zeigt aber gleichzeitig, dass die Intuition bewegungstalentierter Spieler von enormer Bedeutung ist. Als ich Annika einmal fragte, wie lange diese Umstellung gedauert habe, sagte sie „I hit a few balls . . .“ und ich hab mir erst später ausgerechnet, dass diese Aussage bedeutet, dass sie einige Tausend Bälle geschlagen hat, um sich mit diesem neuen Schwunggefühl anzufreunden. 

Im Alter sogar weiter schlagen

Golfern, die auf Grund von Schmerzen oder fehlender Spielqualität eine Schwungveränderung planen, sei daher Geduld und Ausdauer angeraten. Auch muss Vertrauen bestehen zwischen der Person, die einem Veränderungen vorschlägt, diese anleitet, und dem Golfer, der sich auf einen langen Weg macht. Gut durchdachte und physikalisch erläuterte Veränderungen sind auf Sicht gesehen immer ein Gewinn. Es führt dazu, dass man mit zunehmendem Alter immer weiter schlägt und nicht unter den abnehmenden Kräften leidet. Zusätzlich ist die dem Alter entsprechende abnehmende Beweglichkeit ein triftiger Grund, sich von alten Schwungvorstellungen zu verabschieden. Aber, Gott sei Dank gibt es Lösungen, die den Golfschwung extrem effizient machen. Deshalb ist Golf eine Sportart, in der unsere beste Leistung noch vor uns liegt.

Dr. Christain Haid ist Biomechaniker an der Universitätsklinik Innsbruck. Info: www.Healthy-Swing.at [email protected] © GOLF TIME Verlag GmbH


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