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Coverstory: Masters Tournament WUNDER WOODS
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Sie nannten ihn SEVE 18.11.2015

Open Championship 1976: Der 19-jährige Seve Ballesteros
Der nächste Ryder Cup-Triumph für die Europäer sollte 1987 im Muirfield Village, Ohio, folgen. Seve und José Maria Olazábal bewiesen sich als Team unschlagbar. Die beiden sollten in Folge mit die erfolgreichste Bilanz beim Ryder Cup in den Teammatches abliefern
1989 gewann die Europäer erneut den Ryder Cup, genauer gesagt behielten sie ihn, denn das Duell ging zum zweiten Mal in der Geschichte des Turniers unentschieden aus (14 zu 14). Erneut schlugen sich Seve und José Maria Olazábal im Team mit Bravour
Nach drei gewonnenen Ryder Cups in Folge unterlag das europäische Team gegen die Auswahl aus den USA 1991 in Kiawah Island, South Carolina, mit 14,5 zu 13,5. Seve und José Maria Olazábal zeigten erneut eine Top-Performance im Team: Von den vier anstehenden Team Matches gewannen sie drei und teilten eines
2000 war auch das Jahr, in dem erstmals die
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Severiano Ballesteros – „Jede Generation bringt einen Golfer hervor, der ein wenig besser spielt als die anderen. Ich glaube, Ballesteros ist dieser Golfer . . .“ (Lee Trevino bei Seves Aufnahme in die Hall of Fame). Wenn man Severiano Ballesteros’ Golf beschreiben möchte, so stehen weniger die über 90 Trophäen im Blickpunkt, die er im Laufe seiner vergleichsweise kurzen Hochphase als bester Spieler der Welt sammeln konnte. Es geht vielmehr darum, zu welch unglaublichen Taten Seve auf dem Golfplatz im Stande war. Er spielte Birdies aus unmöglichsten Lagen, aus denen andere Spieler schon froh über ein Bogey gewesen wären. Er besaß eine rahmensprengende Vorstellungskraft und versuchte sich an Schlägen, die anderen Spielern nie in den Sinn gekommen wären. „Er war ein Genie“, erinnerte sich Tiger Woods in seinem Nachruf auf Seve, „vielleicht der kreativste Golfer, der dieses Spiel je gespielt hat.“ Eisen 3. Seve Ballesteros wurde 1957 in Pedreña, einem kleinen Küstendorf im Norden Spaniens geboren. Golf war ein integraler Bestandteil im Leben der Familie Ballesteros. Seves ältere Brüder Baldomero, Manuel und Vicente waren allesamt Profigolfer und sein Onkel Ramon Sota gehörte in den Sechzigerjahren zu den besten Spielern Europas. In seiner frühen Jugend nutzte Seve jede sich bietende Gelegenheit, um ein paar Golfschläge vollführen zu können. Sollte er auf die Kuhherde des Vaters aufpassen, trieb er sie in Richtung des Golfplatzes. Hatte er einmal keine Bälle, schlug er am Strand Kieselsteine mit dem Eisen 3, das Manuel Ballesteros seinem achtjährigen Bruder geschenkt hatte, in die Brandung. Nur mit diesem Schläger brachte sich Seve die Grundlagen des Golfspiels selbst bei. Kein Wunder, dass ihm in puncto Einfallsreichtum später keine Grenzen gesetzt waren. Egal, ob Drives, Annäherungen, Bunkerschläge oder Kurzspiel, er konnte jeden beliebigen Schlag mit diesem unhandlichen Werkzeug ausführen. Mitte der Sechzigerjahre arbeitete Seve als Caddie im Pedreña Golf Club. Natürlich war es dem Knirps untersagt, auf der Anlage den Schläger zu schwingen. Also verlegte er seine Golfrunden auf besonders mondhelle Nächte oder er spielte schnell heimlich ein paar Bahnen, bevor man ihn aufspürte und des Feldes verwies. 1967, mit zehn Jahren, nahm er an einem Caddie-Turnier teil und spielte auf seinem ersten Turnierloch eine 10. Für die folgenden acht Bahnen benötigte Seve bei diesem 9-Loch-Turnier jedoch nur noch 41 Schläge. Schon drei Jahre später stellte er beim Wettkampf der Taschenträger mit 65 Schlägen für 18 Löcher einen neuen Rekord auf. 1971 hatte der vierzehnjährige Seve dann die Möglichkeit, bei einem Profiturnier auf dem La Manga Golf Club die Top-Spieler der Tour zu studieren. Vor allem Gary Players Trainingseifer vor und nach den Golfrunden prägten ihn nachhaltig. Obwohl Ballesteros nach wie vor kein Clubmitglied war und als Caddie kaum regelmäßig trainieren durfte, wurde er mit nur 16 Jahren Profigolfer. Überholspur. Der Teenager aus Spanien schlug in der internationalen Golfszene ein wie eine Bombe. Einen Tag vor seinem 19. Geburtstag gewann er die Dutch Open und wurde kurz darauf Zweiter bei der Open Championship 1976 in Royal Birkdale. Über drei Runden hatte er das Feld souverän angeführt, doch die Nacht vor dem Finaltag soll er dann lieber in der Disko verbracht haben, weshalb ein ausgeschlafener Johnny Miller am Ende den Claret Jug in Empfang nehmen durfte. In diesem Jahr gewann Ballesteros erstmalig die europäische Order of Merit. Drei Jahre später feierte Ballesteros mit 22 Jahren seinen ersten Majortitel bei der Open Championship 1979 in Royal Lytham & St. Annes. Am Finaltag verzog er den Abschlag auf Loch 16 bis auf den Parkplatz der Anlage. Es stand zu befürchten, dass ihn dieser Fehlschlag das Turnier kosten würde, denn er wurde hart von Ben Crenshaw und Jack Nicklaus bedrängt. Der Ball wurde schließlich unter einem Auto gefunden, von dem Seve wegdroppen durfte. Aus dieser unübersichtlichen Lage schlug der Spanier den Ball auf das Grün und spielte dann sogar noch das Birdie. Beim Masters 1980 demonstrierte Seve auch dem amerikanischen Golfpublikum seine überlegene Spielstärke. Zeitweise führte er das Turnier mit zehn Schlägen Vorsprung an und spielte im Laufe der 72 Bahnen 23 Birdies und ein Eagle. Er war der erste Sieger aus Europa und mit 23 Jahren der damals jüngste Champion der Masters-Geschichte. Geschichte. 1983 gewann Seve sein zweites grünes Jackett, es folgten noch zwei Open Championships 1984 und 1988. Teamspieler. Als aktiver Ryder Cup-Spieler holte Seve 22,5 Punkte aus seinen 37 Matches, viele davon im Vierball- Format mit seinem guten Freund José-Maria Olazábal. Zwischen 1979 und 1997 war er maßgeblich an der Beendigung der Alleinherrschaft der USA im Kontinentalvergleich beteiligt. Dementsprechend verärgert und frustriert war er, als er 1981 nicht am Ryder Cup teilnehmen durfte, da er seinen Turnier- Schwerpunkt vornehmlich in die USA verlagert hatte, was den Verantwortlichen der European Tour nicht gefiel. Europa verlor ohne ihn so deutlich wie nie zuvor. Seve beschämte Kapitän John Jacobs und European Tour-Präsident Neil Coles (die seinen Ausschluss initiiert hatten) durch eine beeindruckende Demonstration seiner Spielstärke. Der Spanier gewann vier der sechs verbleibenden Saison-Turniere 1981 und wurde bei den beiden restlichen Events Zweiter und Dritter. Ab 1983 war Ballesteros fester Bestandteil des Ryder Cup-Teams. Ohne ihn hätte man sicher kaum das „Triple“ feiern können, als Europa zwischen 1985 und 1989 den Ryder Cup dreimal gewinnen bzw. verteidigen konnte. Seine Sternstunde kam jedoch beim Ryder Cup 1997, als er das europäische Team als Kapitän auf seiner Golfanlage im spanischen Valderrama zum Sieg führte. Schwanengesang. Der einst strahlende Stern des Golfstars aus Spanien begann Anfang der Neunzigerjahre langsam aber stetig zu verblassen. Chronische Rückenschmerzen vergällten ihm den Spaß am Spiel, trotzdem wollte er von Rücktritt nichts wissen. 1995 gewann er sein letztes Turnier, die Spanish Open, in der Folge quälte er sich als Schatten seiner selbst über den Platz. 2007 endlich, bei der Open Championship in Carnoustie, gab er seinen offiziellen Rücktritt bekannt. Zwischenzeitlich war auch Seves Ehe mit seiner Jugendliebe Carmen zerbrochen. Die Frustration über den eigenen körperlichen Zerfall hatte den stolzen Spanier bis ins Mark verbittert und zu unüberwindbaren Problemen geführt. Nach seinem offiziellen Karriere-Ende wurde es sehr still um die einstige Nummer 1 der Welt. Am 6. Oktober 2008 dann brach Ballesteros vor dem Flughafen in Madrid ohnmächtig zusammen. Die Untersuchungen ergaben, dass er einen Hirntumor hatte, der durch Operationen und Chemotherapien vollständig zurückgedrängt werden sollte. Mitte 2009 zeigte Seve sich erstmals wieder in der Öffentlichkeit, von der Krankheit gezeichnet, aber scheinbar geheilt. Am 6. Mai 2011 jedoch erlitt Severiano Ballesteros einen schweren Rückfall und verstarb am nächsten Tag. Beim Ryder Cup 2012 ehrte ihn Kapitän José-Maria Olazábal, indem er die Silhouette der Golflegende auf die Kleidung und Golftaschen des Teams aufbringen ließ. Nach dem unglaublichen Comeback der Europäer glaubten viele Golf-Fans deshalb, dass der Geist des Golfstars hier seine Finger im Spiel hatte. © GOLF TIME Verlag GmbH


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