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Bereit für den Wechsel? 30.12.2018

Die Golfclubs sollten für echten Nachwuchs sorgen
Die Golfclubs sollten für echten Nachwuchs sorgen
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Die neue Gemengelage bedeutet für viele Clubs, die jahrelang weitestgehend sorgenfrei in romantischer Abgeschiedenheit dahindämmern durften, ein jähes und unangenehmes Erwachen.


Götz Schmiedehausen

Zum Jahresende befinden sich die Menschen in Wechsellaune. Egal ob Autoversicherung oder Lebensabschnittsgefährte, ein herbstlicher „Wind of Change“ kühlt die vom Dauersommer überhitzten Köpfe auf Betriebstemperatur und das große Grübeln über die Optimierung der eigenen Lebenssituation beginnt. 

Auch die Golfclubmitgliedschaft, einst heiliger als der Bund der Ehe, bleibt heutzutage nicht mehr verschont. Denn auf dem Golfmarkt buhlen viele Clubs um neue Mitglieder und überschlagen sich mit preisgünstigen Angeboten. Vor allem in den Achtziger- und Neunzigerjahren entstanden in ländlichen Gegenden Golfanlagen, die nicht selten von hoch motivierten Enthusiasten ohne viel Federlesen in die Botanik gefräst wurden.

Oft befinden sich diese Clubs in einer halbwegs vertretbaren Erreichbarkeit zu den Qualitäts- und natürlich auch Preismarktführern einer Metropolregion. Früher klaffte die Preisschere zwischen diesen Wald- und Wiesenclubs und einer Top-Adresse klar und deutlich auseinander. Und wem Golf auf einer Anlage in perfekter Lage, mit kostenintensiven Qualitätsstandards und dem entsprechend gut situierten Klientel zu teuer war, der orientierte sich eben in Richtung offenes Gelände. 

Gefangen im zeitfressenden Bermuda-Zeitalter

Heute jedoch hat sich ein deutlich sichtbarer Wandel in der deutschen Golflandschaft vollzogen. Viele der Mitglieder von damals fallen sukzessive der natürlichen Auslese zum Opfer, während der Neugolfer im 21. Jahrhundert häufig noch in seinen Vierzigern oder Fünfzigern im zeitfressenden Bermuda-Dreieck „Familie, Job und gesellschaftliches Leben“ gefangen ist.

Auch viele renommierte Platzhirsche plagen deshalb Nachwuchssorgen und sie sind gezwungen, radikal umzudenken. Diese meist von Betreibergesellschaften geführten Anlagen erkannten schon vor geraumer Zeit, dass ein Golfclub kein Schützenverein ist, sondern vielmehr ein Wirtschaftsunternehmen, welches ein professionelles Management benötigt. Über Nacht wichen unbequeme Einstiegshürden wie Aufnahmegebühren und langfristig bindende Verträge zugunsten von maximaler Flexibilität wie Monatsbeiträge und jährliches Kündigungsrecht.

Vier Faktoren sind entscheidend

Vier Faktoren halten einen Golfer in seinem Club bzw. sorgen für einen Clubwechsel. Neben dem Preis spielt natürlich die Qualität der Anlage eine Hauptrolle. Hinsichtlich der landflüchtigen Golfer aus den Vorstadtvereinen, die nun nicht länger das Monopol auf das Totschlagargument „Preis“ besitzen, gibt nicht selten die individuelle Anfahrtszeit zum Golfclub den Ausschlag. 

Wer früher bereitwillig eine halbe Stunde länger im Auto saß, um kostengünstig Golf spielen zu können, genießt plötzlich die kurzen Wege zum ersten Abschlag. Wäre da noch die soziale Komponente. Diese ist nicht zu unterschätzen, jedoch muss man schon gewichtige Golffreundschaften in seinem Stammclub pflegen, um die drei für einen Clubwechsel sprechenden Argumente aufzuwiegen.

Die neue Gemengelage bedeutet für viele Clubs, die jahrelang weitestgehend sorgenfrei in romantischer Abgeschiedenheit dahindämmern durften, ein jähes und unangenehmes Erwachen. Anstatt jedoch den in Scharen abwandernden Mitgliedern nachzuweinen und die neue Konkurrenz zu verfluchen, sollten diese Clubs die neue Situation als Chance begreifen und sich des gewaltigen Heeres der golfenden Sparbrenner bewusst werden, die seit Jahr und Tag ohne echte Clubbindung durchs Golfuniversum sausen, weil ihnen eine echte Mitgliedschaft bislang zu teuer war. 

"Golf-Zigeuner" einfangen

Mit Pay & Play, Monatsmitgliedschaften oder Clubpartnerschaften sollte es möglich sein, diese "Golf- Zigeuner" einzufangen und somit für den dringend benötigten echten Nachwuchs zu sorgen. Heutzutage gibt es für einen Golfer, der mehr als zehn Runden im Jahr spielt, kaum noch Argumente, nicht Teil des Systems zu werden, welches das Überleben aller Golfanlagen sichert. 

Nur so wird es nicht zum großen Golfclubsterben kommen. Denn mit schwindendem Golfangebot bei gleicher Golferzahl wird sich das Rad sukzessive zurückdrehen, weil die verbliebenen Clubs nicht unbegrenzt herrenlose Golfer aufnehmen können. Dann werden wieder Vokabeln wie „Warteliste“ und „Aufnahmegebühr“ aus der Mottenkiste geholt und Golf wird weiter vom „Volkssport“ entfernt sein als je zuvor.


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