golf time 42020
Coverstory: PHIL MICKELSON DER STRAHLEMANN
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Team USA holt den Cup 02.10.2016

Da ist das Ding: Team USA mit dem Ryder Cup
Kapitän Davis Love III
Shhhhhh: Patrick Reed
Rickie Fowler in Sekt-Ekstase
Phil Mickelson spritzt den Schampus auf ...
... die Fans, die sich ...
... zahlreich versammelt haben, um ihr Team zu feiern
Enttäuscht: Das Team Europa
Siegerjubel: Phil Mickelson hüpft in die Luft
Brooks Koepka ballt die Faust
Einer der Verlierer dieses 41. Ryder Cups: Lee Westwood
Und ein Gewinner, auch wenn er nicht dem Siegerteam angehört: Rafa Cabrera-Bello (links)
Rickie Fowler (hinten) und Justin Rose (vorne)
Muss sich nach einem Weltklasse-Duell Patrick Reed geschlagen geben: Rory McIlroy
Jordan Spieth barfuß im Wasserhindernis
Riesenjubel: Patrick Reed
Thomas Pieters gewinnt sein Match gegen J.B. Holmes
Brandt Snedeker siegt gegen Andy Sullivan
Reed und McIlroy: Episches Duell
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Hazeltine, Minnesota – Sie haben es endlich geschafft: Nach acht langen Jahren gewinnen die besten U.S.-amerikanischen Golfer wieder den Ryder Cup. Am dritten Turniertag behalten Patrick Reed, Rickie Fowler und Co. einen kühlen Kopf, entscheiden sieben der zwölf Finalduelle für sich und siegen letztlich deutlich mit 17 zu 11.
Die Vorzeichen waren klar: Die besten Golfer der Vereinigten Staaten führen vor dem Finaltag des 41. Ryder Cups mit 9 1/2 zu 6 1/2 gegen Team Europa. Ein komfortables Polster vor den finalen Singlematches. Doch die U.S.-Spieler haben im Hazeltine National Golf Club dennoch Druck. Den Druck, beim Heimspiel die lange währende Drurststrecke seit dem letzten Sieg zu beenden.

Dieses Vorhaben gelingt Team USA – und wie. Hochkonzentriert treten sie an und werden von den heimischen Fans an jedem Loch frenetischen gefeiert. Die Stimmung schlägt schnell auf die Akteure auf dem Platz über: Patrick Reed, Phil Mickelson und Brandt Snedeker ballen nach jedem guten Schlag die Faust, schreien ihre Freude und das aufgestaute Adrenalin heraus und stacheln das Publikum damit zu Höchstleistungen an. Davon gibt es auch in den Matches sehr viele zu sehen.

Patrick Reed vs. Rory McIlroy: 1auf für Reed

Im ersten Singlematch stehen sich die Nummer acht und die Nummer drei der Golfwelt gegenüber. Von Beginn an entwickelt sich zwischen Patrick Reed und Rory McIlroy ein emotionales Duell auf Augenhöhe. Beide Spieler zeigen, dass sie ihr Team im ersten Finalmatch gut starten lassen möchten. Als nur eines von unzähligen Beispielen sei an dieser Stelle das Grün-Duell der beiden auf dem siebten Loch beschrieben: McIlroy hat nach einer eher mäßigen Annäherung einen 30-Meter-Putt vor sich. Keineswegs eine gute Birdiechance. Reeds Ball liegt rund sechs Meter vom Loch entfernt an der Grünkante und damit ebenfalls alles andere als zwingend. Doch die beiden Kontrahenten zeigen, warum der Ryder Cup das emotionalste, speziellste und magischste Event ist, was es im Profigolf gibt: Zunächst locht McIlroy seinen Megaputt – inklusive Break in der Mitte der Puttdistanz – ein. Sein Jubel bricht anschließend die Dezibelmauer, die die U.S.-Fans zuvor bereits errichtet hatten. Danach puttet Reed seinen Ball ebenfalls zum Birdie ein und während McIlroy sich abwendet und zum nächsten Abschlag geht, feiert sich der U.S.-Amerikaner selbst und heizt die Stimmung weiter an. In dieser Manier verläuft das gesamte Match. Schon nach acht Bahnen liegen beide Spieler bei fünf unter Par. Wow. Am Ende entscheidet ein einziger kleiner Durchhänger von McIlroy die Partie. Auf Loch zwölf leistet sich der Nordire ein Bogey, während Reed das Par spielt. Diese Ein-Loch-Führung reicht für den ersten Punkt am Finaltag für die USA.

Jordan Spieth vs. Henrik Stenson: 3&2 für Stenson

Das zweite Match verläuft ähnlich spannend, wie die erste Partie des Tages, findet dann jedoch einen relativ klaren Sieger. Jordan Spieth zeigt gegen den Open-Champion Henrik Stenson eine beherzte Leistung. Immer wieder gelingt es dem 23-Jährigen, seinen Ball mit Weltklasse-Wedge-Schlägen nah die Fahne zu spielen. Doch das reicht zu selten, um Lochgewinne zu erzielen. Denn sein Gegner heißt nicht umsonst "Iceman". Henrik Stenson bestätigt seine Nominierung als einer der sechs besten Europäer bei diesem 41. Ryder Cup, die Kapitän Darren Clarke in den Singles vorneweg spielen lässt. Immer wieder kontert er die starken Annäherungen von Spieth mit ebenso famosen Wedge-Schlägen oder beweist seine Nervenstärke bei schwierigen Putts die fallen. So gewinnt der Schwede schließlich sechs Löcher, Spieth hat bei dreien die Nase vorn. Nach 16 Bahnen ist damit Schluss und der erste Punkt für Team Europa auf der Anzeigetafel.

J.B. Holmes vs. Thomas Pieters: 3&2 für Pieters

Im Duell Holmes gegen Pieters stehen sich zwei Spieler gegenüber, die vor diesem Ryder Cup als die beiden unscheinbarsten in den jeweiligen Teams galten. Pieters, der ruhige, lang aufgeschossene Belgier, der nur selten Emotionen zeigt, spielt sich an diesen Tagen in Chaska, Minnesota, jedoch in die Herzen vieler Fans des Europäischen Teams. Denn er lässt sein oftmals lethargisch wirkendes Verhalten den puren Emotionen weichen und spielt sich so in einen Siegesrausch. An der Seite von Rory McIlroy erwacht aus dem 24-Jährigen ein Ryder Cup-Held, an dem das Team Europa noch viele Jahre Freude haben wird. Das Selbstvertrauen nach den drei Siegen in den Foursomes und Fourballs am Freitag und Samstag ist bei Pieters so angewachsen, dass er J.B. Holmes im Einzelmatch ebenfalls niederringt. In einem offenen Schlagabtausch, wie es im Boxen so schön formuliert heißt, geht es immer wieder hin und her. Von den 16 gespielten Bahnen teilen sich Holmes und Pieters lediglich fünf. Sieben Löcher gewinnt der Belgier, vier der Amerikaner. Am Ende heißt es auch hier 3&2 und der nächste Punkt für Europa ist gemacht.

Rickie Fowler vs. Justin Rose: 1auf für Fowler

Der U.S.-Sonnyboy gegen den Olympiasieger von Rio. Auch das Match von Rickie Fowler gegen Justin Rose hatte im Vorfeld einiges versprochen. Das hielten die beiden Akteure auch: Bis auf fünf Löcher teilen sie jede Bahn. Besonders beeindruckend sind Fowlers sensationelle Wedge-Schläge, mit denen er immer wieder Rose' starke Annäherungen auskontert. Zudem locht der U.S.-Amerikaner sehr viele schwere Putts. Weil sich auch Rose keine Blöße gibt und auf höchstem Niveau spielt, heißt es am Ende knapp 1auf für Fowler. Schade, die Teilung wäre verdient gewesen.

Jimmy Walker vs. Rafa Cabrera Bello: 3&2 für Cabrera-Bello

Wie eine Maschine geht Ryder Cup-Rookie Rafa Cabrera-Bello im Single gegen Jimmy Walker seinen Weg. Und der ist abermals sehr erfolgreich. Der 32-jährige Spanier holt sich auf den Löchern drei und vier die ersten beiden Pluszähler. Zum Turn nach neun Bahnen liegt er dann bereits drei Löcher in Führung. Doch Walker gibt sich noch nicht geschlagen: Er kontert auf den Bahnen zehn und zwölf mit Birdies zum jeweiligen Lochgewinn und kämpft sich auf 1unter heran. Die Antwort von Maschine Cabrera-Bello folgt prompt: Birdie auf der 13, Par auf der 16 (Walker spielt Bogey) und das Spiel ist entschieden. 3&2 für Cabrera-Bello.

Phil Mickelson vs. Sergio Garcia: Geteiltes Match

Im Duell der Erfahrenen gibt es am Ende keinen Sieger. Und wenn man ehrlich ist, hatte diese Match auch keinen verdient. Zu ausgeglichen und vor allem spannend verläuft die Partie zwischen Mickelson und Garcia. Die beiden langjährigen PGA Tour-Rivalen liefern sich ein Weltklasse-Match und zeigen, wie wichtig sie für ihr Team sind. Das Match im Spielfilm: Lochgewinn Garcia auf der Eins, Punkt Mickelson auf Drei und Vier. Konter Garcia auf Bahn sechs, erneute Führung Mickelson nach der Sieben. Garcia holt die Löcher zehn und elf, Mickelson schlägt auf zwölf und 14 zurück und geht abermals in Führung. Den knappen Vorsprung für Mickelson egalisiert Garcia mit dem späten Lochgewinn auf Bahn 16. Die 17 und 18 teilen sich beide, ebenso wie das Match.

Ryan Moore vs. Lee Westwood: 1auf für Moore

Lee Westwood erlebt im Duell mit Ryan Moore ein bitteres Spiegelbild der gesamten Ryder Cup-Turnierwoche. Der Engländer startet stark in die Partie, gewinnt gleich das erste Loch. Doch Moore kommt zurück, holt sich die Löcher drei und fünf. Zum Turn gleich Westwood wieder aus. Als der Captains 's Pick von Darren Clarke dann die Bahnen 14 und 15 für sich entscheidet, sieht alles nach dem nächsten Punkt für Team Europa aus. "Nicht mit mir", mag sich der ebenfalls mit einer Wild Card ins Turnier gekommene U.S.-Amerikaner gedacht haben. Moore gewinnt die letzten drei Bahnen des Duells und zieht auf der Zielgeraden am Routinier vorbei. 1auf heißt es am Ende.

Brandt Snedeker vs. Andy Sullivan: 3&1 für Snedeker

Enttäuschend aus europäischer Sicht verläuft auch das Spiel zwischen Brandt Snedeker und Andy Sullivan. Zwar beginnt Sullivan stark, sichert sich die Löcher eins und drei. Allerdings ist Snedeker ein äußerst erfahrener Spieler, der sich vor allem durch das Publikum zu Höchstleistungen anspornen lässt. Der U.S.-Amerikaner schlägt auf den Löchern vier und fünf zurück und geht nach den Lochgewinnen auf der Sieben und Acht mit 2auf in Führung. Sullivan kontert nochmals auf Bahn neun, doch nach weiteren Snedeker-Erfolgen auf den Löchern zwölf und 17 ist der nächste Punkt für Team USA notiert.

Dustin Johnson vs. Chris Wood: 1auf für Johnson

Vom Papier her ist die Partie Dustin Johnson gegen Chris Wood eine klare Angeleigenheit. Immerhin ist Johnson die Nummer zwei der Welt, Wood die 32. Wer jedoch glaubt, dass die Weltranglistenposition nur den geringsten Einfluss auf Spielergebnisse beim Match Play und insbesondere beim Ryder Cup hat, liegt daneben. Im Gegenteil: Oftmals sind es gerade die vermeintlichen Underdogs, die die Favoriten stürzen und damit wichtige Zähler für ihre Mannschaft holen. Diesen Beispielen eifert Chris Wood in seinem Single gegen Johnson nach. Bis zum letzten Loch liefert er dem U.S. Open-Sieger einen großen Kampf. Erst nachdem beide Spieler auf der 18 zum Par eingelocht haben, steht Johnsons knapper 1auf-Erfolg fest. Es ist der nächste Punkt für die USA.

Brooks Koepka vs. Danny Willett: 5&4 für Koepka

Das Match zwischen Brooks Koepka und Danny Willett fällt ebenfalls in die Kategorie Underdog gegen vermeintlichen Favoriten. Willett ist schließlich der amtierende Masters-Champion und kann daher die Favoritenrolle in diesem Duell nicht verleugnen. Er kommt damit jedoch nicht so gut zurecht wie Dustin Johnson im Match gegen Chris Wood. Besser gesagt: Willett geht gegen Koepka regelrecht unter. Einen Lochgewinn (auf Bahn zwei) gesteht Koepka Willett zu, danach übernimmt der 26-Jährige U.S.-Boy das Kommando. Sechs Lochgewinne später steht der haushohe 5&4-Erfolg für Koepka fest.

Matt Kuchar vs. Martin Kaymer: 1auf für Kaymer

Wenn es vom Finaltag des 41. Ryder Cups eine positive Nachricht für Team Europa gibt, dann die, dass auch Martin Kaymer noch eine Punkt zum Endergebnis 17 zu 11 beigetragen hat. Der Mettmanner war an den zwei vorigen Turniertagen so etwas wie der Pechvogel im Europäischen Team: In keinem seiner drei Matches konnte er einen Punkt erzielen. Bitter für den Captain's Pick. Erst als der Sieg der U.S.-Amerikaner schon feststeht, gelingt Kaymer nun doch noch ein Punktgewinn. Nachdem er gegen Matt Kuchar schon 3unter liegt, kämpft er sich zurück und gewinnt am Ende mit 1auf. Leider holt er in Summer zu wenig Punkte, um sein Team noch entscheidend nach vorne zu bringen.

Zach Johnson vs. Matthew Fitzpatrick: 4&3 für Johnson

Das letzte Match des Finaltages ist wohl das mit der klarsten Prognose: Der Ryder Cup-Routinier und zweimalige Major-Sieger Zach Johnson gegen den jüngsten Spieler im Team Europa, Ryder Cup-Rookie Matt Fitzpatrick. Der junge Engländer bleibt letztlich nahezu chancenlos gegen Johnson, der nicht erst durch diesen deutlichen 4&3-Erfolg beweist, dass er bei Ryder Cups ein sicherer Punktelieferant für sein Team ist.


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