72019
Coverstory: Caroline Masson POWER GIRL
Newsletter-Abo

Bleiben Sie am Ball: Abonnieren Sie unseren, zweimal pro Woche erscheinenden, Newsletter.

Entspannt geht's besser 15.05.2014

Danny Willett
Spaß an der Freude: Danny Willett
0
Physikalische Elemente sind am Werk. Wehe, wir arbeiten dagegen! Häufig "passieren" uns die besten Schläge, wenn wir ohne viel zu denken locker schwingen. Das ist kein Zufall, denn bewusster Krafteinsatz kann hemmen. 

Das wird verständlich, wenn man weiß, wodurch hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit entsteht. Physikalische Effekte sind am Werk und bewirken mehr als wir mit all unserer Kraft erreichen können. Der Bewegungsablauf lässt sich verkürzt so beschreiben: Der Schläger wirkt wie ein Pendel und ist in unseren Händen gelagert.

Unsere Hände bewegen sich annähernd auf einer Kreisbahn und dadurch entsteht für den Schläger eine Zentrifugalkraft. Diese führt zur Pendelbewegung des Schlägers in unseren Händen und so addieren sich die Geschwindigkeit der Hände und die des "pendelnden" Schlägerkopfes. Es ist daher oberstes Gebot, dass unsere Handgelenke die Bewegung des Schlägers zulassen.

Keinen Einfluss auf Schläger

Zurück zum Anfang dieses Artikels. "Häufig passieren uns die besten Schläge, wenn wir locker schwingen." Dahinter verbirgt sich, dass wir uns einfach möglichst frei bewegt haben und auf den Schläger keinen Einfluss nehmen wollten. Dabei war meistens der Griff locker und wir haben uns nicht übermäßig angestrengt. Es gehört jedoch "Mut" dazu, denn anscheinend geben wir Kontrolle ab. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass häufig auch Anleitungen zum Golfschwung nachteilige Auswirkungen haben. 

Wie soll man einen Schläger locker halten, wenn davor minutenlang am Griff manipuliert wurde? Wie soll man sich locker bewegen, wenn der Kopf ruhig bleiben muss? Unsere Beweglichkeit ist altersgemäß eingeschränkt, und daher kann unser Schwung nicht aussehen wie der eines jungen Single-Handicappers. Auch wird uns häufig eingeredet, dass die Füße senkrecht zur Schlagrichtung ausgerichtet sein müssen und wir im Rückschwung Spannung aufbauen müssen. Das sind jedoch alles Einschränkungen, die eine fließende Bewegung hemmen.

Anweisungen über Bord werfen

Wir möchten Spaß haben, den Schwung spüren und nicht mit unseren Füßen einzementiert dastehen. Somit sollte der etwas "reifere Golfer" derartige Anweisungen über Bord werfen. Wir müssen mit dem uns möglichen Bewegungsausmaß eine freie lockere Bewegung durchführen. Es besteht ja auch die Möglichkeit, sich mit dem ganzen Körper gegenüber dem Boden zu bewegen, und es macht Sinn, auch einmal Bälle mit übertrieben viel Körperbewegung zu schlagen. Man spürt dabei vieles intensiver und kann später diese Erfahrungen nutzen.

Wir kommen somit auf spielerische Übungen zurück, die beim Kindertraining selbstverständlich sind, aber die eigenartig wirken, wenn wir Erwachsene es machen. Golfbälle schlagen mit Anlauf, tanzende Bewegungen mit dem Schläger – alles tun, was uns frei macht und uns die Schwungelemente des Golfschwunges spüren lässt. Wir lernen, indem wir Übertreibungen zulassen. Einmal den Körper sehr weit drehen, ein anderes Mal möglichst ruhig stehen bleiben. Mit sehr festem Griff schwingen, oder den Schläger nur leicht in den Fingern halten.

Zeit geben für Selbstversuche

Die Unterschiede, die wir spüren, ermöglichen uns später den Schwung zu optimieren. Aber leider müssen wir uns für derartige Selbstversuche genug Zeit geben, denn es dauert lange, bis wir die notwendigen koordinativen Fähigkeiten erlangen. Wie ein typischer zielstrebiger Erwachsener zu agieren und nur das zu trainieren, was uns als Optimum beschrieben wird, ist langfristig gesehen ein Nachteil.

Aus diesem Grund sollten wir uns ein "heimliches" Trainingsprogramm verordnen. Es beginnt damit, dass wir niemals in einer Golfstunde den Griff üben. Das führt zu Verkrampfungen. Das machen wir zu Hause oder wenn wir keine Bälle schlagen. Weiters schwingen wir frei und ungezwungen unseren Schläger, nicht mit der Absicht, einen Ball zu treffen, einfach nur um zu spüren, wie sich der Schläger verhält. Es ist auch eine gute Übung zu schwingen, und sich dabei ständig im Spiegel zu beobachten. Man erkennt sofort, wenn Bewegungen unrund aussehen, und man ist nicht auf den Boden oder auf den Ball konzentriert. 

Das Fühlen fühlen

Um diese Übungen wirksam werden zu lassen, müssen wir sie häufig und ausgiebig durchführen. Das geht im Garten, im Wald und mit einer guten Versicherung auch im Wohnzimmer. Es dauert einige Zeit, bis sich das "Fühlen" des Schlägers und der Bewegungen einstellt. Haben wir das erlernt, können wir es im Golfschwung effizient einsetzen.

Mit diesen Voraussetzungen kann dann der Golfschwung neu gestaltet werden. Alle unnötigen Bewegungen werden wieder weggelassen – und plötzlich sieht der früher verkrampfte Schwung elegant und frei aus. Die Schlagweiten vergrößern sich, und wir wissen nicht weshalb. Wir haben einfach gelernt, mit dem schwingenden Schläger besser umzugehen.

Dr. Christain Haid ist Biomechaniker an der Universitätsklinik Innsbruck


Artikel zu diesem Thema:
Kommentare 0 Bitte registrieren (erstmalig) Sie sich bzw. loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu schreiben
AUCH VON INTERESSE