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Was Sie von Tiger lernen können 07.05.2018

Tiger Woods
Seziert: Tiger Woods'
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Master PGA Professional Luther Blacklock erklärt, wie auch Ihr Spiel von Tigers Schwungveränderungen profitieren kann.


Um Tigers Comeback verstehen zu können, müssen Sie Tigers Geschichte kennen. Während seiner zehn Jahre mit Butch Harmon spielte er mit einigen Schwungfehlern, darunter eine geschlossene Schlagfläche beim Take-away, ein gebeugtes linkes Handgelenk auf dem Höhepunkt des Schwungs und ein Verschieben der Schwungebene im Durchschwung. Letztere führte dazu, dass er sein linkes Bein im Treffmoment blitzartig aus dem Weg räumen musste. Diese Bewegungen schädigten Woods Körper nachhaltig. 

Die Änderungen, die Hank Haney zwischen 2004 und 2010 vornahm, waren letztlich eine Katastrophe. Er lehrte Tiger, den Schläger auf nur einer Ebene zurückzunehmen, um dann das linke Handgelenk auf dem Höhepunkt des Rückschwungs zu rollen und zu beugen. Dieses Bewegungsmuster erzeugte zahlreiche kaum berechenbare Schläge und führte letztlich zu einem Verlust von Tigers Selbstbewusstsein. Während Sean Foley den Schaden nicht beheben konnte, erkannte Chris Como die biomechanischen Fehler in Tigers Schwung. Das dorsal gebeugte linke Handgelenk ist genauso Geschichte wie der linke Oberarm, der sich vom Oberkörper löst. Tigers Schwung ist nun konventioneller und weniger körperverletzend.

1. Perfekte Haltung


Tigers Ansprechposition ist lehrbuchhaft. In der Vergangenheit ließ sein Set-up oft eine klare Definition vermissen und er stand zu aufrecht beim Ansprechen. Hier lehnt er sich ein wenig mehr aus den Hüften nach vorne und sein Oberkörper ist etwas geneigt. Der Winkel von seinem Kopf bis zum Steißbein ist neutral, er hat eine perfekte Kniebeugung und sein Gewicht ist auf den Füßen zentriert.

Das Gewicht zentrieren

Früher legte Tiger in der Ansprechposition zu viel Gewicht auf seine Fußballen. Diesen Fehler hat er korrigiert. Nun steht er perfekt ausbalanciert am Ball und läuft somit weniger Gefahr, im Durchschwung die Schwungebene zu verlassen

Wie man das perfekte Set-Up findet 

Da man mit dem Driver aufrechter und weiter vom Ball weg steht, ist der Hintern höher und man muss sich nur wenig aus der Hüfte nach vorne lehnen, um den Schläger zu greifen. Der Ball befindet sich etwas innerhalb des linken Fußes und der Schaft verläuft exakt vertikal.

Den linken Daumen verstecken

Der linke Daumen ist ein Eckpfeiler dieser Technik. Die Spitze sollte nicht weiter gestreckt sein als bis zum Ansatz des ersten Fingergliedes des Zeigefingers. Wenn er zu weit hervorragt, kommt er dem Handgelenk in die Quere.


2. Schlägerkopf außerhalb der Hände


Chris Como ließ Tiger den Schlägerkopf außerhalb der Handlinie zurücknehmen, während Haney das Gegenteil lehrte. Tigers linke Schulter löst den Rückschwung aus. Im Zusammenspiel mit seiner verbesserten Ansprechposition ist es ihm nun möglich, die ganze Breite seines Take-aways beizubehalten und auf der optimalen biomechanischen Ebene zu schwingen. 

Die ganze Breite des Take-aways bewahren 

Sehen Sie, wie weit Tigers linker Arm gestreckt ist und wie sich sein rechter Ellen­bogen nun beugen muss? Ein unverkennbares Anzeichen dafür, dass seine linke Schulter den Schwung ein­geleitet hat.

Viereckübung zur Powerwindung

Diese Übung vermittelt das Gefühl einer kraft­geladenen Windung. Rotieren Sie den linken Unterarm um 90 Grad und drehen Sie den rechten Arm, damit die Handfläche nach vorne zeigt. Legen Sie die Hände an Griff und Schaft, sodass 
die Arme ein Dreieck bilden.

Halten Sie das Viereck

Der Trick besteht darin, das Viereck zu erhalten. Drehen Sie die linke Schulter unter Ihr Kinn an den Hals. Halten Sie die Knie konstant gebeugt. So spannen Sie ein riesiges Katapult.


3. Kontrolliert auf der Ebene 


Das ist die größte und wichtigste Ver­änderung an Tigers Schwung. Vor einem Jahr war der linke Arm noch zu steil am Höhepunkt des Rückschwungs. Jetzt hat er eine perfekte Ebene gefunden und er muss nicht länger sein Handgelenk exzessiv
verbiegen. Wenn man eine Linie vom Ende des Schlägers zum Ball zeichnen würde, ginge diese genau durch Tigers Brustbein. Wenn der Körper auf der richtigen Ebene rotiert, laden sich die Schultern und die Handgelenke ganz automatisch auf.


Die linke Schulter kontrolliert den Schwung 

Wenn die linke Schulter richtig arbeitet, machen viele andere bewegliche Teile ganz automatisch das, was sie sollen. Hier schiebt sie sich perfekt an Tigers Hals.

Um den kleinen Finger gewickelt  

Stehen Sie aufrecht und halten Sie den Schläger vorIhr Brustbein. Drehen Sie die Handgelenke, sodass der Schläger vertikal steht. Strecken Sie den rechten kleinen Finger aus. Um diese Achse dreht sich alles!

Tigers Handgelenk-Aktion

Drehen Sie den Schläger um 90 Grad nach rechts, parallel zum Boden, und drehen Sie ihn zurück nach links. Halten Sie den kleinen Finger so weit möglich in der gleichen Position. Bewegen Sie den Schläger in der Ebene von rechts nach links.

4. Kniebeugung im Treffmoment beibehalten

Da Tiger einen viel ausbalancierteren Schwung kultiviert hat, muss er im Treffmoment nicht mehr so extrem nach dem Ball springen wie früher. Er bewegt die Hüfte auch nicht mehr so blitzartig wie damals, als er noch jung, gesund und voll beweglich war. Zu seinen besten Zeiten brachte er seine Hüfte 50 Prozent (!) schneller aus dem Weg als jeder andere Spieler auf der Tour. Heute ist es viel einfacher für ihn, die Arme, die Hüfte und den Oberkörper zu synchronisieren, da er nicht mehr zu so wilden Bewegungen neigt.

Das linke Knie gebeugt lassen 

Tigers Knie schnappte im Treffmoment und das Bein wurde blitzartig gestreckt. Das brachte ihm Siege, aber auch ein kaputtes Knie ein. Heute kann er das Knie viel länger gebeugt lassen und somit die alten Verletzungen schonen.

Knieübung mit Elastik 

Meine Lieblingsübung ist der Schlagmit sich berührenden Knien. Sie dürfen sich aufgrund der Drehbewegung des Torsos etwas mitbewegen, aber nie trennen. Wenn Ihre Handgelenke nicht korrekt bewegt werden, werden Sie das Gleichgewicht verlieren.

Zurückklappen im Finish

Wenn Sie die Handgelenke im vollen Finish nicht zurückklappen, werden die Schultern übermächtig und Sie verlieren die Balance. Wenn Sie diese Übung verinnerlicht haben, werden Sie sich fragen, warum Sie nicht schon immer so spielen.


5. Streckung im Treffmoment

 

Tigers Durchschwung bis ins Finish wirkt im Vergleich zu seiner Bewegung vor ca. zehn Jahren etwas eingeschränkt. Doch auf der positiven Seite muss gesagt werden, dass alles viel kontrollierter wirkt. Da sein Schwung viel mehr biomechanischen Prinzipien folgt, kann er den Wirbelsäulenwinkel im Durchschwung und im Treffmoment viel länger konstant halten. Wie man oben sehen kann, gibt es auch nicht zu wenig Hüftdrehung.

Die Körperdrehung ist die Triebfederdes Schwungs 

Wenn man älter wird und die Beweglichkeit abnimmt, ist es wichtig, den Schwung gut zu „ölen“ – entscheidend ist eine freie Rotation des Oberkörpers. Das ist das ganze Geheimnis, um im Alter nicht Länge einzubüßen

Schläger und Unterarme loslassen

Ist die Schulterdrehungkomplett, muss man daran denken,dass Spinzu erzeugen kein Automatismus ist. Wenn der Schlägerkopf und die Unterarme nicht losgelassen werden (Release), bleibt der Ball rechts und die Schultern dominieren den Schwung.

Tigers Draw mit dem Driver 

Während der linke Arm eine relativ gerade Linie im Rückschwung bildet, sollte der rechte Ellenbogen relativ soft bleiben. Dies erlaubt eine komplette und kraftvolle Schulterdrehung.


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