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Strategie überdenken 08.09.2017

Ernie Els
Eleganter, rhythmischer Schwung: Ernie Els
Dr. Christian Haid
Dr. Christian Haid
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Es geht auch belastungsarm und elegant: In uns sind Bewegungsmuster programmiert, die dazu dienen, einen Gegner niederzuschlagen, aber nicht, um einen Golfball zu schlagen.


Dr. Christian Haid ist Biomechaniker und leitet die Golfschule www.healthy-swing.at

Die meisten Golfer versuchen nach der Platzreife, ihren Schwung eigenständig zu verbessern. Manche nehmen mit mehr oder weniger Erfolg Golfstunden und viele glauben nach eifrigem Bemühen, dass sie es halt nicht besser können. Man hört Ausreden wie „ich hab es nicht als Kind gelernt“ und letzthin hörte ich den „aufmunternden Hinweis“: „Schauen Sie einmal auf Ihre Geburtsurkunde.“ In Wirklichkeit schöpfen die meisten ihr Potenzial nicht aus und bekommen oft auch unzureichende Hinweise.  

Es liegt nicht immer nur an falschen Anleitungen, wenn unser Golfschwung nicht besser wird. In uns sind Bewegungsmuster programmiert, die dazu dienen, einen Gegner niederzuschlagen, aber nicht unbedingt, um einen Golfball auf eine schöne Flugbahn zu schicken. Somit müssen wir unsere Bewegungsstrategie überdenken.

Was ist nun eigentlich das Problem? 

Der Golfschwung ist nicht so wahnsinnig schwierig. Wir stehen auf beiden Beinen, müssen keinen Handstand beherrschen und schwingen die Arme, während wir unseren Körper drehen. Das machen wir auch ganz ordentlich, jedenfalls solange kein Ball vor uns liegt. Kaum sprechen wir den Ball an, brechen Urinstinkte in uns durch. Wir schlagen zu. Allen Anleitungen des Golflehrers zum Trotz ignorieren wir Eleganz und Rhythmus. Wir sehen den Ball und alle guten Vorsätze sind gelöscht. Wir können auch nicht einfach wegschauen, denn es wurde uns eingetrichtert, den Ball anzuschauen. Dabei bleibt der Ball am selben Ort, auch wenn wir nicht hinschauen. Am besten, wir hinterfagen derartige Anleitungen nicht. 

Unter obigen Gesichtspunkten analysiere ich, weshalb immer mehr Golfer zu mir finden. Es gibt wohl zwei Hauptgründe: Golfer, die wirklich Probleme mit der Wirbelsäule haben, vertrauen auf angeleitete Bewegungsmuster eines Biomechanikers, der auf diesem Gebiet geforscht hat. Auch Ärzte schicken Golfer zu mir, wenn sie sicher sein wollen, dass bestimmte Belastungen nicht entstehen. Der zweite Grund, den Weg zu Healthy-Swing.at zu gehen ist, wenn mit der Zeit jene Golfer, die ursprünglich wegen Schmerzen Golf schon aufhören wollten, besser spielen und weiter schlagen als ihre gesunden Flightpartner. Dann wird die Mundpropaganda wirksam und plötzlich gilt nicht nur „Krankheit als Weg“, sondern, warum sich quälen, wenn es einfach auch geht. 

Was ist nun anders?

Man kann den Golfschwung in viele Einzelschritte zerlegen und versuchen, dieses komplizierte Zusammenspiel an Bewegungen anzuleiten. Die andere Möglichkeit ist, sich zu überlegen, welche Grundbewegung dominant ist und wie man diese verstärken kann. Somit ergeben sich in meinem Unterricht Anleitungen, die Sie anderswo noch nie gehört haben. Der Golfschwung wird aufgebaut in grundsätzliche Bewegungen, in Bewegungsabfolgen und in effizienten Krafteinsatz. Das kann jeder für sich üben, ohne ständig Anleitungen in Anspruch zu nehmen. Man muss bestimmte Bewegungsmuster automatisieren, bevor man mit weiteren Anleitungen den Schwung verbessert. 

Diese Vorgehensweise ermöglicht viel eigenes Training und bringt mit der Zeit jedem einen Bewegungsablauf, den ich dann tatsächlich als Golfschwung bezeichnen möchte. Es macht wirklich Freude, Golfer zu sehen, die nach langen Jahren der Fehlversuche mit der Zeit einen wirklich schönen Golfschwung entwickeln. Mit all ihren individuellen Eigen­heiten, aber unter Ausnützung der wichtigen physikalischen Effekte und mit bandscheibenschonenden Bewegungsmustern. 


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