22019
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Überspannter Bogen 25.03.2019

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Der „Golfer-Ellenbogen“ - Ein Begriff, der genauso unpräzise ist wie der des „Tennis-Ellenbogen“ – oder wie ein schlechter Golfschwung. 


von Dr. Norbert Dehoust Lehrstellenleiter der deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (MWE), der österr. Arbeitsgemeinschaft für Manuelle Medizin (ÖAMM) und Vertrauter von Bernhard Langer


Was kann man dem von Ellenbogenbeschwerden geplagten Golfer raten, der wegen der Schmerzen teilweise oder ganz auf das Golfspiel verzichten muss? Zuerst einmal ist zu betonen, dass es sich bei dem Ellenbogengelenk um drei Gelenke handelt, die nicht nur die Verbindung und Funktion von Oberarm und Unterarm regeln, sondern auch in komplexer Art und Weise die Handaktivitäten 
unterstützen.

1.) Bewegungsablauf
Eine orientierende Überprüfung der Beweglichkeitsvoraussetzungen jedes der drei Bestandteile des Ellenbogengelenks informiert über das sogenannte „Gelenkspiel“, eine unabdingbare Voraussetzung für den korrekten Bewegungsablauf beim Golfschwung. 

Stellen Sie sich vor, Sie könnten zum Beispiel aufgrund einer degenerativen Veränderung eines der Gelenkanteile Ihres Ellenbogens selbigen nicht mehr ganz strecken, dann könnte es beim Golfen im Treffmoment mit gestrecktem Ellenbogen zu einer mechanischen Überlastung kommen, die entzündliche Reizerscheinungen im Ellenbogen (z. B. im Humeroulnargelenk) provoziert. Eine sinnvolle Therapie, die in der Lage ist, die Beweglichkeitsvoraussetzungen des betroffenen Gelenks wiederherzustellen, wäre die Mobilisationsbehandlung mittels manueller Techniken. Dabei wird der Fokus in der Anwendung der Behandlung auf die Regeneration der Struktur der veränderten Gelenkkapsel gelegt. 


(AUSGANGSSTELLUNG / ENDSTELLUNG)

Es gibt eine einfache Wechselbeziehung zwischen der Form und der Funktion der Gelenke. Verändert sich die Form eines Gelenks bzw. seiner Gelenkkapsel, so verändert sich auch die Funktion. Will man die Streckfunktion verbessern, um mechanische Überlastung zu vermeiden oder die Funktion zu optimieren, muss in unserem Beispiel versucht werden, die Gelenkkapsel durch geeignete Techniken in ihrer Form zu verändern. 

2.) Übertragungsschmerzen
Eine oft unterschätzte Schmerzquelle für Ellenbogenschmerzen beim Golfer ist die Halswirbelsäule sowie das Schultergelenk. Gerade durch die besonderen Anforderungen an die ungehinderte Rotationsfähigkeit der Halswirbelsäule (HWS) beim Golfschwung können HWS-bedingte Probleme sowohl an den äußeren (radialen) als auch an den inneren (ulnaren) Ellenbogen ausstrahlen. Beim Schultergelenk als Ursache für Ellenbogenschmerzen beim Golfer dominieren muskuläre Dysfunktionen, welche durch Beweglichkeitsdefizite des Schultergelenks einerseits und durch Überlastungen andererseits verursacht werden. Einige der Muskeln, die das Schultergelenk oder das Schulterblatt bewegen, provozieren sogenannte „Übertragungsschmerzen“, die als Ellenbogen bedingte Schmerzen missverstanden werden können. 

3.) Überlastung
Da beim Amateur gegenüber dem Golfprofessional deutlich häufiger Ellenbogenbeschwerden auftreten, ist hier auch die Schwungtechnik zu diskutieren. Ein zu hoher Anpressdruck bei der Griffhaltung provoziert eine „Überspannung“ der Unterarmmuskulatur, die an den Ansatzstellen am Ellenbogen zu schmerzhaften Muskel-Sehnen-Knochenansätzen führen kann, bis zu Verletzungen der Sehnenansätze an der Knochen-SehnenÜbergangszone am Ellenbogen. Das Fatale ist bei der Therapie, dass allzu oft mit Kortisoninjektionen an den empfindlichen Stellen gearbeitet wird, die zwar anfangs zur Reduktion der begleitenden Entzündungsreaktion beitragen können und damit zur Schmerzreduktion, allerdings durch ihr Potenzial, den Reparaturstoffwechsel des Gewebes zu behindern, auch zu einer nachhaltigen Strukturläsion der betroffenen Sehnenansätze beitragen können. Dies passiert insbesondere dann, wenn die Golfer zu früh und ohne entsprechende trainingstherapeutische Maßnahmen den Sport in der vermeintlich anfänglichen Beschwerdefreiheit wieder ausüben. 

Eine Schwungtechnik, bei der zu früh kräftige Unterarmaktivität entwickelt wird, kann ebenfalls eine Überlastung der Unterarmmuskelansätze am Ellenbogen bewirken. Die richtige „Therapie“ wäre in diesem Fall eine Verbesserung der Schwungtechnik und eine Toleranzerhöhung der Muskelsehnenansätze mittels eines niedrig intensiven Ausdauertrainings („Plasmatraining“) der Unterarmbeuger und Strecker.

INFO zu individuellen Therapiehinweisen: [email protected]


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