Verwirrender Abstiegskampf 27.10.2017

Marcel Siem
Marcel Siem
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Der Fall Marcel Siem zeigt: Der Kampf um die Tour-Karten auf der European Tour ist kompliziert und undurchsichtig. Die European Tour sollte die Auswertung überdenken.

Marcel Siem war zuletzt nicht gerade gut auf einige deutsche Medienvertreter zu sprechen. Eine Nachricht machte die Runde, die Siem sauer aufstieß. Er hätte die Tour-Karte verloren, behaupteten einige deutsche Fachmedien.

Fakt ist aber: Siem ging als 96. des Race to Dubai in die Woche des Andalucia Valderrama Masters, bereits seit Wochen war aber so gut wie klar: Der 37-Jährige musste trotz der Gefahr, aus den Top 100 des RtD zu rutschen, nicht um die Spielberechtigung bangen.

Backup Access Points List

Er hatte ein Backup. Denn die European Tour führte mit Beginn der Saison die so genannte Access List ein. Dort werden die RtD-Punkte aufgeführt, die ein Spieler bei allen Events außer den hochdotierten (Rolex Series, Masters, PGA Championship, WGC) erspielt hat. Die Top 10 dieser Rangliste erhalten neben den Top 100 eine Spielberechtigung für die European Tour. Spieler, die durch ihre Kategorie nicht an den lukrativen Events, sollte so eine weitere Möglichkeit gegeben werden, die Liga zu halten.

Siem wäre dort weit oben geführt worden, hätte er nicht schon ohnehin als 101. des regulären Race to Dubai zu den Qualifizierten gezählt. Eine solche Konstellation entsteht, wenn Spieler aus den Top 100 zwar genügend Preisgeld bzw. RtD-Punkte gesammelt hat, aber ein anderes Kriterium für die ET-Spielberechtigung nicht erfüllt. Dann rückt der 101. – in diesem Fall also Siem – nach.

Undurchsichtiger Kampf um die Tour-Karte

Das Beispiel zeigt: Der Kampf um den Klassenerhalt auf der European Tour gestaltet sich bisweilen undurchsichtig. Vergangene Spielzeit qualifizierten sich die Top 110 der Saisonwertung. Es gab keine Nebenwertung.

Macht die neue Rangliste Sinn? Folgende Beispiele sprechen dagegen: Bradley Dredge (105. im Race to Dubai) erspielte trotz schlechterer Kategorie zu Saisonbeginn fast 130.000 Euro mehr als Ashun Wu. Auch Florian Fritsch sammelte fast 90.000 Euro mehr als der Chinese. Am Ende erhält Wu, der bei vier Starts bei Rolex-Series-Turnieren den Cut verpasst hatte, dank Access Points die Karte, Dredge und Fritsch gehen leer aus.

U.S. Open hilft Lingmerth

Auch David Lingmerth hat sich seine Tour-Karte als Vierter der Access List gesichert. Der Schwede spielt normalerweise auf der PGA Tour und gibt eher seltener ein Gastspiel auf der European Tour. Lingmerth holte einen dicken Batzen seiner Punkte für die Access Points List durch einen 21. Rang bei der U.S. Open, die trotz Major-Status zu den Punkten gezählt wird. Auch er erspielte deutlich weniger Preisgeld als Dredge, auch er wird mit einer Spielberechtigung belohnt.

Der Großteil der zehn Qualifikanten via Access Points List war regelmäßig auch bei den lukrativen Events der Rolex Series im Einsatz, konnte dort nur weniger Preisgeld sammeln als mancher anderer Spieler, der jetzt ohne Tour-Karte dasteht. Der ursprüngliche Gedanke, Spielern, die aufgrund der Kategorie nicht bei den Rolex-Events sein konnten, zusätzliche Chancen einzuräumen, spiegelt sich nicht in den tatsächlichen Ergebnissen wider.

Rangliste sollte überarbeitet werden

Belohnt werden demnach hauptsächlich Spieler, die einen Großteil ihres Geldes, abseits der großen Turniere gesammelt haben, obwohl sie dort mitspielen durften. Und nicht belohnt werden diejenigen, die dort gepunktet haben und sogar insgesamt mehr Preisgeld verdient haben.

Die aktuelle Auswertung ist kompliziert, undurchsichtig und in den oben beschriebenen Fällen auch ungerecht. Sie sollte überarbeitet werden.
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