Viele Experimente 24.04.2018

Schäfte müssen einiges aushalten...
Schäfte müssen einiges aushalten...
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Die Hersteller hochwertiger Golfschlägerschäfte duellieren sich auf hohem Niveau. Das führt zu großer Experimentierfreudigkeit – und neuen Produkten. Doch es ist Vorsicht geboten.


Der Schaftmarkt ist hart umkämpft. Das führt dazu, dass die verschiedenen Hersteller neue Graphitfasern testen, mit Zusätzen wie Graphene und metallischen Einzelsträngen oder Geweben arbeiten, um den Druckwiderstand möglichst kleinteilig beeinflussen zu können.

Die Zutatenliste moderner High-End-Schäfte liest sich deshalb wie der Beipackzettel eines komplexen Medikaments: T1100, Graphen, Zylon, Boron, 50T, Micro Laminate Technology, Thin Ply Technology, TI-Mesh, Dual Core. Mit Fachbegriffen wird nicht gegeizt, wenn man die Seiten der Schafthersteller durchforstet.

Doch was bringt es dem Golfspieler? Das zeigt sich definitiv nur in einem ordentlichen Fitting, bei dem die diversen Schäfte getestet werden können, um Unterschiede herauszuarbeiten. Trotzdem ist Vorsicht geboten, da die Tendenz zu Sonderschäften, Co-Branding etc. wieder stärker ist als noch vor ein paar Jahren. Im Folgenden die Neuheiten einiger ausgewählter Hersteller.

ALDILA


Die Firma Aldila wird selten genannt, wenn es um exotische und hochpreisige Schäfte geht. Und dennoch ist Aldila Woche für Woche die Nummer 1 auf der PGA Tour, bezogen auf die Anzahl der gespielten Schäfte. Der Aldila Rogue hat vor einigen Jahren diese Stellung weiter gefestigt und eines der neuen Produkte ist auf dem besten Weg, diese Legacy fortzusetzen.

Der Synergy Black (derzeit nur im Tour Van und bei wenigen Verkäufern in den USA zu bekommen) ist eine sensationelle Neuentwicklung und wird derzeit als "der Spinkiller" schlechthin beschrieben. Das Biegeprofil erinnert stark an einen Laternenpfahl und kann freundlich formuliert als sehr stabil beschrieben werden.

Gemütlichere Varianten

Zum Einsatz kommt das bereits erwähnte Graphen, das die derzeit stärkste Graphitfaser im Schaftbau ist und 200 Mal stabiler als Stahl. Von Synergy Black gibt es auch eine etwas gemütlichere Variante – den Synergy Blue. Deutlich weicher vom Profil her und definitiv eher für den normalen Golfspieler geeignet.

Zusätzlich kommen noch der Quaranta (sehr leicht, weicheres Profil) und der XTorsion Copper (mit MAMBA Technology – eine Beschreibung für eine besondere Anordnung der Faserlagen im Schaft). Der XTorsion soll durch die besondere Faserorientierung den Schaft in dem Bereich stabilisieren, in dem die meiste Torsion (Verdrehung um die Längsachse) stattfindet, und so Genauigkeit und Spinreduzierung ermöglichen.

MRC – MITSUBISHI CHEMICALS


Nachdem MRC in den vergangenen Saisons sehr viele neue Modelle auf den Markt gebracht hat, die auch auf den Touren schon lange genutzt werden (Rory McIlroy vertraut schon lange auf die KuroKage Serie dieses Herstellers), scheint in dieser Saison der Fokus auf dem wachsenden Segment der Graphitschäfte für Eisen zu liegen.

Die OT-Serie wurde schon vorgestellt und soll eine weitere Option sein, Spieler von Stahl auf Graphit zu bekommen, ohne den vermuteten Verlust an Präzision in Kauf nehmen zu müssen. MRC ist allerdings auch einer der Lieferanten, die mit sehr vielen Prototypen auf den relevanten Profi-Touren dieser Welt unterwegs sind, sodass der nächste Release eines High-End-Schaftes nach der TENSEI Serie nur eine Frage der Zeit ist.

AEROTECH


Dieser Hersteller hat sich in den vergangenen Saisons seine Position als Nummer 1 auf der PGA Tour in der Kategorie Graphitschäfte für Eisen erarbeitet. Die Steelfiber-Schäfte werden unter anderem von Matt Kuchar, Brandt Snedeker und Fred Couples genutzt.

Kein anderer Hersteller aus diesem Segment hat es bisher geschafft, dauerhaft Spieler auf Graphit halten zu können. Doch AEROTECH möchte natürlich auch in die Riege der prestigeträchtigen Driverschaft-Lieferanten auf der PGA Tour vorstoßen und hat aus diesem Grund ein Produkt vorgestellt, das sie selbst als "Exotic" bezeichnen.

Titanium-Faser

Die Modelle TiFiber Tour und TiFiber Pro lassen schon vom Namen her erahnen, was Sache ist. Anstelle der bekannten Stahlfaser, die für die Ummantelung der Schäfte für Eisen genutzt wird, kommt bei den Driverschäften eine Titanium-Faser zum Einsatz.

Das Tour Modell ist sehr fest im Tipbereich und benötigt eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit, um einen sinnvollen Ballflug zu erzeugen. Das Pro Modell ist die etwas gutmütigere Variante, die auch von Normalsterblichen in Betracht gezogen werden kann.

In der kommenden Ausgabe werden wir die Neuigkeiten von Graphite Design, ACCRA und Project X vorstellen.

 Johannes Herbig, Jahrgang ’61, Inhaber der Fitting-Schmiede Clubmate Golf mit Stützpunkten in Pfungstadt und im Jordan Golfdrom, Köln.


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