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Von wegen Umweltferkel 24.07.2019

Fairways for Future
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Endlich dämmert es auch der Politik, dass Golfplatzbetreiber keine Umweltferkel sind.


Götz Schmiedehausen

Von dem Schrei des Entsetzens klingeln mir heute noch nach über 25 Jahren die Ohren, als der Bund Naturschutz Kenntnis vom Bauvorhaben unserer Golfanlage nahm.

"Zerstörung unwiederbringlicher Rückzugsorte für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten zugunsten eines elitären Sports“, lautete der sinngemäße Protest-Tenor. Ein paar Jahre nach Platzeröffnung ging man auf die (nachhaltig) verärgerten Naturfreunde zu und lud diese als Friedensangebot zu einer Platzbegehung ein. Und siehe da, nach kurzer Zeit schon entspannten sich die Mienen der in Jack-Wolfskin-Rüstungen gewandeten Umweltritter zusehends, bis sie schließlich ihre aus Vorurteilen und Hörensagen geschmiedeten Schwerter wegsteckten. 

Denn kannte man diese Kröten, die sich in einem Wasserhindernis angesiedelt hatten, bislang doch nur von Fotografien und in der Wildblumenvielfalt, die das Rough begrenzte, tummelten sich mehr Insekten als in einer kompletten Staffel "Biene Maja". Als dann auch noch eine leibhaftige Kreuzotter gesichtet wurde, verloren die erdverbundenen Besucher völlig die Bodenhaftung und schwebten in wonniger Ekstase über den Golfplatz. Seither besuchen uns jedes Jahr zahlreiche Mitglieder des Vereins. Vornehmlich kommen sie zum Staunen. 

Zauberwort Biodiversität

Nun endlich dämmert es auch der Politik, dass Golfplatzbetreiber keine Umweltferkel sind. Vielmehr erledigen sie den Job, den man in Berlin nicht gebacken bekommt. „Biodiversität“ heißt das Zauberwort, mit dem die Artenvielfalt auf unserem Planeten bezeichnet wird, und diese befindet sich im rasanten Sinkflug. Um die für 2020 beschlossenen Ziele doch noch irgendwie zu erreichen, rückt erstmals der Golfsport in den Fokus.

Seit diesem Jahr kooperiert das Ministerium für Umwelt in Baden-Württemberg mit dem Golfverband des Bundeslandes. Ziel ist die Schaffung naturnaher Lebensräume und die Förderung von Artenvielfalt. Für die teilnehmenden Golfanlagen ist dies allerdings ein alter Hut. Bekanntlich gibt es seit 2005 mit „Golf & Natur“ das „Bio-Siegel“ des DGV, das sich schon 162 ökologisch nachhaltig arbeitende Clubs in Gold, Silber und Bronze verdient haben.

Alle diese Golfplatzbetreiber, die viel Geld und Arbeit in den Naturschutz investieren, tun dies freiwillig und ohne wirtschaftliche Vergünstigungen. Warum dann gerade einem so gesundheitsförderlichen Breitensport wie Golf, der sich mit kontinuierlicher Umweltarbeit hervortut, wenn es um Fördermittel geht, nach wie vor die kalte Schulter gezeigt wird, während „raumgreifende“ Exotensportanlagen wie bspw. Skischanzen, Bobbahnen oder Wildwasser-Kanäle mit Millionengeldern finanziert und unterhalten werden, erscheint nur schwer nachvollziehbar. 

Synonym für Dekadenz

Aber vielleicht beginnt nun auch auf Bundesebene ein Umdenken! Wenn bislang ein Politiker überhaupt mal das Thema Golf anfasste, dann meist nur als Synonym für „Dekadenz“ in einer dümmlichen Brandrede. Doch dass eine Woche Wintersport (auch die Natur) deutlich mehr kostet als eine durchschnittliche Golfsaison, sollte ein Volksvertreter begriffen haben.

Im nächsten Schritt gilt es, echte Anreize zu bieten, um mehr Golfplätze in den „grünen Bereich“ zu bekommen. Wie das geht, zeigen Länder mit gewachsener Golfkultur. Dort erhalten ökologisch nachhaltig arbeitende Anlagen die für den Club passende Unterstützung. Aber bevor wir Golfer uns nun mit stolzgeschwellter Brust als Umweltengel feiern lassen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Golfreisende (neben den Tauchern) den größten ökologischen Fußabdruck aller Sporttouristen hinterlassen. Was man mit dieser unbequemen Wahrheit anfängt, muss jeder für sich selbst entscheiden…


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