Wo liegt der Ball? 06.01.2013

Joachim Woehe
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Wenn man die Antwort genau weiß, ist es für den erfahrenen Golfer eigentlich relativ einfach, wie und nach welcher Regel der Ball bzw. ein neu einzusetzender Ball weitergespielt werden kann oder auch muss. Oftmals gibt es auch Spielsituationen, in denen die Frage, wo der Ball gelandet und zur Ruhe gekommen ist, nicht eindeutig beantwortet werden kann. Es kommt sogar vor, dass eigentlich so gut wie keine Anzeichen zu Flugbahn und Lage des Balls vorliegen und nur gemutmaßt wird, wo der Ball liegen müsste. Wie und nach welcher Regel ist in diesen Fällen weiterzuspielen? 1. Spielsituation: Der Ball eines Spielers fliegt über ein Wasserhindernis in eine Baumgruppe. Ob der Ball in das Hindernis zurückgesprungen oder in den Bäumen zur Ruhe gekommen ist oder in dem etwas höheren und sehr dichten Semirough konnten Spieler und Mitspieler nicht erkennen. Auch die davor spielende Gruppe hat nur bemerkt, dass der Ball die Bäume getroffen hat. Der Ball wird innerhalb von fünf Minuten Suchzeit weder im Hindernis noch im Semi­rough gefunden. Wie ist weiterzuspielen? Antwort: Es ist eine Frage der Umstände, ob ein in Richtung auf ein Wasserhindernis (WH) geschlagener, nicht gefundener Ball tatsächlich in dem WH ist. Gemäß neuer Formulierung im Regelbuch 2012-2015 muss es „bekannt oder so gut wie sicher sein“, dass der Ball in einem WH liegt, wenn man nach der WH-Regel 26-1 verfahren will (frühere Formulierung: „Berechtigte Anzeichen“). Ohne „Kenntnis oder an Sicherheit grenzende Gewiss­heit“, dass er im WH liegt, muss bei einem nicht gefundenen Ball stets davon ausgegangen werden, dass er außerhalb des WH ver-loren ist, und der Spieler muss nach Regel 27-1 (Strafschlag und Distanzverlust) verfahren. 2. Spielsituation: Eine große Pfütze ist in einer Senke hinter hohem Rough und kann vom Abschlag aus nicht eingesehen werden. Ein vom Abschlag in diesen Bereich gespielter Ball wird nicht gefunden. Der Ball kann sowohl in der großen Pfütze als auch im Rough sein. Darf der Spieler davon ausgehen, dass der Ball in der Pfütze und somit im „zeit­weiligen Wasser (Regel 25-1c)“ liegt? Antwort: Nein. Unter den geschilderten Umständen ist es weder „bekannt noch so gut wie sicher“, dass der Ball im „zeitweiligen Wasser“ ist. Der Spieler darf Regel 25-1c (Ball im „zeitweiligen Wasser verloren“) nicht anwenden (also kein strafloses Droppen), sondern muss nach „verlorener Ball nach Regel 27-1“ (Strafschlag und Distanzverlust) verfahren. Das gleiche Verfahren würde auch für den Fall gelten, dass vermutet wird, der Ball wäre statt in der o. a. Pfütze eventuell in einer Fläche „Boden in Ausbesserung“ (auch Regel 25-1c) oder in einem Hemmnis (Regel 24-3) „verloren“. Auch wenn vermutet wird, ein Ball könnte durch „Nicht zum Spiel Gehöriges“ bewegt worden sein, muss es nach Regel 18-1 „bekannt oder so gut wie sicher“ sein, dass der Ball auch so bewegt wurde. Ist er z.B. von einem Hund bewegt worden, ist der Ball straflos zurückzulegen. Andernfalls ist er zu spielen, wie er liegt. In Decision 26-1/1 wird die Formulierung „bekannt oder so gut wie sicher“ detailliert erläutert. Darin heißt es u.a.: Kann der Ball eines Spielers nicht gefunden werden, kann „Kenntnis“, ob der Ball im WH oder einer anderen o.a. Fläche liegt, auf verschiedene Art und Weise gewonnen werden; so z.B. durch Befragung aller beteiligten Personen oder auch Zuschauer. Auch sind bei der Feststellung, ob der Ball mit „an Sicherheit grenzender Gewissheit“ im WH liegt, wichtige Faktoren in der Nähe des WH zu berücksichtigen, insbesondere Topografie, Rasenzustand, Schnitthöhe des Grases, Sicht, Witterungsbedingungen und die Nähe von Bäumen, Büschen und ungewöhnlich beschaffenem Boden. Joachim Woehe, Regel-Experte, DGV-Spielleiter und Platzrichter, beschreibt alltägliche Spielsituationen – aus der Praxis für die Praxis. © GOLF TIME Verlag GmbH


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