24.09.2025 | 13:20

45. Ryder Cup: Die Mutter aller Duelle!

Die Ryder-Cup-Trophäe: Objekt der Begierde
Markus Scheck
Markus Scheck

Titelverteidiger Europa trifft beim 45. Ryder Cup auf dem Bethpage Black Course auf Long Island auf ein aufrührerisches U.S.-Team. Der avisierte Besuch von Präsident Donald Trump und fanatische New Yorker werden wohl für ein unvergleichliches Ryder-Cup-Spektakel sorgen. Europas Team unter Kapitän Luke Donald ist jedenfalls auf alles vorbereitet.


Der Ryder Cup 2025 ist da. Wenn diese Woche auf dem Bethpage Black Course die zwölf besten Spieler der USA und Europas aufeinandertreffen, ist es nicht nur ein Turnier.

Es ist ein Machtkampf zwischen den Kontinenten, ein Spektakel voller Emotionen, Strategie und Charakteren.

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Europa reist als Titelverteidiger an, getragen vom Triumph in Rom 2023. Doch der amerikanische Austragungsort ist berüchtigt und wartet mit engen Fairways, tiefem Rough, trickreichen Grüns und einem Publikum, das an Frenetik seinesgleichen sucht, auf.

Unvergleichliche Atmosphäre für Spieler und Zuschauer: Der Ryder Cup
Unvergleichliche Atmosphäre für Spieler und Zuschauer: Der Ryder Cup

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45. Ryder Cup: Sieg in der Fremde?

Seit 2012 hat Europa keinen Auswärtssieg mehr errungen. Rory McIlroy brachte es noch bei der Siegerpressekonferenz in Rom 2023 auf den Punkt: „Ich denke, eine der größten Errungenschaften im Golfsport heutzutage ist es, einen Ryder Cup in der Fremde zu gewinnen. Und genau das werden wir in Bethpage tun.“

Zwei Kapitäne, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Keegan Bradley (l.) und Luke Donald
Zwei Kapitäne, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Keegan Bradley (l.) und Luke Donald

Seine Worte gelten seither wie ein Manifest, das die Mission des Teams definiert: Die U.S.-Festung knacken, Teamgeist unter höchstem Druck beweisen und Geschichte schreiben.

Historisch gesehen ist ein Ryder Cup in den USA für das europäische Team stets eine herausfordernde Mission. Seit der „Gründung“ des rein europäischen Teams im Jahr 1979 gab es nur viermal auswärts ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen: 1987 in Muirfield Village/Ohio, 1995 in Oak Hill/New York, 2004 in Oakland Hills/Michigan – als Bernhard Langer als Kapitän einen historischen Sieg landen konnte – und 2012 das „Wunder von Medinah“ im U.S.-Bundesstaat Illinois.

Die Statistik spricht daher dieses Mal erneut eher für die USA, wenngleich nicht unerwähnt sein sollte, dass es den Amerikanern auswärts noch schlechter erging: Der letzte Sieg auf europäischem Boden datiert auf das Jahr 1993 in The Belfry, England, zurück und jährt sich damit zum 32. Mal.

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Team Europa: Erfolg in Rom als Inspiration

Blicken wir kurz zurück auf das letzte Aufeinandertreffen in Rom vor zwei Jahren, vor allem auch, weil es für die Europäer ein so wichtiger und einschneidender Triumph war.

Rom 2023: Vor zwei Jahren feierten die Europäer unter der Leitung von Kapitän Luke Donald einen epochalen 16½ zu 11½ Triumph
Rom 2023: Vor zwei Jahren feierten die Europäer unter der Leitung von Kapitän Luke Donald einen epochalen 16½ zu 11½ Triumph

Schon am Freitagmorgen lieferte Europa in den Foursomes einen historischen 4:0-Auftakt – einen Blitzstart also, der die Stimmung auf dem Marco Simone Golf & Country Club sofort dominierte.

Die Fans waren in Ekstase und die Spieler strahlten Selbstvertrauen aus. Rory McIlroy glänzte mit insgesamt vier Punkten aus fünf Matches, Viktor Hovland etablierte sich als Publikumsliebling und der schwedische Rookie Ludvig Åberg zeigte bei seinem Debüt grandiose Nervenstärke.

Zwei Schlüsselspieler: Scottie Scheffler (l. USA) und Jon Rahm (Europa)
Zwei Schlüsselspieler: Scottie Scheffler (l. USA) und Jon Rahm (Europa)

Doch Rom war nicht nur sportlich mit dem Gesamtscore von 16½ zu 11½ ein Triumph: Am Samstagabend kam es zu einem hitzigen Wortwechsel zwischen McIlroy und Joe LaCava, dem Caddie von Patrick Cantlay, zunächst auf dem 18. Grün und danach auf dem Parkplatz.

Es war ein Moment voller Emotionen, der zeigte, wie ernst das Duell genommen wird. Am Sonntag entschied McIlroy sein Einzelmatch klar für sich und führte Europa endgültig über die Ziellinie.

Harmonierten in Rom bestens: Shane Lowry und Sepp Straka (r.)
Harmonierten in Rom bestens: Shane Lowry und Sepp Straka (r.)

Kapitän Luke Donald weiß solche Emotionen meisterhaft zu kanalisieren, er verbindet Ruhe und Strategie, was Rom zum perfekten Beweis für seine Führungsqualitäten machte.

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45. Ryder Cup: Luke Donald setzt auf Kontinuität

Und „Captain Luke“, der nach dem epochalen Sieg von Rom erneut mit der Kapitänsrolle beauftragt wurde, vertraut dieses Mal in Bethpage auf fast dieselbe Mannschaft wie vor zwei Jahren.

Holte in Rom den entscheidenden Punkt zum Sieg für Team Europe: Tommy Fleetwood
Holte in Rom den entscheidenden Punkt zum Sieg für Team Europe: Tommy Fleetwood

Elf von zwölf Spielern sind wieder dabei, nur Rasmus Højgaard ersetzt seinen Zwillingsbruder Nicolai. Mit Rory McIlroy, Jon Rahm, Justin Rose, Tyrrell Hatton, Viktor Hovland, Shane Lowry und Tommy Fleetwood verfügt Europa über ein stabiles Grundgerüst aus Erfahrung, Präzision und mentaler Stärke.

Der Österreicher Sepp Straka, der alleine in diesem Jahr zwei PGA-Tour-Titel holen konnte, bringt zudem Stabilität, Dynamik und deutschsprachige Identifikation ins Team.

Die Stärke Europas liegt somit vor allem in seiner Kontinuität: Die Vierer werden wohl nach bewährten Paarungen gespielt werden, während die Einzel am Sonntag die Entscheidung bringen sollen.

Mögliche Schlüsselkomponente: Die fanatischen Fans von Team USA
Mögliche Schlüsselkomponente: Die fanatischen Fans von Team USA

Donalds Strategie: Vertrauen in erprobte Routinen, Anpassung an Bethpages Tücken und die Balance zwischen individueller Klasse und Teamgeist. Das Ziel ist klar: Erstmals seit Medinah im Jahr 2012 soll es einem Auswärtsteam wieder gelingen, die historische Trophäe zu gewinnen.

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Team USA: Keegan Bradley soll es richten

Auf der Gegenseite wurde mit Keegan Bradley ein Überraschungskandidat mit der U.S.-Kapitänsrolle betraut. Mit 39 Jahren ist er ungewöhnlich jung für diese Rolle und noch in der Blüte seiner Karriere. Was zur skurrilen Situation geführt hatte, dass er sich beinahe selbst als Spieler hätte qualifizieren können.

Kapitän Keegan Bradley dachte lange daran, sich beim Ryder Cup 2025 selbst aufzustellen (Foto: Picture Alliance)
Kapitän Keegan Bradley dachte lange daran, sich beim Ryder Cup 2025 selbst aufzustellen (Foto: Picture Alliance)

Spekulationen über eine eigene Wildcard erwiesen sich am Ende als unbegründet. Bradley wäre in einem solchen Fall nach Arnold Palmer bei der Austragung im Jahr 1963 der erste „Playing Captain“ gewesen.

Die Personalie Bradley kam deshalb überraschend, weil der logische Favorit, Phil Mickelson, zu LIV Golf gewechselt war und auch Tiger Woods die Aufgabe ablehnte. Bradley ist bekannt als Heißsporn, der von Emotionen auf dem Platz lebt. Und der Ryder Cup ist seine größte Passion, die sich auf das Team übertragen soll.

Markenzeichen des Ryder Cups: Stimmung und Emotionen pur
Markenzeichen des Ryder Cups: Stimmung und Emotionen pur

Bradleys Team ist daher auch eine Mischung aus arrivierten Spielern und neuen Gesichtern. Neben Scottie Scheffler, Xander Schauffele und Bryson DeChambeau setzt Bradley auf sechs Wildcards, darunter Justin Thomas, Collin Morikawa und Patrick Cantlay.

Mit J. J. Spaun, Russell Henley, Ben Griffin und Cameron Young sind gleich vier Rookies im Team USA am Start. Diese Mischung aus Routiniers und Newcomern soll Dynamik erzeugen und für Überraschungsmomente sorgen.

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45. Ryder Cup: America First!

Doch zurück zu „Captain America“. Keegan Bradley passt mit seiner ungestümen Art wie die Faust aufs Auge eines U.S.-Teams, das mit einer neuen „America-First“-Mentalität antritt. Befeuert durch Donald Trump, der auch sein Kommen für den ersten Spieltag angekündigt hat.

Donald Trump
Donald Trump

Der Ryder Cup 2025 auf Long Island wird damit nicht nur ein sportliches Ereignis werden, sondern auch ein politisches Statement. Durch dem neu entflammten Nationalismus in den USA, bestärkt durch die Rhetorik von Donald Trump, wird daher mit einer fast schon feindseligen Stimmung gegenüber den Europäern zu rechnen sein müssen.

Trumps Anwesenheit hat dabei auch eine historische Dimension. Es wird das erste Mal sein, dass ein amtierender Präsident beim Ryder Cup anwesend sein wird.

Seine Präsenz wird zweifellos die Atmosphäre beeinflussen und wird aller Voraussicht nach zu einer weiteren Polarisierung der Fans vor Ort führen.

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Fanatische Zuschauer

New York ist ohnehin bekannt für seine leidenschaftlichen Sportfans. Doch diese Leidenschaft kann schnell in Feindseligkeit umschlagen. Ein besonders markantes Beispiel für das aggressive Verhalten von Fans ereignete sich während eines Baseball-Spiels der New York Yankees gegen die Los Angeles Dodgers in der World Series 2024.

Die besten Ryder-Cup-Fan-Outfits 2023
Die besten Ryder-Cup-Fan-Outfits

Bei dem Spiel versuchten zwei Yankees-Fans Mookie Betts, dem rechten Außenfeldspieler der Dodgers, den Baseball aus dem Handschuh zu entreißen. Und das, als er sich über den Spielfeldrand streckte, um ihn zu fangen.

Dieser Vorfall wurde letztlich als Fan-Interferenz gewertet und die beiden „Rowdies“ daraufhin auf Lebzeiten für alle Spiele der MLB gesperrt.

Ein weiteres Beispiel ereignete sich während eines Spiels der Cleveland Guardians gegen die New York Yankees. Im neunten Inning kam es zu feindseligen Interaktionen zwischen den Fans und den Außenfeldspielern der Guardians. Die Fans begannen, die Spieler verbal anzugreifen und zu bedrängen.

Solche Ereignisse werfen natürlich die Frage auf, wie sich die Stimmung bei einem internationalen Großevent wie dem Ryder Cup gestalten wird.

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Team Europa: Neuer Blickwinkel

Europa reist dennoch voller Selbsbewusstsein als Titelverteidiger an, gestützt auf Erfahrung und Zusammenhalt. „Wir sind ein gefestigtes und geeintes Team mit einer starken Kultur. Elf der zwölf Spieler aus Rom sind wieder dabei. Und wir haben mit Rasmus Højgaard einen hochtalentierten Rookie“, erklärte Luke Donald anlässlich der Präsentation seines Teams.

Team-Europe-Kapitän Luke Donald ...
Team-Europe-Kapitän Luke Donald

„Wir haben außerdem viel Erfahrung. Und das wird in Bethpage wichtig sein, weil wir die Herausforderungen kennen, die auf uns zukommen werden.“

Obwohl das Team dieses Jahr weitestgehend mit dem von Rom übereinstimmt, habe er die Kapitänsrolle aus einem ganz anderen Blickwinkel angegangen, erklärte Donald weiter.

„Eine andere Herausforderung erfordert andere Überlegungen und Strategien. Ich freue mich, dass wir nun unsere zwölf Spieler vollständig beisammen haben. Und gemeinsam sind wir alle voll darauf konzentriert, den 45. Ryder Cup in New York zu verteidigen. Und Geschichte zu schreiben.“

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