21.09.2020 | 10:21

Muskelprotz mit feinem Pfötchen

Thomas Fischbacher
Thomas Fischbacher

Bryson DeChambeau gewinnt die U.S. Open mit einer überzeugenden Leistung am Sonntag. Dabei überzeugt er nicht nur mit seinen langen Abschlägen. 


Mamaroneck, New York – Muskelmasse, Proteinshakes und Schwunggeschwindigkeit – diese Themen tauchen prompt auf, wenn sich die Golfwelt mit Bryson DeChambeau beschäftigt. Zum Ende der vergangenen Saison entschied sich der junge Ryder-Cup-Spieler mit Physik-Studium dazu, seinen Körper zu verändern. Nicht aus Eitelkeit, sondern um der beste Golfer der Welt zu werden. Kiloweise legte er Masse an, und in der in der Folge nahm seine Schwunggeschwindigkeit Stundenkilometer für Stundenkilometer zu.

Auf einigen Plätzen, an denen die PGA Tour gastiert, ist es von klarem Vorteil, das Grün mit einem Wedge aus dem Rough anzuspielen, als mit einem Eisen vom Fairway. Der West Course von Winged Foot, Austragungsort der U.S. Open in der vergangenen Woche, gehört nicht unbedingt dazu. Zumeist lassen die Verantwortlichen das Rough sehr hoch stehen, um es den Spielern schwer zu machen, verzogene Abschläge auf dem Weg zum Loch zu kontrollieren.

Kantersieg durch fehlerfreie Back Nine

Dass es DeChambeau dennoch gelang, diese verspätete Austragung der U.S. Open nicht nur zu gewinnen, sondern zu dominieren, zeigt, dass dieser etwas andere Golfprofi weit mehr drauf hat als 300+ Meter-Abschläge. Keiner außer DeChambeau lag am Ende des Turniers unter Par, kein anderer Teilnehmer konnte an diesem Sonntag eine Runde unter Par spielen. DeChambeau kam mit einer 67 (-3) von der Runde.

Der Vorsprung, den Matthew Wolff sich durch eine überzeugende Samstagsrunde erarbeitet hatte, war zur Hälfte der Runde geschmolzen. Eine fehlerfreie Back Nine (-1) brachte sicheren Sieg. Sechs Schläge betrug der Vorsprung, so hoch hatte seit Martin Kaymer 2014 niemand mehr das Turnier gewonnen.

Es ist erstaunlich, dass man mit 41 Prozent getroffener Fairways bei einer U.S. Open um den Titel mitspielen kann. Aber die enorme Geschwindigkeit mit dem Schlägerkopf hilft eben auch dabei, den Ball aus dem hohen Rough möglichst weit und präzise nach vorne zu hacken.

In the Bag: Bryson DeChambeau
U.S.-Open-Sieger: Bryson DeChambeau

Bryson DeChambeau: Enorme Leistung mit dem Putter

Doch es wäre falsch, den Amerikaner auf seine Kraft zu reduzieren. Zwar war in dieser Woche kaum einer war länger vom Tee, aber noch weniger kamen besser mit den extrem bewegte Grüns des West Course zurecht. Knapp drei Schläge machte er im Schnitt mit dem Putter auf das Feld gut. In keinem andern Teil des Spiels überzeugte er mehr. In den mächtigen Armen und den kräftigen Händen steckt eben auch ein enormes Gefühl.

Alles in einem bekräftigt diese Machtdemonstration den Eindruck, dass dieser junge Amerikaner noch viele weitere Major-Titel einheimsen wird. Für Augusta erwägt er, einen noch längeren Schaft für den Driver ins Spiel zu bringen, der noch mehr Länge zur Folge haben soll. Die Konkurrenz wird dies nicht gerne hören.

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