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Konstant im Flow 29.06.2018

Jason Day
Setzt auf das FocusBand: Jason Day
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Ganz selten kommt man in den Flow, den Zustand des Autopilots, der das konstante Abrufen des Sahneschwungs begünstigt. Mit einer Trainingshilfe können Sie nun messen, was während eines Schlages im Kopf vorgeht und das Training neu und tiefgründiger bewerten.


Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.de

Können Sie sich noch an Ihre erste persönliche Bestleistung erinnern? An die erste richtig gute Runde, bei der Sie zum ersten Mal das Gefühl hatten, dass sich Ihr Training wirklich bezahlt macht und bei der scheinbar alles so lief, wie Sie sich das vorstellten? 

Manch einer hat mehr davon, ein anderer weniger, doch wir alle haben eine persönliche Bestleistung, die unserem Selbstvertrauen einen ordentlichen Schub nach oben gab und uns immer noch zum Lächeln bringt, wenn wir daran zurückdenken. So unterschiedlich unsere persönlichen Bestleistungen auch sein mögen, die Chancen stehen gut, dass sie alle eines gemeinsam haben: Die Art und Weise, wie sie gespielt wurden. Dabei meinen wir nicht den Score, die Schlägerwahl, den Golfplatz oder die Form des Turnieres, sondern die Art und Weise, was und wie wir über unser Spiel gedacht haben. 

Laut New York Times Bestseller Autor Dr. Joe Dispenza, hat jeder Mensch pro Tag rund 60.000 - 70.000 unterschiedliche Gedanken. Die wenigsten davon nehmen wir bewusst wahr und das ist wahrscheinlich auch besser so. Wir wissen nicht, wie es Ihnen geht, doch wir würden uns nur ungern bewusst um unsere Atmung, unsere Leberfunktionen oder unsere Blutzirkulation kümmern. 

Ähnlich wie unsere lebenswichtigen Körperfunktionen, überlassen wir unseren Golfschwung auch lieber unserem Unterbewusstsein. Über 160 Muskeln bewusst und in wenigen Sekunden gleichzeitig anzusteuern, ist ein Ding der Unmöglichkeit und etwas, das wir nur im Training versuchen sollten. Im Turnier sind wir besser beraten, wenn unser Bewusstsein einen großen Schritt zur Seite macht und unserem Unterbewusstsein den Vortritt überlässt. Bewusstes Multitasking ist wahnsinnig schwer, denn wir können bewusst lediglich nur rund vier Gedanken gleichzeitig aufrechterhalten. Unbewusstes Multitasking ist dagegen völlig normal und der Grund, warum wir unser bestes Golf dann spielen, wenn wir zu 100 Prozent in der Gegenwart präsent sind. Sind wir zu 100 Prozent im hier und jetzt, hat unser Unterbewusstsein genug Freiraum, all die Fähigkeiten abzurufen, die wir uns im Training erarbeitet haben. Viele sprechen dann vom sogenannten Flow-Zustand oder der Zone, andere einfach nur vom Autopilot. 

Flow, die Zone oder einfach nur "der Autopilot"

Was alles möglich ist, wenn unser Bewusstsein einen Schritt zur Seite macht und wir während einer bestimmten Aufgabe im Flow sind, zeigt Steven Kotler in seinem Buch The Rise of Superman: Surfer, die 15 Meter hohe Wellen bezwingen, Kletterer, die freihändig und ohne Sicherung tausende Meter über dem Boden schweben oder Kanufahrer, die sich auf kilometerlangen Flüssen an Steinen, Felsen und Ästen vorbeischlängeln — im Flow sind Menschen in der Lage, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Kotlers Buchtitel hält, was er verspricht. The Rise of Superman beschreibt die exponentielle Leistungskurve, die man in den letzten 20 Jahren in den verschiedensten Extremsportarten beobachten konnte: Ein Weltrekord jagt den anderen. Flow, beziehungsweise die Fähigkeit, den Flow-Zustand zuverlässig, schnell und oft ansteuern zu können, ist der Grund. 

Wer sich ernsthaft mit Flow und der damit einhergehenden mentalen und physischen Leistungssteigerung auseinandersetzen möchte, kommt um das Flow Genome Project nicht herum. Das Flow Genome Project und dessen Forschungsleiter Steven Kotler, beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema und der Frage, was tatsächlich hinter dem so oft missverstandenen Zustand steckt, der laut Kotler für alle großen Durchbrüche in der Welt der Wirtschaft, der Wissenschaft und des Sports verantwortlich ist.

Wider Erwarten beginnt Flow mit einer Herausforderung. Eine Herausforderung erleichtert es uns, völlig abzutauchen, uns im hier und jetzt zu verlieren und unserem Körper "einfach machen zu lassen". Die Voraussetzung dafür: Wir müssen die Herausforderung annehmen, mentale Zeitreisen in die Zukunft oder in die Vergangenheit sein lassen und uns auf das gewünschte Endergebnis konzentrieren. Sobald wir das tun, denken wir nicht mehr aktiv an die bevorstehende Herausforderung und alle damit einhergehende Probleme. Das führt laut Kotler zu einer Freisetzung von Stickoxiden im Körper, die Stresshormone im Körper mit den Glückshormonen Dopamin und Serotonin ersetzen. 

Autopilot Golf einschalten

Haben Sie schon einmal eine gute Runde gespielt, bei der Sie mit hängenden Schultern langsam über den Golfplatz geschlürft sind? Wir auch nicht. Es ist kein Geheimnis, dass Stresshormone unserem Spiel schaden und Glückshormone unser Spiel beflügeln. Im hier und jetzt sein, mentale Zeitreisen in die Vergangenheit oder die Zukunft abstellen oder den Fokus auf die Gegenwart richten, um letztendlich auf Autopilot Golf zu spielen — all das klingt plausibel und verständlich, ist in der Umsetzung allerdings gar nicht so leicht. 

Wir verbringen rund 4,5 Stunden auf dem Golfplatz, knapp 4 davon verbringen wir mit Laufen und Denken. Wer zum ersten Mal mit geschlossenen Augen versucht, sich nur eine Minute lang ausschließlich auf den eigenen Atem zu konzentrieren, weiß, wie schnell Gedanken abschweifen. Abschweifende oder sogar negative, destruktive Gedanken unmittelbar vor dem Schlag sind ein sicherer Flow-Killer und ein wirksames Mittel gegen gute Schläge. Die Frage, die daher zweifelsohne aufkommt, ist: Wie verhindern wir das, beziehungsweise wie trainieren wir unseren Fokus?

Wie trainieren wir unseren Fokus?

Die australische Firma T 2 Green Pty Ltd. hat die Lösung und macht diese mit ihrem FocusBand auch der Öffentlichkeit zugänglich. Das FocusBand ist die mentale Trainingshilfe, die Jason Day einen Platz an der Weltspitze und Justin Rose eine olympische Goldmedaille sicherte. Zudem arbeiten Michelle Wie, Sandra Gal, Padraig Harrington und ein weiteres Dutzend weltbekannter Spitzenspieler mit dem Band und profitieren vom damit verbundenen Neurofeedback. Wir hatten die Chance, Graham Boulton, den Entwickler des FocusBandes und Mentaltrainer mehrerer LPGA-Spielerinnen zu interviewen, ihn zu den Hintergründen des Bandes und seinen besten Tipps für Amateure zu fragen.

"Die Liste der Spieler, die ihr Potential von der Range nicht auf den Platz übertragen können, ist lang", meint Graham merkt an: "Wir kannten so viele Spieler, deren Bewegung aus biomechanischer Sicht wirklich perfekt aussah, die ihre Leistung im Turnier jedoch nicht abrufen konnten. Also blieb eine Sache übrig: Der Abstand zwischen den Ohren."

Um die Leistung zwischen den Ohren alleine zuverlässig trainieren zu können, entwickelte Graham das FocusBand: Ein schwarzes Stirnband, das unsere Hirnströme mithilfe von 3 EEG-Sensoren misst — auch während der Bewegung. Damit ist das FocusBand die einzige mentale Trainingshilfe in dieser Kategorie und das nicht ohne Zufall: 

Grahams Sohn Henry Boulton, lebte 18 Monate lang mit Jason Day zusammen, coachte ihn im mentalen Bereich und sammelte in dieser Zeit die Daten, die notwendig waren, um das FocusBand nicht nur Weltklasse-Athleten, sondern auch ehrgeizigen Hobbygolfern zugänglich machen zu können. Wir besitzen unser FocusBand zum Zeitpunkt dieses Artikels seit rund vier Monaten und können nur sagen: Der Plan ging auf! 

So funktioniert das Band: 

Das FocusBand verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone und der gewünschten App. Die EEG-Sensoren im Band messen unseren Hirnstromwellen, die App übersetzt diese in ein visuelles und ein auditives Signal. Eine solche EEG-Messung ist aus medizinischer Sicht unbedenklich und liefert unheimlich interessante und wichtige Hinweise in Bezug auf unsere Fähigkeit, in der Gegenwart präsent zu sein und auf Autopilot Golf zu spielen. Unser mentaler Zustand variiert je nachdem, was wir gerade tun. Das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass unsere Hirnstromwellen mit unserem mentalen Zustand Hand in Hand gehen und, dass diese einer bestimmten Frequenz zugrunde liegen. Je langsamer die Hirnstromwelle, desto weniger nehmen wir bewusst wahr. 

Nach acht Jahren Forschung und Entwicklung haben Graham und sein Team herausgefunden, was einen Spieler in den Zustand des Flows bringt und was nicht. Das FocusBand trainiert unser Unterbewusstsein, eine bestimmte und in der jeweiligen Situation angebrachte Hirnstromwelle zu aktivieren. Sind wir als Spieler im optimalen mentalen Zustand, gibt die App ein angenehmes Geräusch von sich und sprichwörtlich grünes Licht: Sind wir das nicht, ist das Audio-Signal der App eher unangenehm oder bleibt ganz aus.



Unser Unterbewusstsein strebt nach dem angenehmen Ton, möchte den unangenehmen Ton vermeiden und wird so zielsicher auf das Erreichen des Flow-Zustands trainiert. Ein netter Nebeneffekt: Das Ganze passiert in Echtzeit. Verlieren wir unseren Fokus, springt das Signal der App sofort um. Als Spieler sind wir dadurch in der Lage, verschiedenen Ursachen und Gründe ausfindig zu machen, zu analysieren und diese durch bessere, konstruktivere Gewohnheiten zu ersetzen. Merken wir, dass wir mit den Gedanken am letzten oder nächsten Loch sind, können wir verschiedene Trigger ausprobieren. Die App zeigt uns dann, welche Methode unsere Negativ-Spirale durchbricht und unseren Fokus wieder zuverlässig in die Gegenwart holt. So sammeln wir wertvolles Feedback, das uns in den kommenden Runden weiterhilft. 

Apropos Feedback. 

Feedback bietet das FocusBand durch mehrere Apps, die unsere mentale Leistung unter anderem während der Schlagvorbereitung messen. Wenn wir das Band einmal nicht auf dem Golfplatz nutzen möchten, helfen uns die Apps Fast & Focused, sowie Fluid Mynd weiter. Beide trainieren unseren Fokus im wahrsten Sinne des Wortes auf spielerische Art und Weise:



Warum schreiben wir über das FocusBand? Alle unsere Artikel drehen sich ums besser werden, um das konstante Abrufen des eigenen Potentials, sowie um mehr Klarheit und Spaß beim Training. All das fällt uns deutlich leichter, wenn unser Kopf mitspielt, wenn wir während des Trainings fokussiert sind und unsere Gedanken im hier und jetzt sind. Viele Coaches sprechen über das hier und jetzt, doch nur wenige können es tatsächlich messen. Zu wissen, was während eines Schlages in uns vorgeht, ist für uns unheimlich wertvoll und gibt uns die Möglichkeit, unser Training neu und tiefgründiger zu bewerten.

Das Fazit:

Das FocusBand ist eine Investition in den eigenen spielerischen Fortschritt und eine, die nicht wirklich teuer ist, wenn man bedenkt, wie viel Geld manch einer in den neuesten Driver oder Trolley steckt. Ein neuer Driver verbessert unser Spiel nur bedingt, denn trotz immer besser werdendem Material hat sich am Durchschnittshandicap in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert. Zwar ist das FocusBand keine direkte Garantie für bessere Scores, dafür allerdings eine Garantie für die mentale Leistung, die Sie in der Vergangenheit zu Ihren besten Scores geführt hat. 

Graham und sein Team bieten mehrere Pakete an, denn zu jeder Bestellung gibt es einen online Kurs, der sich rund um die Anwendung des Bandes dreht. Das Band selbst ist in jedem Paket dasselbe, was sich unterscheidet, sind die online Kurse. Laut Graham kommt man allerdings schon mit dem Starter Paket sehr weit: "Oft möchten wir direkt zu den fortgeschrittenen Strategien, doch es sind die Grundlagen, die wir zunächst beherrschen sollten. Die Grundlagen sind für unser Golfspiel das, was ein starkes Fundament für ein Haus ist."

Möchte man doch irgendwann einmal zu den fortgeschrittenen Strategien, kann man die weiteren online Kurse auch nachbestellen. Sowohl das Starter-, als auch alle weiteren Pakete gibt es bis zum 12. Juli 2018 für 500 statt 600 US-Dollar. 

Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Plus- und Singlehandicapper (+1,4 & 3,6), Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.deFreddy spielte vier Jahre lang College Golf in den USA, wo er mit der Wilmington University bei den nationalen Meisterschaften 2016 unter die Top 8 Teams des Landes kam. Während seiner Zeit in den USA lernte er unter anderem von PGA-Tour-Trainern und gewann mehrere Turniere mit dem Team.

Freddy und Patrick Braun von BelowPar


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