24.08.2017

Power-Boy

golftime
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Der spanische Überflieger in der Schwunganalyse: Extreme Power im Schwung trotz eingeschränkter, körperlicher Möglichkeiten lautet hier das Motto.


Bevor Jon Rahm Profi wurde, hatte er bereits eine beeindruckende Amateurkarriere vorzuweisen. So war er über einen Rekordzeitraum von 60 Wochen die Nummer eins der World Amateur Rangliste.
Jon hat ein außergewöhnliches Bewegungsmuster, sein Schwung sieht im ersten Moment etwas unkonventionell aus, doch bei näherer Betrachtung sieht man viele klassische Elemente eines einfach zu wiederholenden Golfschwungs.

Dabei sei erwähnt, dass Jon im Verhältnis zu seinen Mitstreitern eher unbeweglich in der Hüfte ist, jedoch mit seiner daraus resultierenden, kürzeren Bewegung das Optimum herausholt. Ein weiterer Indikator für eine kraftvolle Bewegung ist sein in der Ausholbewegung stark gebeugtes, linkes Handgelenk.

Jon erzeugt dadurch in seiner linken Schulter und dem Arm sehr hohe Spannung. Während sein Oberkörper noch nicht ganz den höchsten Punkt im Rückschwung erreicht hat, bringt er seine Hüftvorwärtsrotation in Gang und kreiert dadurch extreme Spannungsverhältnisse, die er in Schlägerkopfgeschwindigkeit umwandelt.

Setup
Setup: Das 100 Kilo schwere Kraftpaket steht für seine 190 Zentimeter Körpergröße im Setup eher aufrecht. Ausbalanciert geht Jon wenig in die Knie und sein Oberkörper hat eine vergleichsweise geringe Vorwärtsbeugung.
Ausholen, Teil eins: Er startet den ersten Teil seiner Bewegung mit einer mittigen Rotation des Oberkörpers und hebt leicht seine Arme so, dass diese vor dem Oberkörper bleiben. In der Fachsprache würden wir von einem „One Piece Take Away“ sprechen.

Ausholen, Teil 2:
Jon hat einen schwachen Griff, das heißt, eine stark nach rechts gedrehte linke Hand. Diese würde ohne die folgenden Kompensationen zu einer sehr stark geöffneten Schlagfläche führen. Während er den Oberkörper weiter nach rechts dreht, wird der schwache Griff durch eine starke Beugung der linken Hand kompensiert und die Schlagfläche scheint dabei geschlossen. In der höchsten Position des Schwungs bekommt der Spanier durch seine gebeugte linke Hand und in Verbindung mit dem stark gestreckten linken Arm enorme Spannung. Diese Handposition kennen wir auch von Dustin Johnson, ebenso kein kurzer Spieler.
Durchschwung: Im ersten Teil des Durchschwungs drückt Jon sich mit seinem rechten Fuß in Richtung Ziel ab und kommt danach in eine extreme Hüftrotation. Dadurch wird sein Schläger flacher, ähnlich wie bei Sergio García. Mithilfe der gespannten Handgelenksposition und seiner kraftvollen Schieb-Dreh-Bewegung des Unterkörpers in Richtung Ziel schafft Jon es, den Schläger wieder leicht steil auf die Ebene zu bringen.
Gut zu sehen, wie Jon seinen Körper konsequent weiter in Richtung Ziel dreht und dabei seinen rechten Arm erst im letzten Moment streckt. Eine Treffmoment-Position wie aus dem Bilderbuch, die viel Übung erfordert. Erst in dieser Position lässt Jon den Schläger durch die natürliche Unterarmrotation weiterschwingen. Entgegen seiner normalen, leicht gefadeten Flugkurven-Tendenz, drawt er im Beispiel oben den Ball wohl situationsbedingt.
In den letzten Zügen seiner Bewegung ist Jons Gewicht voll auf der linken Ferse. Dies erleichtert bei mangelnder Hüftflexibilität die Rotation und stabilisiert die enorme Schlägerkopfgeschwindigkeit. Im Finish steht der Spanier in seiner typischen Endposition. Ein Paradebeispiel für jemanden, der gelernt hat, das Beste aus seinen körperlichen Möglichkeiten herauszuholen.
Danny Wilde,  Jahrgang `75, PGA G1 Professional, Diplom-Trainer des DGV/DOSB, Tour Instructor und Akademie Headcoach im Golf Valley München

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