Klippenspiel
Thracian Cliffs in der Totalen: Vier Kilometer die Klippen entlang, immer mit Blick auf das Schwarze Meer
Wer hier ohne Ballverlust von der Runde kommt, kann nicht Golf gespielt haben. Muss er auch nicht: Es genügt schon, die einmalige Landschaft zu erobern – wie schon die wilden Thraker seit Jahrtausenden.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Sitzt auf der Terrasse und lässt den Blick über die schneeweißen Klippen schweifen. Strahlend blauer Himmel, türkisblaues Meer, bildhübsche Jungfrauen, die auf den Klippen im Reigen tanzen. Punta Cana am Ostzipfel der Dominikanischen Republik? Nein. Die Steilklippen an der Algarve? Nein. Pebble Beach an der amerikanischen Westküste? Nein, tiefes Wasser . . .
Was dann? Diese scheinbare „Fata Morgana” ist jedenfalls noch ein weißer Fleck auf jeder Golf-Landkarte. Neuland für jeden Golfer und alle mal ein Traum: Das Thracian Cliffs Golf & Beach Resort, 65 Kilometer von Varna entfernt und direkt an die malerische Schwarzmeerküste geklebt.
Richtig, das ist ja Bulgarien. Ostblock, Eiserner Vorhang, totaler Kommunismus. War einmal. Gehört seit 2007 zur Europäischen Union, stellt 2012 auf den Euro um und switcht von der reinen Landwirtschaft auf Tourismus; nicht speziell auf Gäste aus Rumänen, Russland oder allgemein auf die Billigtouristen aus dem Osten. Deutsche, Österreicher, Schweizer, Engländer, Schotten und Skandinavier heißen die neuen Zielgruppen.
Jahrtausende haben die ersten Siedler des thrakischen Stammes an der Schwarzmeerküste gegen Eindringlinge angekämpft: gegen Alexander den Großen, gegen die Ottomanen, gegen die Türken.
Attraktion. Am Felsvorsprung der Halbinsel Kap Kaliakra haben die Thraker ein Bollwerk gegen die Eroberer aus dem Osten errichtet, heute eine sehenswerte Ruine mit Ausgrabungen aus dem 9. Jhd., eine echte Touristenattraktion. Inzwischen sind Freunde wie Fremde herzlich willkommen – was bis vor kurzem gar nicht so selbstverständlich war.
Und dann tauchen da wieder diese rassigen Jungfrauen auf, händchenhaltend, scheinbar tanzend, schwebend, das Haar vom Wind durcheinandergewirbelt. An den unbarmherzigen Kampf gegen die Eroberer erinnert die Legende von 1394, als sich 40 Jungfrauen von den Klippen in die Tiefe stürzten, um der Gefangenschaft mit Vergewaltigung und Harem zu entrinnen. Die Überlieferung erzählt, dass sich die Mädchen an den Händen haltend von den hohen Felsklippen in den düsteren Meeresabgrund gestürzt haben.
Spätestens am 6. Loch des Thracian Cliffs Golf & Beach Resort würde man am liebsten auch über die Klippen springen: Gegenwind, verdammt schmale Fairways, ständig den Abgrund vor Augen, keine Bälle mehr. Kurz: Volltrunken nach einer unaufhaltsamen Sehnsucht in den golferischen Freitod zu springen.
Schuld daran ist das bereits erwähnte Gary Player Signature-Hole, Loch 6, ein Par 3 über 191 Meter mit einem Höhenunterschied von 40 Metern. Weiter nichts.
Entwicklung. Die Bulgaren haben inzwischen auch Golf entdeckt: Im noch jungen bulgarischen Golfverband sind 500 Mitglieder registriert – gerade mal so viele wie in einem einzigen deutschen Golfclub. Alleine drei Golfplätze gibt es an diesem Küstenabschnitt: Thracian Cliffs und Black-SeaRama, jeweils von Gary Player designed, und der Lighthouse-Course von Ian Woosnam. Neben diesen drei Plätzen existieren noch vier weitere Golfclubs in Bulgarien, Tendenz steigend.
Thracian Cliffs in der Totalen: Vier Kilometer die Klippen entlang, immer mit Blick auf das Schwarze Meer





