18.07.2018

„Das Training fehlt mir sehr“

Martin Kaymer
golftime
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Martin Kaymer beschreibt vor der Open Championship seine aktuelle Situation und erklärt, weshalb er von Angelique Kerber inspiriert ist.


Thomas Fischbacher aus Carnoustie

Golf Time: Herr Kaymer, Carnoustie ist keine Unbekannte für Sie, allerdings haben Sie den Platz während der Dunhill Links eher im Herbst als im Sommer kennengelernt. Was sind die Unterschiede?
Martin Kaymer: Der Platz spielt sich komplett anders. Auf dem steinigen Boden kommt der Driver vielleicht zwei Mal zum Einsatz. Ein Eisen 7 rollt bis auf 200 Meter. Es wird schwierig, die Distanz einzuschätzen. Im Vergleich zur Dunhill spielt er sich viel kürzer, was nicht heißt, dass es einfacher ist. Man muss smart an die Sache herangehen und gute Schläge machen, weil man den Bunkern kaum aus dem Weg gehen kann.
Auf welche Teile des Spiels kommt es besonders an?
Auf Linksplätzen kommt es immer auf die Verhältnisse an. Ich glaube, es wird auf die zweiten Schläge ankommen. Die Grüns sind steinhart, mein Pitching Wedge muss ich zehn Meter vor der Fahne aufkommen lassen. Die Fahnenpositionen vorne auf dem Grün werden sehr schwierig, da muss man längere Putts zum Birdie akzeptieren.
Sie spielen am Donnerstag um 6.35 Uhr in der allerersten Gruppe. Wann klingelt der Wecker?
Drei Stunden vorher stehe ich auf. Dann geht es vor dem Einschlagen noch zum Physiotherapeut. Wir haben am Dienstag schon mit der Vorbereitung begonnen, indem wir lange wach geblieben sind. Am Mittwoch essen wir sehr früh, um dann auch um 20 Uhr müde zu sein. Damit man seine sechs Stunden Schlaf bekommt. Die erste Startzeit kann ein großer Vorteil sein. Alle Linksplätze spielen sich bei wenig Wind viel einfacher. Am Morgen ist es wahrscheinlich ruhiger. Die Chance muss ich nutzen, ohne allzu aggressiv zu sein.
Stichwort Vorbereitung: Wie sehr geht Ihnen bei dem hohen Turnierpensum die Trainingszeit ab?
Ich würde sehr, sehr gerne viel mehr trainieren, aber aktuell muss ich wegen der PGA-Tour-Karte und auch dem Ryder Cup viele Turniere spielen. Durch die Verletzung war der Druck hoch und es war schwierig, die Balance zu finden zwischen Turnieren und der Vorbereitung darauf. Es waren einfach wenige Pausen dazwischen. Aber das Ding muss ich jetzt durchziehen. Sicher habe ich vier bis fünf Stellen am Körper, wo es hakt. Aber das ist normal bei dem Pensum.
Wirkt sich das auch auf Ihr Spiel aus?
Das Training fehlt mir sehr. Ich mag es, mich zu 100 Prozent auf die Turniere vorzubereiten. Das ist gerade nicht so möglich. Turniere wie die U.S. Open oder die BMW International Open, wo ich vorne dabei war, nehmen natürlich auch Energie. Da sind fünf oder sechs Tage zu wenig, um die Batterie aufzuladen. In dieser Zeit sollte man viel schlafen, sich ausruhen und wegkommen vom Sport. Aber tief im Inneren will man trainieren. Es fällt mir schwer, diese Balance zu finden.
Wie geht es nach der Open Championship für Sie weiter?
Am Montag geht es nach London zum Gary Player Invitational. Am Dienstag dann zur Canadian Open auf die PGA Tour. Ich hoffe, dass ich beim ProAm noch dabei bin, ansonsten spiele ich auf einem fremden Platz. Ich brauche 15 Turniere, um meine Karte zu behalten. Das geht nur noch, wenn ich es in erste unter die Top 125 und ins erste FedExCup-Turnier schaffe. Wenn ich mich nicht für das WGC-Bridgestone Invitational qualifiziere, spiele ich parallel dazu in Reno die Barracuda Championship.
War es im Nachhinein betrachte ein Fehler, sich so ein hohes Pensum aufzubürden?
Vielleicht war es falsch, mich nicht so ausgiebig auf die Saison vorzubereiten. Aber ich wollte beim Masters einfach dabei sein. Wäre es nicht Augusta gewesen, hätte ich mir noch zwei bis drei Wochen Zeit gegeben nach der Verletzung. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, das Richtige zu tun. Mein Körper sagt mir jetzt, dass ich ein paar mehr Pausen hätte einlegen sollen.
Die Open Championship und Wimbledon kann man vom Stellenwert in der eigenen Sportart vergleichen. Wie sehr hat Sie Angelique Kerbers Sieg inspiriert?
Der Sieg ist nur ein Resultat der ganzen Vorbereitung. Und dieser Weg hat mich inspiriert. Sie hat ihr ganzes Team gewechselt, war sehr mutig, weil sie ein Typ ist, der sehr auf Routinen achtet. Als Sportler ist es sehr wichtig, Routinen aufzubauen und sich komfortabel zu fühlen. Sie hatte ja schon daran gedacht, mit dem Tennis aufzuhören. Andere geben sich dann mit Mittelmaß zufrieden, Aber sie hat einen radikalen Wechsel gewagt.
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